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Dokumentenidentifikation DE202006013613U1 08.03.2007
Titel Eine zusätzliche Pedalklaviatur für ein Pedalsystem an historischen und unter Denkmalschutz stehenden Kirchenorgeln
Anmelder Hartmann, Rudi, Ing.(grad.), 63546 Hammersbach, DE
DE-Aktenzeichen 202006013613
Date of advertisement in the Patentblatt (Patent Gazette) 08.03.2007
Registration date 01.02.2007
Application date from patent application 05.09.2006
IPC-Hauptklasse G10B 3/14(2006.01)A, F, I, 20060905, B, H, DE

Beschreibung[de]

Eine historische und unter Denkmalschutz stehende Kirchenorgel hat in der Regel sehr kurze Pedaltasten. Die Länge beträgt oft nur 32 bis 35 cm, gemessen vom hinteren Dreh- und Verankerungspunkt bis zur Vorderkante der Obertasten.

Der Schuh eines erwachsenen Orgelspielers bedeckt ohne wenig Spielraum nach vorne und hinten somit fast die ganze Tastenlänge.

Viele Orgeln mit einem derartigen Pedalsystem stammen aus der Zeit des 18. Jahrhunderts, sind noch heute voll funktionsfähig und spielbar, dank ständiger Überholung und Wartung.

Sie wurden damals gebaut für eine „Spielweise überwiegend mit den Fußspitzen" und erfüllen auch heute noch alle Anforderungen an kirchendienliche Aufgaben wie Gottesdienste, kirchliche Veranstaltungen, Konzerte usw.

Wenn man allerdings mit einem Pedalsystem dieser alten Bauart versucht, die heutzutage immer mehr aufkommende und in vielen Orgelschulen und Kompositionen vorherrschende Spielweise „Spitze und Ferse" anzuwenden, werden schnell die Grenzen dieser Spielweise deutlich.

Beim Wechsel auf den Untertasten von Spitze zu Ferse treten aufgrund der sehr ungünstigen Hebelverhältnisse Pedaldrücke an der Ferse auf, die 6 mal größer sind als zuvor der Druck an der Spitze, siehe Zeichnung 1. Die Berechnung der Pedaldrücke ist in der Zeichnung angegeben.

Solche Schwankungen – würde man sie auf die Manuale übertragen, wo ungleiche Druckempfindungen in den Fingern unvorstellbar wären – machen das Pedalspiel mit Spitze und Ferse unmöglich.

Beim Wechsel von einer Obertaste zur Untertaste wird dieses Problem etwas geringer, weil die Ferse dann einen größeren Abstand zum hinteren Pedallager hat. Sie stört aber auch hier nicht unwesentlich ein kontrolliertes und fließendes Pedalspiel.

Der Druck an der Ferse ist immer noch 3,3 mal größer als der Druck an der Spitze, siehe Zeichnung 2. Die Berechnung ist in der Zeichnung ebenfalls angegeben.

Mit den Orgelspieltischnormen, herausgegeben vom Normenausschuss der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschland (VOD) und vom Bund deutscher Orgelbaumeister (BDO), wurde schon 1972 für neu zu bauende Kirchenorgeln bewusst das Spitze/Ferse-Spiel empfohlen und gefördert, auch deswegen, weil die heutigen Menschen größere Körpermaße haben gegenüber früheren Zeiten. Die Länge der Pedaltasten ist nach diesen Normen mit 60 bis 65 cm fast doppelt so groß wie bei den meisten historischen Orgeln.

Der Einbau eines komplett neuen Pedalsystems mit langen Pedaltasten nach den heute gültigen Spieltischnormen, kann wegen der oft fehlenden Anerkennung der zuständigen Orgelsachverständigen und aufgrund des meist vorhandenen Denkmalschutzes nicht durchgeführt werden.

Dies würde eine wesentliche Veränderung und einen grundlegenden Umbau an einer alten Orgel darstellen.

Als Folge ergibt sich somit, dass auf einer historischen Orgel mit kurzen Pedaltasten in der Tat nur mit der sehr eingeschränkten Spitze/Spitze-Spieltechnik musiziert werden kann.

Mit der nachfolgend beschriebenen Erfindung wird erreicht, dass das Pedalsystem an einer historischen und Denkmalorgel nicht verändert werden muss. Es bleibt völlig in dem Zustand erhalten, den der Orgelbaumeister einst in der Bauzeit beabsichtigt und ausgeführt hat.

Mit einer zusätzlichen Pedalklaviatur, welche einfach und schnell an das alte Pedalsystem anzubringen ist und längere Pedaltasten aufweist, wird dem Orgelspieler das Gefühl vermittelt, als würde er auf einem modernen Pedalsystem spielen.

Die Spitze/Ferse-Technik ist problemlos anzuwenden. Der Fersenpedaldruck geht auf das 2fache des Spitzendruckes zurück, etwa bei einer neuen Pedallänge von ca. 55 cm, siehe Zeichnung 3. Die Berechnung der Pedaldrücke ist in der Zeichnung angegeben.

