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Dokumentenidentifikation DE102005063238A1 21.06.2007
Titel Sehhilfe für Sportklettern, Kletteranlage mit einer optischen Umlenkeinrichtung und Verwendung einer Sehhilfe
Anmelder Schneider, Albrecht, 70825 Korntal-Münchingen, DE
Erfinder Schneider, Albrecht, 70825 Korntal-Münchingen, DE
Vertreter Patentanwälte Ruff, Wilhelm, Beier, Dauster & Partner, 70174 Stuttgart
DE-Anmeldedatum 20.12.2005
DE-Aktenzeichen 102005063238
Offenlegungstag 21.06.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 21.06.2007
IPC-Hauptklasse G02C 7/14(2006.01)A, F, I, 20060320, B, H, DE
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft eine Sehhilfe zur Betrachtung eines Beobachtungsbereichs, der zumindest teilweise außerhalb eines horizontal ausgerichteten Blickfeldes (6) eines Benutzers (5) angeordnet ist, insbesondere für Sportklettern, mit einer optischen Umlenkeinrichtung (9), die für eine Umlenkung von im Wesentlichen vertikal gerichteten Lichtstrahlen (17) um einen Winkel von zumindest 60°, bevorzugt zumindest 90°, in zumindest ein Auge (13) des Benutzers (5) gestaltet ist und der eine Halteeinrichtung (7, 19, 26) zur Anbringung am Körper des Benutzers (5) oder an einem Bekleidungsteil des Benutzers zugeordnet ist.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine Sehhilfe zur Betrachtung eines Beobachtungsbereichs, der zumindest teilweise außerhalb eines horizontal ausgerichteten Blickfeldes eines Benutzers angeordnet ist, eine Kletteranlage, die mit einer optischen Umlenkeinrichtung versehen ist, sowie die Verwendung einer Sehhilfe mit optischer Umlenkeinrichtung beim Sportklettern.

In den vergangenen Jahren hat der Klettersport, insbesondere das Sportklettern mit Seilsicherung, einen großen Zulauf erlebt. Beim Sportklettern mit Seilsicherung, das als alpines Klettern in freiem Gelände an Felsen oder im Eis oder auch an eigens dafür eingerichteten künstlichen Kletterwänden durchgeführt werden kann, besteht eine Aufgabenteilung zwischen zwei Kletterpartnern. Der eine Kletterpartner, der auch als Vorsteiger bezeichnet wird, versucht eine Felswand oder eine Kletteranlage oder ein sonstiges Objekt zu erklimmen. Dem zweiten Kletterpartner kommt die Aufgabe zu, eine Sicherung des Kletterers zu gewährleisten, er wird daher als Sichernder bezeichnet. Für die Seilsicherung trägt der Vorsteiger einen Brust- und/oder Hüftgurt, an dem ein Seil befestigt ist, das in geeigneten Sicherungspunkten, beispielsweise an Felshaken, eingehängt werden kann, um im Fall eines Sturzes eine Sturzhöhe zu begrenzen. Dem Sichernden kommt die Aufgabe zu, dem Vorsteiger die benötigte freie Seillänge zur Verfügung zu stellen und im Falle eines Sturzes die auftretenden Seilkräfte mit seinem Körpergewicht abzufangen. Daher ist eine permanente Beobachtung des Vorsteigers notwendig, um insbesondere in kritischen Situationen eine möglichst optimale Seilspannung aufbauen zu können und vorausschauend auf einen eventuellen Sturz des Vorsteigers reagieren zu können. Der Sichernde muss daher den Vorsteiger möglichst permanent im Blickfeld haben. Die Seilsicherung wird vom Sichernden zumeist im aufrechten Stand durchgeführt, da im Stand eine maximale Bewegungsfreiheit und somit optimale Reaktionsmöglichkeiten des Sichernden gewährleistet sind. Der Sichernde hält sich für eine günstige Seilführung zumindest im Wesentlichen unterhalb des Vorsteigers auf und muss zur Beobachtung des Vorsteigers sein Blickfeld aus einer horizontalen Ausrichtung mit neutraler Augenstellung und neutraler Kopfhaltung ohne wesentliche Krümmung der Wirbelsäule durch Neigen des Kopfes in den Nacken und gegebenenfalls durch Verdrehen der Augen in eine im Wesentlichen senkrechte Blickrichtung schwenken. Ansonsten würde der Sichernde bei neutraler Kopf- und Augenstellung nur ein horizontal ausgerichtetes Blickfeld überblicken und könnte den Vorsteiger allenfalls im peripheren oberen Sichtfeld beobachten, in dem jedoch keine ausreichend genaue Analyse der Aktivitäten des Vorsteigers möglich ist.

