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Dokumentenidentifikation DE202005016858U1 05.04.2007
Titel Sonnenschutzvorrichtung zur Abwehr von Insekten und Anthropoden
Anmelder TAG Textilausrüstungs-Gesellschaft Schroers GmbH & Co KG, 47800 Krefeld, DE
DE-Aktenzeichen 202005016858
Date of advertisement in the Patentblatt (Patent Gazette) 05.04.2007
Registration date 01.03.2007
Application date from patent application 26.10.2005
IPC-Hauptklasse E06B 9/24(2006.01)A, F, I, 20051026, B, H, DE
IPC-Nebenklasse E06B 9/52(2006.01)A, L, I, 20051026, B, H, DE   D06M 13/236(2006.01)A, L, I, 20051026, B, H, DE   A01N 53/08(2006.01)A, L, I, 20051026, B, H, DE   A01M 29/00(2006.01)A, L, I, 20051026, B, H, DE   

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine Sonnenschutzvorrichtung zur Abwehr von Insekten nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.

Sonnenschutzsysteme werden in vielfältigen Ausführungen wie Sonnensegel, Zelt, Rollo, Pavillon, Lamellen oder Markise hergestellt und eingesetzt. Sonnenschutzsysteme bestehen überwiegend aus mehreren Elementen und unterschiedlichen Materialien, wie Metall, Kunststoff und Textilien. An alle einzelnen Elemente dieser Sonnenschutzsysteme werden hohe Anforderungen gestellt.

So dürfen die textilen Sonnenschutzelemente auch bei verschiedenen Luftfeuchtigkeiten nicht schüsseln, d.h. sie dürfen weder eine konkave noch konvexe Wölbung auch bei wechselndem Wetter annehmen. Weiterhin müssen die Elemente des Sonnenschutzsystems beim Einsatz an öffentlichen Gebäuden den Brennnormen M1 bzw. B1 entsprechen. Aussenliegende Sonnenenschutzelemente müssen Insbesondere verwitterungsbeständig sein und eine hohe Wasserabweisung ebenso besitzen wie fungizide und bakteriostatische Eigenschaften aufweisen und UV-stabil veredelt sein.

Bekannt ist die Abwehr von Insekten durch Duftstoffe in Textilien und auf der Haut ebenso, wie auch durch Duftkerzen oder mit elektrischen Insektenlampen.

Wegen ihres trotz intensiven Geruchs überwiegend unzureichenden Wirksamkeit und ihrer zum Teil mangelnden Verträglichkeit in höheren Konzentrationen wurden diese Stoffe in heutigen Insektenabwehrmitteln durch höher wirksame synthetische Substanzen verdrängt. Hierbei handelt es sich überwiegend um hoch siedende Flüssigkeiten oder niedrig sublimierende kristalline Stoffe, die bei Raumtemperatur langsam verdampfen.

So beschreibt die DE 103 49 665 A1 ein Insekten abweisendes, Baumwollfasern enthaltendes Textil, ein Kleidungsstück, welches mit einer Zubereitung 3-(N-n-Butyl-N-acetyl-amino)propionsäureethyleester getränkt ist.

Nachteilig an dieser Art der Insektenabwehr ist, dass diese nach der Applikation langsam verdampfen, über der Haut einen Duftmantel bilden der auf die Insekten abstoßend und störend auf den Lockmechanismus wirkt. Mit nachlassender Wirkung nähern sich die Insekten mehr und mehr bis der erste Stich wieder stattfindet. Die Wirkungsweise beschränkt sich also darauf, die körpereigenen Geruchsstoffe zu überdecken und mit einer abstoßenden Duftkomponente zu versehen.

In der EP 0 654 967 B1 ist ein Insektenabwehrmittel beschrieben, welches natürliche oder synthetische Kokosvorlauffettsäure und ein Öl oder Fett aus der Gruppe Rapsöl, Sonnenblumenöl, Erdnußöl, Erdnußbutter, Sojaöl, Distelöl, Cupheaöl, Kokosöl, Palmkernöl, Rindertaig, Schweineschmalz, Hammelfett, und Fischtran enthält und vorzugsweise durch Aufbringen auf die Haut oder in die Bekleidung zur Abwehr von fliegenden, stechenden und saugenden Insekten bei Menschen und Tieren eingesetzt wird.