Diese Erfahrungen ergeben sich aus einer in der Praxis erprobten zusätzlichen Pedalklaviatur an einer Denkmalorgel, gebaut im Jahre 1787, siehe Zeichnung 3 und 6, als perspektivische Darstellung. Das alte vorhandene Pedalsystem ist hiermit mit gestrichelten Linien eingezeichnet.

Die neue zusätzliche Pedalklaviatur:

Die neuen Untertasten 1 beginnen etwa im Bereich der Obertasten 2. An dieser Stelle wird über eine leicht mit Vorspannung aufsteckbare Metallklammer 3 die Hubbewegung der neuen Untertasten 1 auf das alte vorhandene Pedalsystem 4 übertragen. Der Hub beträgt ca. 1,5 cm. Die Länge der neuen Untertasten 1 beträgt ca. 55 cm, sie sind damit 20 cm länger als das alte vorhandene Pedalsystem 4, siehe Zeichnung 3.

Die neuen Untertasten 1 sind 3,5 cm hoch, laufen nach oben konisch zu und enden dann halbkreisförmig. Mit dieser Form wird die lichte Weite der Pedalteilung etwas vergrößert. Die Abrundung hat auch zur Folge, dass die Sicherheit beim Fersenspiel verbessert wird. Siehe Zeichnung 4.

Am hinteren Ende der zusätzlichen Pedalklaviatur ist für jede einzelne neue Untertaste 1 ein gemeinsamer Drehpunkt 12 und je eine Metallhülse 5 angebracht, die drehbar und mit einem genau definiertem Spiel auf einem durchgehenden Lagerrohr 6, den neuen Drehpunkt 12 unterhalb der Orgelsitzbank bildet, siehe Zeichnung 5.

Die metallische Lagerung jeder einzelnen neuen Untertaste 1 gibt auch über die vordere Metallklammer 3 dem alten vorhandenen Pedalsystem 4 eine bessere Stabilität, die wegen der alten Filz- und Lederführung und dem natürlichen seitlichen Verschleiß nicht immer vorhanden ist und oft störende Holzgeräusche bei schnellem Pedalspiel verursacht.

Den Abschluss der hinteren Lagerung auf dem Orgel-Fußboden bildet eine massive Holzauffütterung 7, welche das Lagerrohr 6, die Metallhülsen 5 und die neuen Untertasten 1 aufnimmt und trägt.

Das Lagerrohr 6 ist an den beiden Enden mit je einer vorgespannten Metallklammer 9 auf der Holzauffütterung 7 arretiert.

Die beiden an den Enden der Holzauffütterung 7 angebrachten kleinen Winkelstücke 8 ermöglichen mit 2 dünnen Schraubstiften 10 die Fixierung der gesamten zusätzlichen Pedalklaviatur im Orgel-Fußboden, siehe Zeichnung 5.

Die beiden ca. 4 mm großen Bohrungen im Orgel-Fußboden für die Schraubstifte 10 sind die einzig bauliche Veränderungsmaßnahme, die notwendig ist, um die neue Pedalklaviatur als ganze Einheit anzubringen.

Die kurzen Tastenstücke für die neuen Obertasten 2 werden ebenfalls mit je zwei Metallklammern 3 aufgesteckt um das notwendige Höhenniveau zwischen Ober- und Untertasten wieder herzustellen.

Der Drehpunkt 11 für die neuen Obertasten 2 verbleibt unverändert wie der Drehpunkt für die alten Untertasten des alten vorhandenen Pedalsystems 4, siehe Zeichnung 3.

Das Anbringen der neuen Pedalklaviatur ist als ganze Einheit in ca. 5 Minuten durchführbar. Sie kann ebenso einfach und schnell wieder demontiert werden.

Neben dem Erhalt des historischen alten Pedalsystems, ohne jegliche bauliche Veränderung, dient die Erfindung aber auch dem Zwecke, die neue Pedalklaviatur permanent an einer historischen Orgel zu belassen.

Beide Spieltechniken, Spitze/Spitze und Spitze/Ferse können wahlweise angewendet werden.

Abschließend wird noch einmal die beschriebene Erfindung zusammenfassend genannt und die erzielten Vorteile aufgelistet.

  • 1. Die moderne Spitze/Ferse-Spieltechnik ist problemlos anwendbar wie bei einer neuen Orgel mit modernem Pedalsystem und langen Tasten.
  • 2. Das Pedaldruckverhältnis Fußspitze : Ferse ist mit 1 : 2 optimal im Vergleich zu einer alten Orgel mit etwa 1 : 6.
  • 3. Es sind keine baulichen Veränderungen am alten Pedalsystem erforderlich.

    Damit geht keine historische Substanz verloren. Der Denkmalschutz wird beachtet und nicht verletzt.
  • 4. Die neue Pedalklaviatur ist als ganze komplette Einheit, in wenigen Minuten am alten vorhandenen Pedalsystem anzubringen.
  • Sie kann und soll permanent daran angebracht bleiben.
  • 5. Die alte Spitze/Spitze-Spieltechnik kann weiterhin angewendet werden.
  • Damit ist erreicht, dass auch der klassischen barocken Spitze/Spitze-Technik weiterhin Rechnung getragen wird.

