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Dokumentenidentifikation DE102005024335A1 05.04.2007
Titel Verfahren und Vorrichtung zur Durchführung von Bremsenprüfungen bei Kraftfahrzeugen mit Druckluftbremsanlage
Anmelder MAN Nutzfahrzeuge AG, 80995 München, DE;
Comitware GmbH, 86899 Landsberg, DE;
Ludwig Hunger Maschinenfabrik GmbH, 86916 Kaufering, DE
Erfinder Burger, Michael, 86899 Landsberg, DE;
Augustin, Robert, 86899 Landsberg, DE;
Korn, Ullrich, 86944 Unterdießen, DE;
Nitsche, Wolfgang, 86916 Kaufering, DE
Vertreter Heinemeyer, K., Dipl.-Ing., Pat.-Anw., 80339 München
DE-Anmeldedatum 27.05.2005
DE-Aktenzeichen 102005024335
Offenlegungstag 05.04.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 05.04.2007
IPC-Hauptklasse G01L 5/28(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
IPC-Nebenklasse B60T 17/22(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   

Beschreibung[de]
Technisches Gebiet:

Die Erfindung betrifft eine sowie eine Verfahren und Vorrichtung zur Durchführung von Bremsenprüfungen bei Kraftfahrzeugen mit Druckluftbremsanlage, mit dem die Bremskraft der unterschiedlichen Achsen bestimmbar ist.

Im Rahmen der Erteilung der Allgemeinen Betriebserlaubnis für Typen (§ 20 StVZO) oder der Betriebserlaubnis für Einzelfahrzeuge (§ 21 StVZO) müssen die Bremsanlagen von Fahrzeugen auf die Einhaltung der nationalen Bau- und Betriebsvorschriften (§ 41 StVZO) hin geprüft werden. Für Fahrzeuge, die nach dem 1. Januar 1991 erstmalig in Verkehr gekommen sind, gelten die meist weiterreichenden Anforderungen nach der EU-Richtlinie 71/320/EWG bzw. der Regelung ECE R-13. Die Anforderungen an eine diesen Richtlinien entsprechende so genannte EG-Bremsanlage sind von der jeweiligen Fahrzeugklasse abhängig und betreffen die im Folgenden kurz erläuterten und in der DIN ISO 611 genauer definierten Bremsanlagen:

  • a) Die Betriebsbremsanlage dient zur Verringerung der Geschwindigkeit des Fahrzeugs, wird von dem Fahrzeugführer mit dem Fuß betätigt und muss abstufbar sein.
  • b) Die Hilfsbremsanlage muss bei Ausfall der Betriebsbremse deren Funktion mit verminderter Wirkung erfüllen. Diese Bremsanlage muss kein eigenständiges System sein. Vielmehr ist der zweite Kreis einer zweikreisigen Bremsanlage oder eine abstufbare Feststellbremse ausreichend.
  • c) Die Feststellbremsanlage sichert ein stehendes Fahrzeug gegen Wegrollen. Diese Bremsanlage muss bei Ausfall der Energieversorgung, insbesondere der Druckluftversorgung voll wirken können. Aus diesem Grund ist an dieser Stelle eine mechanische Wirkung auf die Radbremse, bspw. über Seilzug, Gestänge oder Federspeicher, vorgeschrieben.
  • d) Die Dauerbremsanlage wandelt Lage- oder Bewegungsenergie des Fahrzeugs verschleißlos in Wärme um und ist als Zusatzbremsanlage zu betrachten.
  • e) Die selbsttätige Bremsanlage bremst Anhängefahrzeuge beim Abreißen der Verbindungseinrichtung bzw. bei Druckverlust in der Vorratsleitung einer Druckluft-Bremsanlage.

In der bereits erwähnten EU-Richtlinie 71/320/EWG sind Lastkraftwagen in die Klasse „N" eingeteilt wobei eine Unterteilung der Klasse „N" in Fahrzeuge bis 3,5 t Gesamtgewicht (N1), Fahrzeuge von mehr als 3,5 t bis 12 t (N2) Gesamtgewicht und Fahrzeuge von mehr als 12 t (N3) Gesamtgewicht erfolgt. Die Lastanhänger befinden sich in der Fahrzeugklasse „O" und sind in die Unterklassen bis 0,75 t (O1), mehr als 0,75 t bis 3,5 t (O2), mehr als 3,5 t bis 10 t (O3) und mehr als 10 t (O4) eingeteilt.