Bekannt und in der DE 35 35 523 A1 beschrieben ist weiterhin eine Matte zur kontrollierten Entweichung von Substanzen sowie das Verfahren zu ihrer Herstellung. Beschrieben wird ein Verfahren zur qualitativen und quantitativen Steuerung der Entweichung – entweder durch oder ohne Erhitzen – von Duftstoff, Desodorans, Insektizid, Insektenabwehrmittel, Mottenschutzmittel, Desinfektionsmittel, Pestizid und anderen Substanzen, die in einer inerten Matte imhibiert sind, sowie die Anwendung dieses Verfahrens bei ihrer Herstellung. Eine solche Matte wird entweder an der oberen oder an der unteren oder an beiden Oberflächen ganz oder teilweise überzogen, und zwar an der oberen Oberfläche mit einer dünnen Metallfolie oder einem anderen, unporösen, undurchlässigen, kompakten Material und an der unteren Oberfläche mit einer dünnen Lage aus Wärmedämmstoff oder an der oberen und an der unteren Oberfläche mit einer Metallfolie bzw. einem Wärmedämmstoff.

Durch Einschneiden und Entfernen eines Teils der Oberfläche dieser zusätzlichen Überzüge kann die gewünschte Entweichungsgeschwindigkeit des aktiven Stoffes, mit dem die Matte imhibiert ist, erzielt werden. Die Bevorzugung des einen oder anderen Verfahrens hängt von der Flüchtigkeit des aktiven Stoffes und der Temperatur des Gerätes ab. Die Matten können in kleinen elektrischen Geräten erhitzt werden oder das Entweichen des aktiven Stoffes kann ohne Erhitzung und unter Verwendung von natürlichen oder künstlichen Verfahren erfolgen.

Aufgabe der Erfindung ist es, einerseits ein Insektenabwehrmittel einzusetzen, das die oben genannten Anforderungen an Textilien nicht negativ beeinträchtigt sondern in ihrer Wirkkombination zusätzlich positiv unterstützt und andererseits großflächig den Menschen bereits im Vorfeld vor den Insekten abschirmt, es folglich zur Vermeidung von Anlagerung der Mücken auf der textilen Sonnenschutzoberfläche und damit zu keiner Annäherung an den Menschen und folglich nicht zu Mückenstichen kommt.

Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, dass eine permethtrinhaltige Wirkstoffkombination auf die textile Sonnenschutzvorrichtung aufgebracht und durch geeignete Temperatur- und Prozessparameter beim Aufbringen, eine permanente Verankerung in der porösen Wirkstoffschicht erzielt wird.

Als ersten Prozessschritt wird die Grundware einem Waschprozess unterzogen, um aufgebrachte Hilfsmittel aus vorhergegangenen Prozessen, wie z.B. Weben und Spinnen komplett zu entfernen. Hierbei handelt es sich um z.B. Spinnavivagen, Schäröle und Schlichtemittel. Diese Hilfsmittel müssen entfernt werden, um die Oberflächenaufnahmefähigkeit der Garne für die weitere Veredelung zu erzielen.

Hierbei gilt es im Besonderen die Grenzflächenspannung an der Oberfläche der Garne für die weitere Prozessstufen optimal zu gestalten.

Danach erfolgt ein Trocknungs- und Fixierprozess der Ware auf einem Spannrahmen, zur Stabilisierung der Ware. Hierbei werden auch die geforderten Festigkeiten der überwiegend synthetischen Grundware, durch gezielte Steuerung der Anteile an amorphen und kristallinen Bereichen eingestellt.