Durch ein zunehmend athletischeres Klettern an extrem steilen Wänden und an Überhängen muss der Sichernde zur Beobachtung des Vorsteigers den Kopf nahezu vollständig in den Nacken legen, wodurch es zu einer Hyperlordosierung der Halswirbelsäule, also zu einer Überstreckung der Halswirbelsäule und gegebenenfalls der Brustwirbelsäule kommt. Dadurch tritt eine rasche Ermüdung des Sichernden ein, zudem können bei längerer Überstreckung der Wirbelsäule auch Kopf- und Nackenschmerzen durch die zunehmende Ermüdung der Wirbelsäulenmuskulatur eintreten. Im Extremfall können gar gesundheitliche Schäden davongetragen werden.

Aufgabe und Lösung

Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, eine Sehhilfe und eine Kletteranlage bereitzustellen sowie eine Verwendung einer Sehhilfe anzugeben, mit denen eine komfortablere Beobachtung eines sich oberhalb der Sicherungsperson fortbewegenden Kletterers sichergestellt werden kann.

Gemäß einem ersten Aspekt der Erfindung wird diese Aufgabe dadurch gelöst, dass eine Sehhilfe eine optische Umlenkeinrichtung aufweist, die für eine Umlenkung von im Wesentlichen vertikal gerichteten Lichtstrahlen um einen Winkel von zumindest 60 Grad, bevorzugt zumindest 90 Grad in zumindest ein Auge des Benutzers gestaltet ist und der eine Halteeinrichtung zur Anbringung am Körper des Benutzers oder an einem Bekleidungsteil des Benutzers zugeordnet ist. Der Zweck der Umlenkeinrichtung besteht darin, eine Überstreckung der Halswirbelsäule des Benutzers, also des Sichernden zu vermeiden. Damit kann auch bei der Sicherung von längeren Kletterpassagen gewährleistet werden, dass sich der Vorsteiger immer im Blickfeld des Sichernden befindet, ohne dass dieser übermäßig übermüdet. Um dies zu erreichen, werden die vom Vorsteiger, der sich im Wesentlichen senkrecht oberhalb des Benutzers befindet, ausgehenden Lichtstrahlen derart in zumindest ein Auge des Benutzers umgelenkt, dass dieser den Kletterer ohne eine Beugung der Halswirbelsäule beobachten kann. Das heißt das der Sichernde trotz neutraler Kopf- und Augenstellung, mit der ein horizontal ausgerichtetes Blickfeld beobachtet wird, mittels der Umlenkeinrichtung die im Wesentlichen senkrecht über ihm stattfindenden Aktivitäten des Vorsteigers beobachten kann, ohne dass er dafür den Kopf in den Nacken legen und/oder die Augen verdrehen muss. Durch die Umlenkeinrichtung werden die vom Kletterer ausgehenden, im Wesentlichen senkrecht nach unten gerichteten Lichtstrahlen um zumindest 60 Grad aus einer vertikalen Richtung in eine horizontale Richtung umgelenkt und können damit in das oder die in Richtung des horizontalen Blickfeldes gerichteten Augen des Benutzers eintreten. Bevorzugt werden die Lichtstrahlen um zumindest 90 Grad umgelenkt, so dass eine Beobachtung eines unmittelbar vertikal über dem Benutzer agierenden Kletterers ohne eine besondere Beugung der Halswirbelsäule und ohne ein Verschwenken der Augen möglich ist. Da für eine Seilsicherung eines Vorsteigers zumindest eine Hand, aus Sicherheitsgründen typischerweise jedoch beide Hände des Benutzers frei bleiben müssen, ist die Umlenkeinrichtung mit einer Halteeinrichtung versehen, die eine Festlegung der Umlenkeinrichtung an einem Körper- oder Bekleidungsteil des Benutzers ermöglicht. Eine Umlenkung der Lichtstrahlen erfolgt ohne eine Wandlung der Lichtstrahlen in andere Signalformen, das heißt ohne Wandlung beispielsweise in elektrische Signale, ausschließlich durch optische Einrichtungen wie Spiegel und/oder Prismen und/oder Linsen.

In Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Umlenkeinrichtung zumindest eine zumindest teilweise reflektierende Spiegelfläche aufweist. Mittels einer Spiegelfläche kann in einfacher Weise eine Umlenkung von Lichtstrahlen durch Totalreflektion vorgenommen werden. Die Spiegelfläche, die beispielsweise als glatte Metalloberfläche oder als Metallschicht auf einer insbesondere eben ausgeführten Kunststoff- oder Glasoberfläche verwirklicht werden kann, ermöglicht die Reflektion eines erheblichen Anteils von Lichtstrahlen, die auf die Spiegelfläche auftreffen. Bei einer Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, dass die Spiegelfläche eine teilweise Transmission von Licht erlaubt. Damit erhält der Benutzer nicht nur ein Abbild der über ihm ablaufenden Vorgänge beim Blick auf die Umlenkeinrichtung, sondern kann auch ein vor ihm liegendes horizontales Sichtfeld einsehen. Damit kann insbesondere sichergestellt werden, dass bei länger andauernder Benutzung der Sehhilfe eine unerwünschte Differenz zwischen den vom Auge des Benutzers aufgenommenen Bildinformationen und den vom Gleichgewichtsorgan des Benutzers erfassten Lageinformationen auftritt, die gegebenenfalls zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen können. Bei einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist die Spiegelfläche aus einem bruchsicheren Kunststoffmaterial, insbesondere aus Polycarbonat, hergestellt und mit einer metallischen Beschichtung versehen, die insbesondere im Aufdampfverfahren aufgebracht werden kann.

In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Umlenkeinrichtung mehrere Reflektionsflächen aufweist, die derart zueinander angeordnet sind, dass eine Übertragung eines lagerichtigen und/oder seitenrichtigen Bildes gewährleistet ist. Um sicherzustellen, dass der Sichernde richtig auf die Vorgehensweise des über ihm kletternden Vorsteigers reagiert, sollten die optischen Informationen, die der Sichernde mittels der Umlenkeinrichtung von den über ihm ablaufenden Vorgängen erhält, so vorliegen oder aufbereitet sein, dass der Sichernde ohne lange Eingewöhnungsphase eine korrekte Einschätzung der Aktivitäten des Vorsteigers erhält. Die korrekte Einschätzung ist davon abhängig, ob der Sichernde eine lage- und/oder seitenrichtige Abbildung mittels der optischen Umlenkeinrichtung erhält. Unter einer lagerichtigen Abbildung soll ein vom Benutzer mittels der Umlenkeinrichtung sichtbar gemachtes Bild verstanden werden, das zumindest im Wesentlichen mit demjenigen Bild übereinstimmt, welches der Benutzer erhalten würde, wenn er ohne Umlenkeinrichtung unmittelbar nach oben zum Vorsteiger blicken würde. Bei Verwendung einer einzigen Spiegelfläche ergibt sich kein lagerichtiges Bild, sondern lediglich ein spiegelverkehrtes Bild. Mit einer zweiten Spiegelfläche kann das Bild des Vorsteigers korrekt in das Auge des Sichernden abgebildet werden.

Besonders geeignet zur Umlenkung und lagerichtigen Abbildung von Lichtstrahlen ist eine Anordnung von zwei V-förmig zueinander ausgerichteten, bündig aneinandergrenzenden Spiegelflächen, wie sie insbesondere bei einem Dachkantprisma verwirklicht ist. Damit kann mit einer einzigen Spiegelung dem Benutzer ein lagerichtiges Abbild der über ihm ablaufenden Vorgänge übertragen werden. Dabei ist eine Verbindungslinie der orthogonal zueinander ausgerichteten, aneinander grenzenden Spiegelflächen in einem Winkel von 30 Grad bis 45 Grad zu einer horizontalen Blickrichtung des Benutzers geneigt und die Spiegelflächen weisen auf den Benutzer zu.