Die Bremsenprüfung nach der EU-Richtlinie 71/320/EWG umfasst Prüfungen von Bremswegen bei vorgegebener Prüfgeschwindigkeit, von mittleren Vollverzögerungen bzw. Abbremsungen sowie von Betätigungskräften am Fußpedal oder am Handhebel. Dabei ist zu beachten, dass sich die zu erbringenden Verzögerungen bzw. Abbremsungen immer auf das Fahrzeug bei zulässigem Gesamtgewicht, also vollbeladen, beziehen. Da im praktischen Bremsversuch am Rollenprüfstand Fahrzeuge oftmals un- oder teilbeladen überprüft werden, werden die dort ermittelten Bremskräfte auf den vollbeladenen Zustand umgerechnet.

Die wichtigsten Prüfanforderungen an eine Nutzfahrzeug-Bremsanlage sind in den drei folgenden Prüfverfahren enthalten: – Prüfung Typ 0: Normale Prüfung der Bremswirkung bei kalter Bremse; – Prüfung Typ I: Prüfung des Absinkens der Bremswirkung nach einem vorgeschriebenen Zyklus sich wiederholender Bremsungen beim Lastkraftwagen bzw. Schleppen eines Anhängers bei 7% Abbremsung und 40 km/h über eine Entfernung von 1700 m; – Prüfung Typ II: Prüfen des Fahrzeugverhaltens auf langen Gefällstrecken. Die Energieaufnahme muss dabei derjenigen entsprechen, die beim Befahren eines 6%igen Gefälles mit 60 km/h auf einer Strecke von 6 km entspricht.

Gerade bei mehrachsigen Fahrzeugen und insbesondere bei Nutzfahrzeugen mit Anhänger oder Auflieger (Gliederzüge, Sattelzüge) ist die Bereitstellung des richtigen Druckniveaus an den Bremsen der unterschiedlichen Achsen von großer Bedeutung, um einerseits einen sicheren Bremsvorgang des Gesamtzuges zu erreichen und andererseits den Gesamtverschleiß der Bremsanlage zu minimieren. Wird etwa die Bremse einer ersten Achse aufgrund falscher Einstellung nicht optimal genutzt, bewirkt dies eine Überlastung der Bremse an einer zweiten Achse. Dies führt dazu, dass die Bremse an der zweiten Achse verhältnismäßig schnell verschleißt, was eventuelle Sicherheitsrisiken mit sich bringt und auch die Intervalle zwischen den Werkstattaufenthalten eines Fahrzeugs unnötig verkleinert. Um bei mehrachsigen Fahrzeugen oder bei Nutzfahrzeugen mit Anhänger oder Auflieger die Kraftschlussbedingungen der Fahrbahn beim Bremsvorgang voll ausnutzen zu können, müssen im Idealfall alle Räder gleichzeitig die Kraftschlussgrenze erreichen bzw. an dieser gehalten werden. Bei einer entsprechenden Bremskraftregelung ist vor allem auch die Verteilung der Last auf dem Fahrzeug, also die unterschiedliche Belastung der verschiedenen Achsen zu berücksichtigen. Die Anforderungen an die Güte einer entsprechenden Bremskraftregelung sind ebenfalls in der EU-Richtlinie 71/320/EWG festgelegt. Danach muss die Bremskraftaufteilung so optimiert sein, dass in Abhängigkeit der Kraftschlussbedingungen zwischen Reifen und Fahrbahn immer eine Mindestbremsung erreicht wird.

Seit dem 1.12.1999 hat eine neue Sicherheitsprüfung (SP) die bis dahin vorgeschriebene Bremsen-Sonderuntersuchung (BSU) und Zwischenuntersuchung (ZU) abgelöst. Die Sicherheitsprüfung gilt für Lastkraftwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 7,5 t sowie für Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 10 t. Die somit derzeit vorgeschriebene Sicherheitsprüfung darf entsprechend der Neuordnung der Technischen Fahrzeugüberwachung gemäß § 29 StVZO nur noch durch anerkannte Werkstätten sowie Prüfanstalten, wie etwa TÜV oder DEKRA, vorgenommen werden. Für Lastkraftwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 7,5 bis 12 t und Anhänger ist die erste Sicherheitsprüfung nach 3,5 Jahren, für alle größeren LKW nach 2,5 Jahren fällig. Nach diesem Zeitpunkt findet die Sicherheitsprüfung jährlich im Wechsel mit der ebenfalls jährlichen Hauptuntersuchung (HU) statt.