Nach dem Trocknungs- und Fixierprozess kann die Ware, je nach Anforderung gefärbt werden. Das Färbeverfahren wird in Abhängigkeit der Ware und der Faserart ausgewählt. Hierbei werden einerseits die Eigenschaften der textilen Substratstruktur und spezifischen Fasereigenschaften hinzugezogen und andererseits fließen die technischen Anforderungen an die zu erzielende Färbung bei der Wahl des Färbeverfahrens mit ein. Besonders ist auch hier auf eine rückstandsfreie und für die folgenden Veredelungsprozesse auf eine sehr gut zugängliche und rückstandsfreie Faseroberfläche Augenmerk zu legen. Hierauf folgt die endgültige Funktionalisierung der so vorbehandelten textilen Flächenware. In der ersten Stufe wird eine flammhemmende sehr dünne polymere Ausrüstung aufgebracht, die gleichzeitig die Grundschicht für die nachfolgende weitere Funktionalisierung darstellt. Dies kann mittels stoffschlüssiger Verfahren reaktiv an die Faseroberfläche erfolgen, oder als eine Art Haftstrich formschlüssig auf der Faseroberfläche vorliegen. An diese im ersten Schritt grundfunktionalisierte Oberfläche wird nun eine Mischung aus einem Polyurethan- und/oder Polyacrylat und/oder einem siliziumhaltigen Polymer mit der permethrinhaltigen Wirkstoffkombination, welche auch mikroverkapselt vorliegen kann, gemeinsam an die grundfunktionalisierten Faseroberflächen gebunden. Dies geschieht wiederum formschlüssig als mikroporöse Deckschicht oder stoffschlüssig reaktiv auf die grundfunktionalisierte Faseroberfläche.

Diese Endfunktionalisierung geschieht mittels eines Tauchverfahrens, um eine zweiseitige Endfunktionalisierung zu erzielen, oder aber durch ein einseitiges Beschichtungsverfahrens, wie z.B. eine Rakelbeschichtung.

Die Massenanteile in der erzielten Endfunktionalisierungsschicht bezüglich der permethrinhaltigen Wirkstoffkombination sind so zu wählen, dass diese ausreichend für den geforderten Endanwendungszweck und den dort herrschenden Umgebungsbedingungen sind, um eine Langzeitwirksamkeit zu gewährleisten.

Als besonders kritischen Prozessparameter gilt es hier eine optimale Temperatur für den Endfunktionalisierungsschritt zu wählen, um eine optimale poröse Struktur in der permethrinhaltigen Oberfläche zu erzielen, unter Vermeidung eines signifikanten Verlustes an permethrinhaltigen Wirkstoff. Es wird Energie in Form von Temperatur benötigt, um die reaktive Verankerung der oberen Funktionalisierungsschicht zu erzielen, bzw. das enthaltene Lösungswasser aus der flüssigen Gesamtformulierung aller Inhaltsstoffe auszutreiben.

Permethrin ist ein sehr schnell wirkendes Kontaktgift mit akarizider und insektizider Wirkung. Die Wirkungsdauer ist wie bei allen synthetischen Pyrethoiden im Vergleich zu den natürlichen Pyrethrinen aufgrund höherer Stabilität wesentlich länger und hat außerdem ausgeprägte repellierende Eigenschaften.

Permethrin gehört zur Gruppe der Pyrothroide. Pyrothroide sind synthetisch hergestellte Verbindungen, die sich strukturell von den natürlichen Pyrethrinen ableiten. Unter den Pyrethroiden unterscheidet man zwischen Typ 1 (Pyrothroide ohne Cyano-3-phenoxybenzyl-Gruppe) und Typ 2 (mit Cyano-3-phenoxybenzyl-Gruppe). Permethrin ist ein Typ 1 Pyrethroid, der chemische Name lautet 3-Phenoxybenzyl-3-(2,2-dichlorvinyl)-2,2-dimethylcyclopropan-caboxylat.