In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Halteeinrichtung als Kopfbügel in der Art eines Brillengestells ausgeführt ist. Damit kann eine zuverlässige und bequeme Befestigung der Umlenkeinrichtung am Kopf des Benutzers vorgenommen werden. Der Benutzer wird durch die Sehhilfe nicht in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt und kann insbesondere seine Arme frei bewegen, ohne Gefahr zu laufen, den Sichtkontakt zum Vorsteiger zu verlieren. Zudem ist bei einer Anbringung der Umlenkeinrichtung am Kopf des Benutzers automatisch eine Mitführung mit den Kopfbewegungen des Benutzers gewährleistet, so dass eine Ausrichtung der Blickrichtung des Benutzers, die sich durch die Umlenkeinrichtung bestimmt wird, anhand einer Verschwenkung des Kopfes vorgenommen werden kann.

In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Halteeinrichtung für eine Befestigung an einem Körperteil wie Kopf, Arm, Leib oder Bein des Benutzers vorgesehen ist und zumindest ein flexibles, bevorzugt einstellbares, insbesondere elastisches Band zur Festlegung am Körperteil aufweist. Die Halteeinrichtung kann mit einer Befestigungsplatte versehen sein, die anatomisch an die Körperregion oder an das Körperteil angepasst werden kann, an der oder an dem eine Befestigung vorgesehen ist. Die Befestigungsplatte kann mit einem flexiblen, insbesondere elastischen Band an der Körperregion oder dem Körperteil des Benutzers angebracht werden, indem das flexible Band um die entsprechende Körperregion herum zu einem Ring geschlossen und fest angezogen wird. Der Befestigungsplatte kommt die Aufgabe zu, ein Verkippen der Halteeinrichtung gegenüber dem Körperteil zu verhindern und eine komfortable Kraftübertragung zwischen der Umlenkeinrichtung und dem Körperteil zu gewährleisten.

In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Halteeinrichtung als Kopfring, insbesondere als Kopfband ausgeführt ist. Ein Kopfring wird eingesetzt, um eine Befestigung der Umlenkeinrichtung unabhängig von einem Brillengestell verwirklichen zu können, wie sie beispielsweise bei Brillenträgern notwendig ist. Dazu kann die Halteeinrichtung in der Art eines Ringes oder eines Ringabschnittes gestaltet sein und wird von oben auf den Kopf aufgesetzt und gegebenenfalls mit einem flexiblen oder elastischen Zugband arretiert. Bei einer bevorzugten Ausführungsform ist der Kopfring aus einem flexiblen und gegebenenfalls elastischen Material hergestellt und ermöglicht damit eine besonders bequeme Anbringung der Umlenkeinrichtung am Kopf des Benutzers in der Art eines Stirnbands. Damit kann auch ein hoher Tragekomfort für die Sehhilfe gewährleistet werden.

In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Halteeinrichtung für eine Anbringung an einem Schutzhelm vorgesehen ist. Schutzhelme finden insbesondere beim Klettern an Felsen eine immer größere Verbreitung, um Verletzungen durch herabfallende Gegenstände, insbesondere durch Gestein, zu vermeiden. Da sich der Sichernde typischerweise nahezu direkt unterhalb des Vorsteigers aufhält, ist er besonders durch herabfallende Gegenstände gefährdet. Die Verwendung eines mit einer Sehhilfe ausgestatteten Schutzhelmes bringt somit mehrere Vorteile mit sich. Neben der Reduzierung der Gefahren durch herabfallende Gegenstände, die der Schutzhelm bewirkt, kann der Sichernde mittels der Umlenkeinrichtung bequem den Vorsteiger beobachten, ohne nach oben blicken zu müssen. Beim Blick nach oben ohne Sehhilfe würde sich die Schutzwirkung des Schutzhelms reduzieren, da der Benutzer von herabfallenden Gegenständen in der Gesichtsfläche getroffen werden könnte. Zudem kann durch die Sehhilfe auch vermieden werden, das vom Vorsteiger gelöste, herabfallende Schmutzpartikel in die Augen des Benutzers gelangen, da dieser mittels der Umlenkeinrichtung in eine horizontale Blickrichtung schaut und durch im Wesentlichen senkrecht nach unten fallende Schmutzpartikel nur gering gefährdet wird. Darüber hinaus dient der Schutzhelm, der typischerweise mit flexiblen Bändern am Kopf des Benutzers angebracht wird, als Halteeinrichtung für die Sehhilfe, so dass keine weiteren Maßnahmen zur Festlegung der Umlenkeinrichtung getroffen werden müssen und eine ergonomische Anordnung der Sehhilfe im Blickfeld des Benutzers gewährleistet ist.