Für den Betreiber eines Nutzfahrzeugs stehen neben dem Sicherheitsaspekt somit zwei wesentliche Gesichtspunkte bei der Instandsetzung und Wartung einer Bremsanlage im Vordergrund. Zum einen müssen alle gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden, damit nicht die Betriebserlaubnis eines Fahrzeugs erlischt, zum anderen sollte aber auch das Verschleißverhalten einer Bremsanlage derart optimiert werden, dass die Intervalle zwischen den einzelnen Werkstattaufenthalten minimiert und bestenfalls jeweils mit den vorgeschriebenen Untersuchungen (SP, HU) zusammenfallen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass sich die gesetzlichen Vorgaben im Wesentlichen auf das Verhalten einer Bremsanlage in Notbremssituationen beziehen, während der Verschleiß einer Bremsanlage in der Hauptsache durch Bedarfsbremsungen bzw. Anpassungsbremsungen hervorgerufen wird.

Zu einer Standardprüfung einer Bremsanlage in einer Werkstatt gehört daher neben der statischen Bremsenprüfung, die in der Regel auf einem Rollenprüfstand durchgeführt wird, auch eine dynamische Bremsenprüfung, die während der Fahrt des Fahrzeugs auf dem Werkstattgelände bzw. einer Versuchs- oder Teststrecke durchgeführt wird. Hauptziel einer derartigen Überprüfung des dynamischen Verhaltens einer Bremsanlage ist die Abstimmung der Bremsanlage des Gesamtzuges, so dass die Bremskraft der einzelnen Achsen hinsichtlich des in unterschiedlichen Verkehrssituationen und bei unterschiedlicher Beladung vorhandenen Bremskraftbedarfs optimiert wird.

Aufgabe der Erfindung ist es daher, ein Verfahren sowie eine Vorrichtung anzugeben, das/die mit verhältnismäßig einfachen Mitteln zügig eine genaue und vor allem reproduzierbare Prüfung der Druckluftbremse eines Nutzfahrzeugs ermöglicht. Hierbei soll insbesondere für die Bedienperson die Zugabstimmung einer Bremsanlage bzgl. der an den verschiedenen Achsen eines Gesamtzuges wirkenden Bremskräfte im Vergleich zu den bisher bekannten Prüf- bzw. Messverfahren vereinfacht werden. Ferner soll sowohl eine statische als auch eine dynamischen Prüfung einer Bremsanlage durch eine Bedienperson, und zwar ohne dass die Bedienperson bei laufender Prüfung das Fahrerhaus eines Nutzfahrzeugs verlassen muss, durchführbar sein.

Die Lösung der vorstehenden Aufgabe wird mit einem Verfahren zur Prüfung einer Druckluftbremsanlage eines Nutzfahrzeugs im Wesentlichen dadurch erreicht, dass die folgenden Schritte abgearbeitet werden:

  • – Einstellen wenigstens eines Betriebsparameters des Fahrzeugs unter Berücksichtigung eines ersten in einem Prüfsystem hinterlegten zumindest einen Prüfschritt aufweisenden Prüfablaufs,
  • – Erfassen wenigstens eines Messwerts für einen in einem Bremskreis und/oder an einem Bremselement der Druckluftbremsanlage anliegenden Druck der durch einen Verdichter verdichteten Luft,
  • – Übertragen des wenigstens einen Messwerts an eine zentrale, vorzugsweise im Fahrerhaus angeordnete Datenverarbeitungseinheit,
  • – Speicherung und ggf. Weiterverarbeitung oder Weiterleitung des wenigstens einen aufgenommenen Messwerts durch die Datenverarbeitungseinheit sowie
  • – Verändern wenigstens eines Betriebsparameters des Fahrzeugs, sobald der erste Prüfablauf abgearbeitet ist.