Die Erfindung wird anhand der 1 bis 6 auch konstruktiv und zeichnerisch erläutert:

1 – altes Pedalsystem und Darstellung der Pedaldrücke auf den Untertasten

2 – altes Pedalsystem und Darstellung der Pedaldrücke auf Ober- und Untertasten

3 – zusätzliche Pedalklaviatur am alten Pedalsystem mit Darstellung der reduzierten Pedaldrücke auf den neuen Untertasten 1

4 – Querschnitt der neuen Ober- und Untertasten und deren Befestigung auf den alten vorhandenen Ober- und Untertasten

5 – neuer Drehpunkt der Pedalklaviatur und dessen Lagerung und Fixierung auf dem Orgelfußboden

6 – Perspektivische Zeichnung einer in der Praxis installierten und erprobten Pedalklaviatur wie in der Beschreibung erläutert.

Die in der vorgenannten Beschreibung, in den Zeichnungen und in den Schutzansprüchen genannten Bezugszeichen sind auf dem gesonderten Blatt „Bezugszeichen" zusammenfassend aufgelistet und benannt.

P5
Pedaldruck an der Fußspitze
PF
Pedaldruck an der Ferse
PT
erforderlicher Zug um die Windventile an den Orgelpfeifen über die Traktur zu
öffnen
MT
Gesamtdrehmoment an der Traktur
MS
notwendiges Drehmoment an der Fußspitze
MF
notwendiges Drehmoment an der Ferse
OW
Orgelwand
T
Pedal – Teilung
TL
Vergrößerte lichte Pedal – Teilung
L
Gesamtlänge der Pedalklaviatur, in der Regel bestehend aus zwei Oktaven mit
15 Untertasten (1) und 10 Obertasten (2)
1
neue Untertasten
2
neue Obertasten
3
Metallklammern
4
das alte vorhandene Pedalsystem
5
Metallhülsen
6
Lagerrohr
7
Holzauffütterung
8
Winkelstücke
9
Metallklammern
10
Schraubstifte
11
Drehpunkt der alten vorhandenen Pedale
12
Drehpunkt der neuen Pedale

Maßstab der Zeichnungen: (Die Maße sind in cm angegeben)

  • 1 1 : 5
  • 2 1 : 5
  • 3 1 : 5
  • 4 1 : 1
  • 5 1 : 1
  • 6 die Pedal – Teilung T ist stark vergrößert dargestellt, um die perspektivische Ansicht der Pedaltasten deutlich und klar erkennbar zu machen


Anspruch[de]
Pedalklaviatur für ein Pedalsystem an historischen und unter Denkmalschutz stehenden Kirchenorgeln dadurch gekennzeichnet, dass außer dem Drehpunkt (11) für das vorhandene Pedalsystem (4) ein neuer Drehpunkt (12) installiert wird, welcher die Pedalklaviatur aufnimmt, und dass zwischen beiden Drehpunkten ein Abstand besteht, der so groß ist, dass die neuen Untertasten (1) eine Länge von 55 cm haben. Pedalklaviatur nach Anspruch (1) dadurch gekennzeichnet, dass die neuen Untertasten (1) einarmige Hebel sind, einen gemeinsamen Drehpunkt (12) haben und auf der Unterseite des freien Hebelendes aufsteckbare Metallklammern (3) aufweisen. Pedalklaviatur nach einem der vorhergehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass die neuen Untertasten (1) im Bereich des neuen Drehpunktes (12) je eine Metallhülse (5) aufweisen, die mit ihrer Innenbohrung und der Längsachse der Untertasten (1) einen rechten Winkel von 90 Grad bilden. Pedalklaviatur nach einem der vorhergehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass die neuen Untertasten (1) mit den angebrachten Metallklammern (3) und den Metallhülsen (5) auf einem gemeinsamen Lagerrohr (6) drehbar gelagert sind. Pedalklaviatur nach einem der vorhergehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass die neuen Untertasten (1), die Metallklammern (3), die Metallhülsen (5) und das Lagerrohr (6) als gemeinsame montierte Einheit auf einer massiven Holzauffütterung (7) mit den beiden seitlichen Metallklammern (9) unverrückbar angebracht sind und dass die Bauhöhe der Holzauffütterung (7) so bemessen ist, dass zwischen dem alten vorhandenen Pedalsystem (4) und den neuen Untertasten (1) 5 mm Spielraum entstehen. Pedalklaviatur nach einem der vorhergehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass die komplette Pedalklaviatur für das Pedalsystem der neuen Untertasten (1) mit den beiden seitlichen Winkeln (8), die an der Holzauffütterung (7) angebracht sind und den beiden Schraubstiften (10), die Fixierung im Orgelfußboden ermöglicht. Pedalklaviatur nach einem der vorhergehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass die Erhöhung der Obertasten des vorhandenen Pedalsystems (4) mit den neuen kurzen Obertasten (2) mit je 2 Metallklammern (3) erfolgt.






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