In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Umlenkeinrichtung für eine Anpassung an unterschiedliche Einsatzbedingungen bewegbar, insbesondere schwenkbeweglich, an der Halteeinrichtung angebracht ist. Mit einer linearen und/oder rotatorischen Beweglichkeit der Umlenkeinrichtung gegenüber der Halteeinrichtung kann eine individuelle Einstellung der Umlenkeinrichtung vorgenommen werden. Dadurch kann die Umlenkeinrichtung in eine günstige Position vor des oder die Augen des Benutzers gebracht werden, ohne bei der Anbringung der Halteeinrichtung an einem Körperteil oder einem Bekleidungsstück des Benutzers auf eine besonders exakte Ausrichtung der Halteeinrichtung achten zu müssen. Zudem kann mit der Bewegbarkeit der Umlenkeinrichtung auch eine Auswahl des vom Benutzer einzusehenden Blickfeldes in Abhängigkeit vom Einsatz der Sehhilfe getroffen werden.

In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Halteeinrichtung derart an einem Schutzhelm angebracht ist, dass die Umlenkeinrichtung zwischen einer kompakt am Schutzhelm abgelegten Stauposition und einer vom Schutzhelm abnagenden Funktionsposition bewegbar ist. Damit kann die Sehhilfe bei Nichtgebrauch kompakt am Schutzhelm verstaut werden und ermöglicht somit den Gebrauch des Schutzhelms in herkömmlicher Art und Weise, insbesondere wenn der Benutzer selber der Vorsteiger ist. Sobald der Benutzer die Rolle des Sichernden einnimmt, kann er die Umlenkeinrichtung aus der insbesondere im Wesentlichen oberflächenbündig mit einer Schutzhelmoberfläche abgelegten Stauposition in die Funktionsposition bringen. In der Funktionsposition ragt die Umlenkeinrichtung derart vom Schutzhelm ab, dass eine Strahlumlenkung von im Wesentlichen vertikal ausgerichteten Lichtstrahlen in eine im Wesentlichen horizontale Blickrichtung gewährleistet ist und die Lichtstrahlen in das oder die Augen des Benutzers einfallen können, ohne dass dieser nach oben blicken muss. Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist die Sehhilfe ein integraler Bestandteil des Schutzhelms und kann im Bedarfsfall abgenommen oder ausgewechselt werden. Der Schutzhelm bildet mit der Sehhilfe eine Funktionseinheit.

Gemäß einem weiteren Aspekt der Erfindung wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass eine Kletteranlage mit zumindest einer optischen Umlenkeinrichtung versehen ist, die für eine Umlenkung einer im Wesentlichen horizontal ausgerichteten Blickrichtung eines Benutzers in eine im Wesentlichen vertikale Blickrichtung gestaltet ist, wobei die Umlenkeinrichtung derart an der Kletteranlage angeordnet ist, dass ein komfortabler Einblick auf die Umlenkeinrichtung für den Benutzer gewährleistet ist. Durch eine integrierte Anbringung der Umlenkeinrichtung an einer Kletteranlage, beispielsweise am Fußboden vor einem Kletterwandabschnitt oder in Augenhöhe an einem Kletterwandabschnitt, kann gewährleistet werden, dass die Umlenkeinrichtung immer zur Verfügung steht, so dass eine bequeme Beobachtung des Vorsteigers sichergestellt ist.

In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Umlenkeinrichtung zumindest im Wesentlichen oberflächenbündig in einer Oberfläche einer Kletterwand oder in eine Bodenfläche vor der Kletterwand integriert ist. Damit kann sichergestellt werden, dass die Umlenkeinrichtung bei der Ausübung des Klettersports immer zur Verfügung steht und trotzdem keine Verletzungsgefahr für die Benutzer der Kletterwand darstellt.

Gemäß einem weiteren Aspekt der Erfindung ist die Verwendung einer Sehhilfe mit einer optischen Umlenkeinrichtung zur Betrachtung eines Beobachtungsbereichs, der zumindest teilweise außerhalb eines horizontal ausgerichteten Blickfeldes eines Benutzers angeordnet ist, für das Sportklettern vorgesehen.