Wesentlich bei dem vorbeschriebenen Verfahrensablauf ist, dass bereits während des Betriebs eines Nutzfahrzeugs der innerhalb wenigstens eines Bremskreises herrschende Druck erfasst und an eine Datenerfassungs- bzw. -verarbeitungseinheit übertragen wird. Ein derartiges Messverfahren kann sowohl bei einer statischen Prüfung auf dem Prüfstand als auch bei einer dynamischen Prüfung während der Fahrt durchgeführt werden und ist sowohl bei Nutzfahrzeugen mit oder ohne angekuppeltem Anhänger bzw. aufgesatteltem Auflieger einsetzbar. Vorzugsweise erfolgt die Erfassung der Druckwerte mittels Sensoren, die an den Prüfanschlüssen, die in den Kreisen der Bremsanlage und/oder an den Bremselementen vorgesehen sind, angebracht werden.

Vorzugsweise erfolgt die Messung des Drucks der verdichteten Luft jeweils in den vier Vorratskreisen des Nutzfahrzeugs sowie im Vorrats- und Bremskreis des Anhängers bzw. Aufliegers. Darüber hinaus ist es denkbar, die Messung auch auf die in den Bremszylindern herrschenden Drücke auszuweiten. In einer ganz besonders geeigneten Weiterbildung der Erfindung wird an wenigstens einem Bremselement zusätzlich die Temperatur erfasst. Eine derartige Temperaturmessung bspw. der Bremstrommeltemperatur, die unter anderem Aussagen über den Betriebszustand einer Bremse zulässt, erfolgt heute noch weitgehend manuell mit Hilfe entsprechender Temperaturmesseinrichtungen (berührungslos mittels Infrarotthermometer).

Sind die bei bestimmten Betriebszuständen an den Bremszylindern der Achsen anliegenden Drücke ermittelt worden, so kann mit diesen Werten auf bevorzugte Weise eine Messung der Bremskraft der einzelnen Achsen bei dem entsprechenden Druck auf einem Rollenprüfstand durchgeführt werden. Auf diese Weise sind auch Aussagen über die bei den tatsächlich im Straßenverkehr auftretenden Bremsfällen benötigten Bremskräfte an den einzelnen Achsen möglich.

Der wenigstens eine an die Datenverarbeitungseinheit übertragene Messwert wird gespeichert, ausgewertet und verarbeitet, wobei die Datenverarbeitungseinheit ihrerseits hierfür verschiedene, ggf. räumlich von einander beabstandete Komponenten, wie etwa Speichereinheit, Auswerteeinheit und/oder Übertragungseinheit, aufweist.

Die aufbereiteten Daten werden schließlich an eine Ausgabeeinheit übertragen, wobei es sich bei dem Ausgabeelement vorzugsweise um eine Datenschnittstelle handelt, an die ein externer Datenspeicher, eine externe Datenverarbeitungseinheit oder ein Display anschliessbar ist. Selbstverständlich ist es auch denkbar, die aufbereiteten Messwerte über das Ausgabeelement an einen Fahrzeugführungsrechner und/oder an ein im Fahrerhaus vorgesehenes Zentraldisplay zu übertragen. Eine weitere vorteilhafte Ausführungsform sieht ferner vor, dass sich die Ausgabeeinheit nicht innerhalb des Fahrzeugs befindet, sondern etwa in der Werkstatt. Auf diese Weise kann bspw. ein Druck innerhalb der Druckluftbremsanlage auf einer Teststrecke erfasst und schließlich an einen im Werkstattbüro befindlichen Rechner übermittelt werden. Die Datenübertragung zwischen der Datenerfassungs- bzw. -verarbeitungseinheit im Fahrzeug und dem externen Rechner erfolgt in diesem Fall drahtlos, vorzugsweise über eine Funkdatenverbindung. Genauso ist es denkbar, dass die Übertragung der an den Bremskreisen und/oder den Bremselementen aufgenommenen Messwerte an das Datenerfassungsgerät drahtlos erfolgt oder die Messwerte sogar direkt ohne Zwischenspeicherung im Fahrzeug an einen externen Rechner übertragen werden.

In einer besonderen Ausführungsform werden verschiedene Prüfabläufe, die verschiedene Prüfschritte aufweisen, in der Datenverarbeitungseinheit gespeichert und der Bedienperson angezeigt, so dass diese durch das Prüfprogramm geführt wird. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen vorgenommen werden und auch alle Einzelprüfungen durchgeführt werden. Dementsprechend kann der gesamte Prüfablauf mit den aufgenommenen Messwerten protokolliert werden. Insbesondere für die Auswertung von Unfällen stehen die so aufgenommenen Werte jeder Zeit zur Verfügung. Genauso kann die Prüfung jeder Zeit unterbrochen und zu einem beliebigen Zeitpunkt wieder aufgenommen werden.

Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung des Verfahrens sieht vor, dass an den Vorratsbremskreisen des Nutzfahrzeugs und/oder des Anhängers bzw. Aufliegers Ventileinheiten vorgesehen werden, durch die der Druck in den einzelnen Kreisen auf einen vorgebbaren Wert absenkbar ist. Besonders geeignet ist in diesem Zusammenhang die Verwendung von Magnetventilen, die an den Vorratsbehältern angebracht und aus dem Fahrerhaus, vorzugsweise über eine Dateneingabeeinheit der Datenverarbeitungseinheit, zu betätigen sind. Auf diese Weise ist es möglich, den Druck in den einzelnen Bremskreisen auf einen bestimmten Wert abzusenken, sobald der Prüfablauf dies erfordert. Selbstverständlich kann dieser Vorgang automatisiert werden, indem der Druck zumindest eines Bremskreises automatisch von dem System auf den gewünschten Wert abgesenkt wird, sobald die Bremsenprüfung dies erforderlich macht.

Die in der Bremsanlage erfassten Drücke werden in Echtzeit erfasst und ggf. einem bestimmten Betriebszustand des Fahrzeugs zu diesem Zeitpunkt zugeordnet. Erfordert ein Prüfschritt bspw., dass in einem Bremskreis oder auch am Druckluft-Kupplungskopf, an den die Bremsleitung eines Anhängers anschliessbar ist, ein bestimmter Druck eingesteuert werden soll, so wird der Fahrer zunächst vom Prüfsystem aufgefordert, diesen Druck über eine entsprechende Stellung des Fußpedals einzustellen und sobald der gewünschte Druck im Bremskreis oder am Kupplungskopf anliegt, werden die an den Bremselementen der verschiedenen Achsen anliegenden Drücke erfasst und dem aufgrund der Fußpedalstellung erzeugten Ausgangsdruck zugeordnet. Auf diese Weise wird etwa ermittelt, welcher Betriebsdruck bei einem Druck von 1,5 bar am Kupplungskopf der Bremsleitung in den Bremszylindern der verschiedenen Anhängerachsen anliegt. Werden wenigstens zwei, vorzugsweise drei dieser Messungen bei 1, 1,5 und 2 bar am Kupplungskopf der Anhängerbremsleitung durchgeführt, kann auf besonders bevorzugte Weise eine Zugabstimmung, also die Angleichung der an den verschiedenen Achsen eines Zuges anliegenden Bremsdrücke, vorgenommen werden.

Selbstverständlich ist es darüber hinaus ebenfalls denkbar, weitere mit Druckluft beaufschlagte Versorgungskreise eines Nutzfahrzeugs, wie etwa den Kreis der Luftfederung, den lastabhängigen Bremskraftregler oder auch den Eingangsdruck am Anhängersteuerventil zu überprüfen. Hierzu müssen lediglich entsprechende Messpunkte vorgesehen und die Messwerte an die Datenverarbeitungseinheit übertragen werden.

Eine weitere vorteilhafte Gestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens sieht vor, dass während der Fahrt des Nutzfahrzeugs die Druckverhältnisse, die bei üblicher, verkehrsangepasster Fahrweise an den Bremselementen der Achsen herrschen, aufgezeichnet werden und so ein fahrerspezifisches Profil erstellt wird. Mit einem derartigen Verfahren ist es insbesondere möglich, bei der Einstellung der Bremsen auch die Fahrweise des Fahrers und hierbei insbesondere das Auftreten sowie die Art und Verteilung von Anpassungsbremsungen zu berücksichtigen. Dies ist von besonderer Bedeutung, da die so genannten Anpassungsbremsungen einen Großteil der im Straßenverkehr auftretenden Bremsungen ausmachen.

