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Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Reibwertermittlung von Scheibenbremsen, insbesondere von Scheibenbremsen in selbstverstärkender Bauart, nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.

Bei serienüblichen, fluidisch betätigten Trommel- und Scheibenbremsen erfolgt die Angleichung der Bremswirkung der einzelnen Radbremsen z.B. rechnerisch unter Annahme eines sogenannten „Berechnungsreibwertes" ausschließlich über die Bemessung der Zuspannkräfte der jeweiligen Bremse. Die Zuspannkräfte werden indirekt über die Erfassung des Betätigungsdruckes auf den hydraulischen oder pneumatischen Bremszylinder ermittelt.

Abweichungen des mittleren Reibwertes aller Bremsen einer Bremsanlage können durch Vergleich der vorgegebenen zur erzielten Verzögerung ermittelt werden. Die erzielte Verzögerung wird dabei durch Auswertung des Drehzahlverhaltens der Räder über die im Bremssystem vorhandenen Drehzahlgeber festgestellt und in einer Recheneinheit z.B. eines ABS- oder EBS-Systems berechnet.

Über das tatsächliche Reibwertverhalten einzelner Bremsen des Fahrzeuges ist jedoch keine Aussage möglich. Unterschiedliche Abweichungen des Reibwertverhaltens der Bremsen einer Achse, zwischen den Bremsen der einzelnen Fahrzeugachsen oder zwischen den Bremsen von gezogenem zu ziehendem Fahrzeug können die Bremsenabstimmung sehr nachteilig beeinflussen.

Von besonderer Bedeutung ist dieser Umstand bei Bremsen, welche zur Reduzierung der Betätigungsenergie Selbstverstärkungseffekte nutzen, denn bei diesen tritt das Problem auf, dass auch die Reibwertunterschiede verstärkt werden, so dass Abweichungen des tatsächlichen Reibwertes vom Berechnungsreibwert überproportional in die von der jeweiligen Bremse erzielten Bremswirkung eingehen.

Es sind bereits Methoden bekannt, bei denen unter Berücksichtigung des Wirkzusammenhanges FR = &mgr;·FN

FN
:= Normalkraft (Spannkraft) der Bremse
FR
:= Reibkraft (Umfangskraft an der Bremsscheibe)
&mgr;
:= Reibbeiwert Bremsbelag/Bremsscheibe
durch direkte oder indirekte Messung von FR und FN der Betrag des &mgr; ermittelt werden kann.

Die direkte Ermittlung erfolgt z.B. in der Messung z.B. von Bauteilspannungen mittels speziell dazu eingesetzten Sensoren.

Die indirekte Messung erfolgt z.B. anhand einer Auswertung verfügbarer Daten, so z.B. Anhand von Daten zur Stromaufnahme und zur Position des Antriebsmotors, aus welchen aufgrund eines gegebenen Wirkzusammenhanges über z.T. komplexe Rechenoperationen auf die zu ermittelnden Größen geschlossen werden kann. Eine derartige Lösung schlägt die DE 101 51 950 A1 vor.

Bei der direkten Ermittlung besteht der Nachteil in den Kosten für zusätzliche Sensoren sowie in der erhöhten Störanfälligkeit des Systems.

Der indirekten Ermittlung liegen sehr komplexe Wirkzusammenhänge zugrunde, welche aufgrund einer Vielzahl von Einflussgrößen stark fehlerbehaftet sind und sehr aufwendige Rechenoperationen erfordern.

In der o.g. DE 101 51 950 A1 wird auch noch eine Möglichkeit beschrieben, die Ermittlung der Reibkraft durch einen Wirkzusammenhang zwischen Reibkraft und Aktuatorkraft in Verbindung mit dem Reibbeiwert und dem verwendeten Keilwinkel des Selbstverstärkungsmechanismus zu ersetzen. Dieser Zusammenhang ist bei Selbstverstärkungsmechanismen nutzbar, bei denen die Aktuatorkraft parallel zur Reibfläche wirkt, also keine unmittelbare Rückwirkung auf die Spannkraft der Bremse aufweist.

Der Reibwert kann dann aus der Beziehung

ermittelt werden.

Die Aktuatorkraft und die Normalkraft sind ohne eine zusätzliche Sensorik aus der Stromaufnahme (Aktuatorkraft) und der Position des Antriebsmotors (Normalkraft) bestimmbar. Eine genaue Betrachtung zeigt jedoch, dass diese Bestimmung mit relativ großen Fehlern behaftet ist.

In den Zusammenhang Motorstrom-Aktuatorkraft gehen neben fertigungsbedingten Toleranzen des Motors auch Betriebseinflüsse des Motors ein, insbesondere dessen Temperatur, sowie eine Kette mechanischer Wirkungsgrade des Untersetzungs- und Verstellgetriebes.