Diese und weitere Merkmale gehen außer aus den Ansprüchen auch aus der Beschreibung und den Zeichnungen hervor, wobei die einzelnen Merkmale jeweils für sich allein oder zu mehreren in Form von Unterkombinationen bei einer Ausführungsform der Erfindung und auf anderen Gebieten verwirklicht sein und vorteilhafte sowie für sich schutzfähige Ausführungen darstellen können, für die hier Schutz beansprucht wird. Die Unterteilung der Anmeldung in Zwischen-Überschriften, und einzelne Abschnitte beschränkt die unter diesen gemachten Aussagen nicht in ihrer Allgemeingültigkeit.

Kurzbeschreibung der Zeichnungen

1 zeigt eine Darstellung einer typischen Situation beim Sportklettern,

2 eine Darstellung einer Situation beim Sportklettern bei Verwendung der erfindungsgemäßen Sehhilfe,

3 eine schematische Darstellung einer als Kopfbügel ausgeführten Sehhilfe,

4 eine schematische Darstellung einer als Kopfring ausgeführten Sehhilfe und

5 eine schematische Darstellung eines Schutzhelms mit integrierter Sehhilfe.

Detaillierte Beschreibung der Ausführungsbeispiele

Die 1 zeigt eine typische Situation beim Sportklettern, bei der ein Vorsteiger 1 an einer Kletterwand 2 klettert und über mehrere als Wandhaken 3 mit Sicherungsschlaufen ausgeführte Sicherungspunkte und ein Sicherungsseil 4 von einem Sichernden 5 gesichert wird. Der Sichernde 5 hält sich zumindest im Wesentlichen lotrecht, also in vertikaler Richtung unmittelbar unterhalb des Vorsteigers 1 auf und steht aufrecht auf einem nicht dargestellten Untergrund. Zur Beobachtung des Vorsteigers 1 muss der Sichernde 5 den Kopf in den Nacken legen, um ein im Wesentlichen vertikal ausgerichtetes Blickfeld 6 zu betrachten. Dieses Blickfeld 6 wird durch die Neigung des Kopfes des Sichernden 5 sowie durch einen von den Augen des Sichernden 5 bestimmten Blickwinkel 16 bestimmt. Intuitiv wählt der Sichernde 5 das Blickfeld 6 so, dass er den Vorsteiger 1 optimal beobachten kann. Durch die dabei auftretenden Krümmung der Halswirbelsäule und gegebenenfalls auch der Brustwirbelsäule kommt es zu einer unerwünschten, ermüdenden und auf Dauer auch ungesunden Belastung der Hals- und Rückenmuskulatur und der Wirbelsäule.

Gemäß der schematischen Darstellung der 2 ist eine Sehhilfe als Spiegelfläche 7 ausgeführt und ist im Blickfeld des Sichernden 5 derart angeordnet, dass der Sichernde 5 ohne Neigung des Kopfes in den Nacken und ohne Verdrehen der Augen aus einer im Wesentlichen horizontalen Richtung den Vorsteiger beobachten kann. Damit kann der Sichernde 5 den Vorsteiger 1 bequem und ohne Ermüdung über einen längeren Zeitraum beobachten. Die Spiegelfläche 7 kann in nicht dargestellter Weise in die Kletterwand integriert sein. Beispielsweise kann die Kletterwand in Augenhöhe des Sichernden einen Vorsprung aufweisen, in den eine reflektierende Fläche, insbesondere eine Planfläche eingelassen ist, die in einem Winkel von 30 bis 45 Grad gegenüber einer vertikalen Richtung geneigt ist und die die Beobachtung des Vorsteigers durch den Sichernden ohne weitere Hilfsmittel ermöglicht.

In der 3 ist eine Halteeinrichtung dargestellt, die als Kopfbügel 8 in der Art eines Brillengestells ausgeführt ist. An dem Kopfbügel 8 ist eine als Spiegel 9 ausgeführte Umlenkeinrichtung schwenkbeweglich angebracht, die um eine senkrecht zur Darstellungsebene verlaufende Schwenkachse in Richtung des Bewegungspfeils 10 bewegt werden kann. Die Festlegung des Spiegels 9 am Kopf des Benutzers erfolgt durch Ohrenbügel 11, die jeweils seitlich am Kopf des Benutzers dessen Ohren formschlüssig umgreifen und die mittels eines Rahmens 12 miteinander verbunden sind. Der Rahmen 12 ist in der horizontalen Blickrichtung durchbrochen und ermöglicht somit eine ungehinderte Sicht des Benutzers auf den Spiegel 9. Durch die Schwenkbarkeit des Spiegels 9 kann der Benutzer den zu beobachtenden Bereich in Abhängigkeit vom Einsatz der Sehhilfe einstellen.