Neben dem Verfahren betrifft die Erfindung auch eine Vorrichtung zur Durchführung eines Verfahrens zur Überprüfung einer Druckluftbremsanlage. Die Vorrichtung verfügt über eine Datenverarbeitungseinheit sowie wenigstens einen Sensor, mit dem der in einem Bremskreis und/oder an einem Bremselement anliegende Druck erfassbar ist. Hierbei ist die Vorrichtung derart ausgestaltet, dass die mit dem wenigstens einen Sensor erfassten Messwerte an die Datenverarbeitungseinheit übertragen und dort gespeichert, ausgewertet und/oder an eine weitere Datenverarbeitungsanlage übertragen werden. Weiterhin verfügt die Datenverarbeitungseinheit über ein Speicherelement, in dem zumindest ein Prüfablauf mit unterschiedlichen Prüfschritten hinterlegt ist, so dass eine Bedienperson durch die einzelnen Prüfschritte geleitet wird und erst einen weiteren Prüfschritt aufrufen kann, wenn der vorherige ordnungsgemäß abgearbeitet ist. Die Vorrichtung ist leicht zu transportieren und eignet sich somit bspw. auch zum Einsatz bei Unfällen, bei denen schnell eine Fehlerdiagnose am Fahrzeug vorgenommen werden soll.

Die auch als Prüfbox zu bezeichnende Datenverarbeitungseinheit verfügt vorzugsweise über Datenschnittstellen, über die die erfassten Druckmesswerte in die Datenverarbeitungseinheit eingelesen werden, einen Datenlogger zur Speicherung der Messwerte sowie über weitere Datenschnittstellen, an die externe Geräte, wie Drucker, Display, Fahrzeugführungsrechner und/oder eine externe Datenverarbeitungseinheit, anschließbar sind.

In einer speziellen Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung zur Überprüfung der in den Druckluftversorgungskreisen eines Nutzfahrzeugs herrschenden Drücke erfolgt die Übertragung der Messwerte von den Messwertaufnehmern zur Datenverarbeitungseinheit drahtlos, vorzugsweise über eine Funkverbindung. Hierzu verfügen sowohl die Messwertaufnehmer bzw. Sensoren als auch die Datenverarbeitungseinheit über entsprechende Sende- bzw. Empfangseinheiten.

Eine weitere vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung sieht darüber hinaus an wenigstens einem Bremskreis ein Druckablasselement, vorzugsweise ein Magnetventil, vor, mit dem der Druck in dem entsprechenden Bremskreis auf einen vorgebbaren Wert abgelassen werden kann. Vorzugsweise sind die Ventile derart von der Datenverarbeitungseinheit ansteuerbar, dass der Druck in einem Bremskreis durch manuelle Eingabe in eine Dateneingabeeinheit und/oder automatisch bei Erreichen eines entsprechenden Prüfschritts auf den eingegebenen oder hinterlegten Wert eingestellt wird. Vorzugsweise werden derartige Ventile an den Vorratsbehältern der Vorratskreise befestigt.

Im Folgenden wird ohne Beschränkung des allgemeinen Erfindungsgedankens eine Prüfbox erläutert, die in der Figur schematisch dargestellt ist.

Die Prüfbox dient der Aufzeichnung von Messwerten und/oder als Anzeigeeinheit mit Interfaceanbindung zwischen den im Bremssystem eines Nutzfahrzeugs bzw. eines Anhängers oder Aufliegers vorgesehenen Drucksensoren und einem Notebook. An den Prüfanschlüssen der verschiedenen Bremskreise des Nutzfahrzeugs bzw. des Anhängers sind Drucksensoren vorgesehen, die über eine Telemetrie-Datenübermittlung, insbesondere eine Funkdatenverbindung, mit der Prüfbox verbunden sind. Ein in die Prüfbox integriertes elektronisches Bauelement gibt die aktuellen Messwerte an ein Notebook weiter. Die Bedienperson ermittelt auf diese Weise die Systemdrücke in den unterschiedlichen Bremskreisen bzw. an den Bremszylindern.

Mit Hilfe einer auf dem Notebook installierten Software werden die Messwerte für den Druck in Echtzeit erfasst und abgelegt. Mit dem Start eines definierten Bremsenprüfprozesses, bspw. nach der Prüfschrittliste „Sicherheitsprüfung" nach § 29 und Anlage VII StVZO, die im Folgenden abgebildet ist, wird die Bedienperson zwangsgeführt, d. h. es kann weder ein Prüfschritt ausgelassen noch manipuliert werden. Die ermittelten Daten werden gespeichert und sind als Prüfprotokoll, bspw. über einen Drucker auszugeben.