Der Zusammenhang der Aktuatorposition-Normalkraft (Spannkraft) der Bremse ist durch die Gesamtelastizität des aufgespreizten Bremssattels bestimmt. Neben den Toleranzen des Bremssattels und des Zuspannsystems der Bremse wird dieser Zusammenhang durch das Verformungsverhalten der Bremsbeläge beeinflusst. Neben dem Verschleißzustand der Bremsbeläge wird deren Kompressibilität in starkem Maße durch die im Belagmaterial bestehende Temperatur beeinflusst. Die Temperaturabhängigkeit ist nichtlinear und die Temperaturverteilung im Belagmaterial ist aufgrund der relativ geringen Wärmeleitfähigkeit der üblichen organisch gebundenen Bremsbeläge zeitabhängig inhomogen.

Sehr störend bei der Bestimmung der Spannkraft (Normalkraft) der Bremse mittels der Aktuatorposition sind Leerwege, welche der Aktuator bei der Zuspannbewegung zu überwinden hat und die möglichen Streuungen des Betrages dieser Leerwege. Solche Leerwege sind insbesondere das Lüftspiel der Bremse sowie die vielfältig auftretenden Spiele im Transmissionsweg vom Antriebsmotor bis zum eigentlichen Betätigungselement der Bremse.

Da die Aktuatorposition, d.h. die Stellung des Betätigungselementes durch Erfassung der Winkelposition des Antriebsmotors unter Berücksichtigung des Gesamt-Übersetzungsverhältnisses zwischen Motor und Aktuator erfolgt, wirkt sich auch eine falsche Positionsermittlung als Fehler aus. Bei den üblicherweise verwendeten inkrementalen Positionsgebern können besonders hoch dynamische Verstellvorgänge dazu führen, dass einzelne ausgeführte Winkelschritte des Antriebsmotors nicht korrekt erfasst werden. Solche Fehler können sich bei wiederholten Verstellvorgängen aufsummieren und damit unzulässige Abweichungen der Aktuatorposition hervorrufen.

Da in der der &mgr;-Ermittlung zugrunde liegenden Beziehung

beide Bestimmungsgrößen FA und FN nur mit sehr großen Fehlern ermittelt werden können, ist die Reibwertermittlung nach der beschriebenen Methode unzureichend.

Vor diesem Hintergrund ist es die Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Ermittlung des Bremsbelagreibwertes von Scheibenbremsen, insbesondere von selbstverstärkenden Scheibenbremsen, zu schaffen, das vorzugsweise ohne zusätzliche Sensorik und unter Nutzung eindeutiger und einfacher Wirkungszusammenhänge zuverlässige und genügende Aussagen über den Bremsbelagreibwert erlaubt.

Die Erfindung löst diese Aufgabe durch den Gegenstand des Anspruchs 1.

Erfindungsgemäß erfolgt die Reibwertermittlung anhand folgender Größen:

  • – Motorstrom für zustellende und rückstellende Richtung Izu, Irück
  • – Leerlaufstrom I0
  • – Keilwinkel &agr;
  • – Übernagungskonstante K
  • – Spannkraft FN

Diese einfache und dennoch für die Praxis genügend genaue Reibwertermittlung ist insbesondere unter definierten Bedingungen während speziell zu diesem Zweck eingeleiteten Test-Bremsbetätigungen möglich.

Die Kombination mit Lüftspieleinstellvorgängen bietet den Vorteil, dass dabei ohnehin die Bremsbeläge kurzzeitig mit geringer Kraft an die Bremsscheibe angelegt werden. In dieser Situation sind im Spannkraft-Übertragungsweg alle störenden Leerwege einschließlich des Lüftspieles beseitigt. Unter Berücksichtigung des Verschleißzustandes, welcher vom elektronisch gesteuerten Nachstellsystem ermittelt wurde und dem für den Zeitpunkt der Test-Bremsbetätigung bekannten Temperaturzustand wird nun eine Aktuatorposition angefahren, welche bei den bekannten Randbedingungen einen vorgegebenen und für alle Test-Bremsbetätigungen gleich bleibenden Wert der Spannkraft ergibt.

Vorteilhafte Ausgestaltungen sind den Unteransprüchen zu entnehmen.

Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezug auf die Zeichnung anhand von Ausführungsbeispielen näher beschrieben. Es zeigt:

1 eine Skizze, welche den prinzipiellen Aufbau einer Scheibenbremse mit Selbstverstärkung veranschaulicht;

2 eine Prinzipskizze des Wirkungsprinzips der Bremse aus 1;

3 eine Skizze der Kraft- und Winkelverhältnisse an einer Keilfläche eines Druckstempels einer Bremse nach Art der 1;

4 eine Wirkungsgradkette; und

5 ein Flussdiagramm.

Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich insbesondere für selbstverstärkende Scheibenbremse, wie sie in 1 dargestellt sind. Zunächst sei daher näher das Funktionsprinzip der 1 mit einer nicht verstellbaren Rampensteigung in den Druckflächen 5, 6 der Bremsstempel beschrieben. Verstellbare Druckstempel zur Veränderung der Rampensteigung sind denkbar, hier aber nicht gezeigt. 2 veranschaulicht im Zusammenspiel mit 1 das Grundfunktionsprinzip.

Bevorzugt bauen die erfindungsgemäßen Scheibenbremsen auf einem Festsattelkonzept auf, bei dem ein ein- oder mehrteiliger Bremssattel 1 (auch Bremsengehäuse genannt) relativ zu einer Bremsscheibe 2 unbeweglich an einer Radachse befestigt ist. Basis der nachfolgend beschriebenen Konzepte ist insofern eine Festsattelbremse mit äußerer elektromechanisch betätigter und elektronisch geregelter Verschleißnachstellung. Das Wirkprinzip und die beschriebenen Merkmale sind prinzipiell auch für andere Bremsenbauarten, wie z.B. Schiebesattel- oder Schwenksattelbremsen, anwendbar. Lediglich der die Bremsbetätigung beinhaltende Sattelkopf der mechanisch/pneumatisch betätigten Basisbremse wird ersetzt durch die elektromechanischer Zuspanneinheit mit Selbstverstärkung. Eine Festsattelbremse mit pneumatisch betätigter Zuspanneinrichtung dieser Art zeigen z.B. die DE 36 10 569 A1, die DE 37 16 202 A1 oder die EP 0 688 404 A1. Eine Festsattelbremse mit elektromotorischer Nachstellung zeigt die WO 02/14 708 A1. Derartige elektromotorische Nachstelleinrichtungen können bei der vorgeschlagenen Ausführungsbeispielen – wenn gewünscht – jeweils reaktionsseitig angeordnet werden. Es kann auch sogar nur reaktionsseitige eine einzige Nachstellvorrichtung mit einem Elektromotor als Antrieb angeordnet sein. Diese Variante ist insbesondere bei einer Scheibenbremse mit einer Selbstverstärkungseinrichtung, einem elektromotorischem Aktuator und mit einem Festsattel besonders kostengünstig und bauraumsparend. Dabei können der zuspannseitige und der reaktionsseitige Bremsbelag auch unterschiedlich dick sein.

In 1 ist der Bremssattel 1 lediglich in seinem zuspannseitigen Bereich angedeutet. In der Praxis umgreift er vorzugsweise rahmenartig den oberen Umfangsbereich der Bremsscheibe und ist an einem (hier nicht zu erkennenden Achsflansch) befestigt.

Der Bremssattel 1 weist an seiner der Bremsscheibe 2 mit einer Bremsscheibendrehachse zugewandten Seite eine oder mehrere, vorzugsweise zwei Öffnungen 3, 4 und eine korrespondierende Anzahl von Bremsstempeln 5, 6 (hier zwei) auf, die parallel zur Bremsscheibenachse BA ausgerichtet sind.

Nach 1 bis 4 sind jeweils zwei Bremsstempel 5, 6 parallel zueinander angeordnet.

Die beiden Bremsstempel 5, 6 bzw. Nachstellkolben stützen sich jeweils direkt oder über zwischengeschaltete Elemente; hier Gleitlagerschalen 9, 10; an der bremsscheibenabgewandten Rückwand 11 des Bremssattels ab. Als Lagereinrichtungen werden vorzugsweise Kugeln, 7, 8 mit Gleitlagerschalen 9 eingesetzt.

Die Lagereinrichtungen sind derart ausgelegt, dass sie eine Drehung der Bremsstempel 5, 6 bzw. Nachstellkolben um ihre eigene Längsachse LA erlauben.

Dabei sind jeweils im Bremsstempel 5, 6 und im Bremssattel kugelsegmentartige (kalottenartige) Ausnehmungen ausgebildet, von denen in eine (hier in die im Bremssattel) die Gleitlagerschalen 9, 10 eingesetzt ist, so dass sich die Kugeln 7, 8 relativ zur Gleitlagerschale drehen können.

Alternativ können die Kugeln 7, 8 auch als kugelförmige Ansätze an den zum Bremssattel gewandten Enden der Bremsstempel 5, 6 ausgebildet sein (hier nicht dargestellt), die dann in korrespondierende Ausnehmungen im Bremssattel mit Gleitlagerschalen eingreifen.

Denkbar sind anstelle der Kugeln und Ausnehmungen auch ebene Gleitlager oder ringförmige Lager oder dgl.. (hier nicht dargestellt).