Bei der Darstellung der 3 ist exemplarisch ein Auge 13 eines Benutzers dargestellt, das sich in einer horizontal ausgerichteten Neutrallage befindet, so dass eine Blickrichtungsachse 14 ebenfalls horizontal ausgerichtet ist. Randstrahlen 15 des vom Auge aufnehmbaren Blickfeldes begrenzen den Blickwinkel 16. Die vom Vorsteiger 1 ausgehenden Lichtstrahlen zwischen den Randstrahlen 16 können bei der Sehhilfe gemäß der 3 aus einer im Wesentlichen vertikalen Lichtrichtung 17 bedingt durch die Reflektion am Spiegel 9 in eine im Wesentlichen horizontale Lichtrichtung 18 umgelenkt werden und in das Auge 13 des Benutzers einfallen. Der Spiegel 9 kann für eine zumindest nahezu vollständige Reflektion einfallenden Lichts gestaltet sein. Es ist jedoch auch denkbar, dass der Spiegel eine Transmission von im Wesentlichen horizontal gerichteten Lichtstrahlen ermöglicht, so dass der Benutzer neben dem vertikal ausgerichteten Blickfeld zeitgleich auch ein im Wesentlichen horizontal ausgerichtetes Blickfeld überblicken kann, was insbesondere bei längerer Benutzung der Sehhilfe eine Irritierung des Gleichgewichtssinns verhindern hilft.

Bei der Ausführungsform der Sehhilfe gemäß der 4 ist ein ringförmig gestaltetes Kopfband 19 vorgesehen, das aus einem flexiblen Bandmaterial gefertigt ist und einen elastischen Bereich 20 sowie ein Überkopfbandabschnitt 21 aufweist. Mittels des Kopfbandes 19 kann eine daran gekoppelte Halteplatte 22 fest an die Stirn eines Benutzers gepresst werden, so dass der Spiegel 9, der über seitlich angeordnete Haltearme 25, die jeweils endseitig mit Schwenkgelenken 23, 24 versehen sind, bewegbar und festlegbar am Kopf des Benutzers angebracht werden kann. Die Schwenkgelenke 23, 24 sind feststellbar ausgeführt und ermöglichen jeweils die Verschwenkung der Haltearme 25 und des Spiegels 9 um Schwenkachsen, die orthogonal zur Darstellungsebene ausgerichtet sind, so dass eine optimale Ausrichtung des Spiegels 9 im Blickfeld des Benutzers gewährleistet werden kann.

Bei der Ausführungsform der Sehhilfe gemäß der 5 ist ein Schutzhelm 26 mit einem Spiegel 9 versehen, der mittels Schwenkgelenken 23, 24 schwenkbeweglich an Haltearmen 25 aufgenommen ist. Der Spiegel 9 kann aus der mit Volllinien dargestellten Funktionsposition in eine gestrichelt dargestellte, kompakt abgelegte Stauposition geschwenkt werden, um bei Nichtbenutzung der Sehhilfe das Blickfeld des Benutzers nicht einzuschränken. Für die kompakte Stauposition ist in der Helmschale eine Vertiefung eingelassen, in die der Spiegel 9 zumindest teilweise aufgenommen werden kann.