Das Mischungsverhältnis der Cis- und Transisomere beträgt 25:75. Die Molmasse beträgt 391,3. Permethrin ist wie alle Pyrethroide stark lipophil und nicht in Wasser, jedoch sehr gut in organischen Lösungsmitteln löslich. Der Wirkstoff kann als kristalline Substanz oder als braune Flüssigkeit vorliegen. Der Gasdruck ist gering, sodass eine lange Persistenz gegeben ist.

Der Wirkmechanismus basiert auf der passiven Penetration bei der das fettlösliche Permethrin durch die Insektenkutikula verteilt, in den ganzen Insektenkörper gelangt. Hierbei kommt es zu einer repetetiven Entladung oder spontaner Depolarisierung der Zellmembran. Dies hat bei den Anthropoden initial Erregungszustände mit Konvulsionen, gefolgt von Koordinationsstörungen und Lähmung zur Folge.

Die permethrinhaltige Wirkstoffkombination zur Abwehr von Insekten ist aufeinander so abgestimmt, dass nicht nur alle notwendigen Chemieanteile zur Erzielung des komplexen Anforderungsprofils an die textile Sonnenschutzvorrichtung unbeeinträchtigt bleiben, sondern ein positiver synergetischer Effekt, eine Verstärkung beider Zielsetzungen, also der Insektenabwehr einerseits in Verbindung mit den Eigenschaften der Anforderungen an die Sonnenschutzvorrichtung andererseits, erreicht wird.


Anspruch[de]
Sonnenschutzvorrichtung zur Abwehr von Insekten und Anthropoden, dadurch gekennzeichnet, dass das textile flächenförmig ausgebildete Sonnenschutzelement mit einer permethrinhaltigen Wirkstoffkombination versehen ist. Sonnenschutzvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das textile Sonnenschutzelement vorzugsweise einseitig und durchschlagsfrei nur auf der sonnenzugewandten Außenseite mit einer permethrinhaltigen Wirkstoffkombination versehen ist. Sonnenschutzvorrichtung nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass die permethrinhaltige Wirkstoffkombination beschichtet, getränkt, besprüht, gedruckt, aufgeflatscht oder kombiniert im Sonnenschutzelement verankert ist. Sonnenschutzvorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Verankerung physikalisch, also formschlüssig erfolgt. Sonnenschutzvorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zur Erhöhung der Permanenz die Verankerung chemisch, also stoffschlüssig ausgebildet ist. Sonnenschutzvorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Verankerung der permethrinhaltigen Wirkstoffkombination, chemisch und physikalisch kombiniert ist. Sonnenschutzvorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Einbringen der Wirkstoffformulierungen in poröse, vorzugsweise mikroporöse Bindersysteme auf der Basis Polyurethan, Polyacrylat oder siliziumhaltige Polymerkörper erfolgt. Sonnenschutzvorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass der permethrinhaltige Wirkstoff stabil gebunden, eine hohe Depotwirkung und damit Langzeitwirkung besitzt. Sonnenschutzvorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die permethrinhaltige Wirkstoffkombination mikroverkapselt vorliegt. Sonnenschutzvorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass eine Nachbehandlung mit einem modifizierten Fluorterpolymer auf der metallischen Oberfläche zur anschließenden Verankerung des Bindersystems mit der permethrinhaltigen Wirkstoffformulierung, ohne Ablösen der porösen Wirkstoffschicht und ohne Beeinträchtigung der metallenen Optik erfolgt. Sonnenschutzvorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass durch die permethrinhaltige Wirkstoffkombination in Verbindung mit den Eigenschaften der Anforderungen an die Sonnenschutzvorrichtung, ein positiver synergetischer Effekt entsteht. Sonnenschutzvorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Einbau des Wirkstoffsystems ohne Beeinträchtigung des Flammschutzmittels bzw. zur Herabsetzung der Brennnorm führt. Sonnenschutzvorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Konzentration der permethrinhaltigen Wirkstoffkombination mit den Eigenschaften der Anforderungen an die Sonnenschutzvorrichtung sowohl personenverträglich als auch umweltverträglich veredelt ist.






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