Anwendungsbereich des erfindungsgemäßen Verfahrens sowie der Vorrichtung:

  • – Anlässlich einer Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO (HU),
  • – Anlässlich einer Sicherheitsprüfung nach § 29 StVZO (SP),
  • – Diagnose der Bremsanlage eines Nutzfahrzeugs und/oder Anhängers bzw. Aufliegers (nach RREG 71/320 EWG),
  • – Angleichung der Bremskräfte (Zugabstimmung),
  • – Überprüfung der Bremsanlage an Nutzfahrzeug und/oder Anhänger/Auflieger durch die Verkehrswacht,
  • – Überprüfung des Beladungszustandes an Nutzfahrzeug und/oder Anhänger/Auflieger durch die Verkehrswacht,
  • – Diagnose der Luftfederanlage.

Im Folgenden sind beispielhaft zwei Prüfabläufe mit den entsprechenden Prüfschritten angegeben, wie sie dem vorbeschriebenen System zugrunde gelegt werden können:

Bedeutung der einzelnen Positionen:

  • Grün: Prüfung i.O.
  • Gelb: Prüfschritt in Arbeit – keine Aktivitäten seitens des Prüfers
  • Rot: Fehlererkennung und automatische Speicherung mit Dokumentation
  • Blau: Funktionsprüfung, zusätzlicher Prüfschritt, welcher nicht nach §29 StVZO gefordert ist. Der Zeitaufwand wird dennoch im Vergleich zu der aktuell vorgeschriebenen Variante gemindert. Der Vorteil sowie die Möglichkeit einer 100% Bremsenprüfung sind hiermit sichergestellt.

Auflistung:

  • – Restdruck in BBA (Prüfschritt 2.5)
  • – Kreisvertauschung (Prüfschritt 3.1)
  • – Luftfederanlage wird mit überwacht
  • – Absicherung der BBA des Anhängefahrzeugs gegen Defekt in den Nebenverbrauchern (Prüfschritt 3.4) Überprüfung von Nkw mit Anhängerbremsanschluss, jedoch Vorstellung zur SP/HU ohne Anhänger

  • • Lufttrockner mit Druckregler
  • • Vierkreisschutzventil: Bauteilbezogene Dateneingabe vor Beginn der Prüfung am Fzg. z.B. Abschalt-/Eischaltdruck mit ermitteln der Schaltspanne, Öffnungs-Schließdrücke der Kreise


Anspruch[de]
Verfahren zur Prüfung einer Druckluftbremsanlage eines Nutzfahrzeugs mit den Schritten:

– Einstellen wenigstens eines Betriebsparameters des Fahrzeugs unter Berücksichtigung eines ersten in einem Prüfsystem hinterlegten zumindest einen Prüfschritt aufweisenden Prüfablaufs,

– Erfassen wenigstens eines Messwerts für einen in einem Bremskreis und/oder an einem Bremselement der Druckluftbremsanlage anliegenden Druck der durch einen Verdichter verdichteten Luft,

– Übertragen des wenigstens einen Messwerts an eine zentrale, vorzugsweise im Fahrerhaus angeordnete Datenverarbeitungseinheit,

– Speicherung und ggf. Weiterverarbeitung oder Weiterleitung des wenigstens einen aufgenommenen Messwerts durch die Datenverarbeitungseinheit sowie

– Verändern wenigstens eines Betriebsparameters des Fahrzeugs in Abhängigkeit des aufgenommenen Messwerts, sobald der erste Prüfablauf abgearbeitet ist.
Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass bereits während des Betriebs eines Nutzfahrzeugs der innerhalb wenigstens eines Bremskreises herrschende Druck erfasst und an eine Datenerfassungs- bzw. -verarbeitungseinheit übertragen wird. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine statische Prüfung auf einem Prüfstand oder eine dynamischen Prüfung während der Fahrt durchgeführt wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassung der Druckwerte mittels Sensoren erfolgt, die an den in den Kreisen der Bremsanlage und/oder an den Bremselementen vorgesehenen Prüfanschlüssen angebracht werden. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Messung des Drucks der verdichteten Luft jeweils in den vier Vorratskreisen des Nutzfahrzeugs sowie im Vorrats- und Bremskreis des Anhängers bzw. Aufliegers vorgenommen wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Messung auf die in den Bremszylindern herrschenden Drücke ausgeweitet wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass an wenigstens einem Bremselement die Temperatur erfasst wird. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass eine Bremstrommeltemperatur erfasst wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass eine Messung der Bremskraft der einzelnen Achsen bei dem entsprechenden Druck auf einem Rollenprüfstand durchgeführt wird.






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