Bei einer nicht dargestellten Ausführungsform der Erfindung ist ein aus einer planen Kunststoff- oder Glasplatte gefertigter Spiegel vorgesehen, wobei auf beiden Seiten der Kunststoff- oder Glasplatte jeweils Spiegelflächen vorgesehen sind. Die eine Spiegelfläche ist derart ausgeführt, dass sie das auftreffende Licht mit einer erheblichen Dämpfung reflektiert, während die andere Spiegelfläche das Licht nahezu verlustfrei reflektiert. Damit kann der Benutzer wählen, ob er bei starkem Lichteinfall, wie er beispielsweise bei Sonnenlicht vorliegen kann, zur Vermeidung einer Blendung die dämpfende Spiegelfläche zur Umlenkung des Blickfeldes benutzt oder ob schlechte Lichtverhältnisse vorliegen, so dass die Spiegelfläche ohne Dämpfung zum Einsatz kommt. Grundsätzlich sollte der Spiegel eine plane Oberfläche aufweisen, um Mindestanforderungen an die Abbildungsqualität des umzulenkenden Bildes zu gewährleisten. Denkbar ist jedoch auch eine regelmäßige Verzerrung der Spiegelfläche, beispielsweise eine zumindest abschnittsweise vorgesehene zylindrische oder kugelförmige, insbesondere konkave Wölbung der Spiegelfläche, um dem Benutzer die Beobachtung eines größeren Blickwinkels zu ermöglichen.


Anspruch[de]
Sehhilfe zur Betrachtung eines Beobachtungsbereichs, der zumindest teilweise außerhalb eines horizontal ausgerichteten Blickfeldes (6) eines Benutzers (5) angeordnet ist, insbesondere für Sportklettern, mit einer optischen Umlenkeinrichtung (9), die für eine Umlenkung von im Wesentlichen vertikal gerichteten Lichtstrahlen (17) um einen Winkel von zumindest 60 Grad, bevorzugt zumindest 90 Grad in zumindest ein Auge (13) des Benutzers (5) gestaltet ist und der eine Halteeinrichtung (7, 19, 26) zur Anbringung am Körper des Benutzers (5) oder an einem Bekleidungsteil des Benutzers zugeordnet ist. Sehhilfe nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Umlenkeinrichtung (9) zumindest eine zumindest teilweise reflektierende Spiegelfläche (7) aufweist, die insbesondere eben ausgeführt ist. Sehhilfe nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Umlenkeinrichtung (9) mehrere Reflektionsflächen aufweist, die derart zueinander angeordnet sind, dass eine Übertragung eines lagerichtigen und/oder seitenrichtigen Bildes gewährleistet ist. Sehhilfe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Halteeinrichtung als Kopfbügel (7) in der Art eines Brillengestells ausgeführt ist. Sehhilfe einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Halteeinrichtung (19) für eine Befestigung an einem Körperteil wie Kopf, Arm, Leib oder Bein des Benutzers vorgesehen ist und zumindest ein flexibles, bevorzugt einstellbares, insbesondere elastisches Band zur Festlegung am Körperteil aufweist. Sehhilfe nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Halteeinrichtung als Kopfring (19), insbesondere als Kopfband, ausgeführt ist. Sehhilfe nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Halteeinrichtung für eine Anbringung an einem Schutzhelm (26) vorgesehen ist. Sehhilfe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Umlenkeinrichtung (9) für eine Anpassung an unterschiedliche Einsatzbedingungen bewegbar, insbesondere schwenkbeweglich, an der Halteeinrichtung angebracht ist. Sehhilfe nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Halteeinrichtung derart an einem Schutzhelm (26) angebracht ist, dass die Umlenkeinrichtung (9) zwischen einer kompakt am Schutzhelm (26) abgelegten Stauposition und einer vom Schutzhelm (26) abnagenden Funktionsposition bewegbar ist. Kletteranlage, insbesondere Kletterwand, mit zumindest einer optischen Umlenkeinrichtung, die für eine Umlenkung einer im Wesentlichen horizontal ausgerichteten Blickrichtung eines Benutzers in eine im Wesentlichen vertikale Blickrichtung ausgebildet ist, wobei die Umlenkeinrichtung derart an der Kletteranlage angeordnet ist, dass ein komfortabler Einblick für den Benutzer auf die Umlenkeinrichtung gewährleistet ist. Kletteranlage nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Umlenkeinrichtung zumindest im Wesentlichen oberflächenbündig in einer Oberfläche einer Kletterwand oder in eine Bodenfläche im Bereich der Kletterwand integriert ist. Verwendung einer Sehhilfe mit einer optischen Umlenkeinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 9 zur Betrachtung eines Beobachtungsbereichs, der zumindest teilweise außerhalb eines horizontal ausgerichteten Blickfeldes eines Benutzers angeordnet ist, für Sportklettern.






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