Die Bremsstempel 5, 6 weisen jeweils eine mit einem Außengewinde versehene Spindel 12 auf, auf der eine hülsenartige Mutter 13 mit einem korrespondierenden Innengewinde verdrehbar angeordnet ist. Dieses Gewinde kann je nach Auslegung nicht selbsthemmend oder selbsthemmend sein.

Die Muttern 13 weisen an ihrer von der Bremsscheibe abgewandten Seite einen Flansch 31 auf, wobei zwischen dem Flansch 31 und der Innenwandung des Bremssattels 1 jeweils Druckfedern 32 wirken, welche die Mutter 13 konzentrisch umfassen und auf den Flansch eine vorgegebene Kraft ausüben bzw. den Flansch 31 relativ zur Bremssattelinnenwand vorspannen.

Alternativ wird die gesamte Mechanik gegen die Druckplatte verspannt.

Nach 1 bis 4 ist die Mutter 13 jedes Bremsstempels 5, 6 an der zur Bremsscheibe zugewandten Seite angeordnet und die Spindel 12 an der zum Bremssattelinneren gewandten Seite. Eine umgekehrte Anordnung wäre auch denkbar (hier nicht dargestellt).

Durch Verschrauben der Mutter 13 auf der Spindel kann die axiale Länge jedes einzelnen derart ausgebildeten Bremsstempels 5, 6 – beispielsweise zum Ausgleich von Bremsbelagverschleiß und beim Anlegen der Beläge an die Bremsscheibe 2 – verstellt werden.

An ihrer der Bremsscheibe zugewandten Seite, also an ihren Druckflächen, sind die Bremsstempel 5, 6, hier die Muttern 13, jeweils mit einer rampenartigen Ausnehmung oder Kontur 14 versehen, deren tiefste Stelle vorzugsweise im Bereich der Längsachse der Bremsstempel liegt.

In die Ausnehmungen 14 greifen jeweils Rollkörper 16 ein, die hier in bevorzugter Ausgestaltung als Kugeln 16 ausgebildet sind.

Die Rollkörper 16 greifen an ihren von der Bremsscheibe abgewandten Seiten in je nach Ausgestaltung der Rollkörper ausgebildete, hier kalottenförmige Gleitlagerschalen 17, die in Ausnehmungen korrespondierender Formgebung in einer Druckplatte 18 eingesetzt sind, die an der Trägerplatte 19 eines zuspannseitigen Bremsbelages 20 mit Bremsbelagmaterial 21 anliegt, der im Bremssattel 1 parallel zur Bremsscheibendrehachse BA und in Umfangsrichtung U (bzw. Tangential bzw. parallel zur Tangentialen) relativ zur Bremsscheibe 2 beweglich angeordnet ist.

Eine Klammerfeder 22 zwischen Druckplatte 18 und Muttern 13 hält die Druckplatte 18 unter Vorspannung an den Muttern 13. Alternativ ist es auch denkbar, die Druckplatte auf andere Weise, z.B. am Gehäuse (Sattel) zu verspannen.

Zum Antrieb der Bremse dient ein elektrischer Antriebsmotor 23, dem vorzugsweise ein Untersetzungsgetriebe 24 nachgeordnet ist, dessen Abtriebswelle 25 auf ein weiteres Getriebe 26, insbesondere ein Planetengetriebe wirkt, das mittig zwischen den Spindeln angeordnet ist.

Dabei treibt die Abtriebswelle 25 ein Sonnenrad 27 des Planetengetriebes 26, welches Planetenräder 28 mitnimmt. Die Planetenräder 28 kämmen (hier nicht detailliert dargestellt) mit dem Sonnenrad 27 und einem innen- und außenverzahnten Ring 29. Je nach Schaltzustand (Schaltbarkeit hier nicht dargestellt) setzen sie entweder den Planetenstern 33 oder den Ring 29 in Drehung. Der Ring 29 kämmt mit seiner Außenverzahnung mit Zahnrädern 30, die auf die Spindeln 12 aufgesetzt oder an diese angeformt sind.

Zum selbsttätigen Umschalten des Antriebs (z.B. ein Elektromotors) kann ein federbelasteter Kugelrastmechanismus vorgesehen sein (hier nicht dargestellt). Der Umschaltvorgang kann auch auf andere Weise realisiert werden (z.B. elektromagnetisch).

In axialer Verlängerung des Planetensterns 33 ist eine hier zylindrisch ausgebildete und parallel zur Bremsscheibenachse angeordnete Kurbel 34 vorgesehen, die an ihrer zur Bremsscheibe 2 gewandten Seite mit einem außermittig (exzentrisch) ausgebildeten, ebenfalls parallel zur Bremsscheibenachse BA parallel ausgerichteten Kurbelzapfen 35 in eine korrespondierende Öffnung 36 in einer Bremsbelageinheit eingreift, wobei die Öffnung 36 die vorzugsweise einen zum Querschnitt des Kurbelzapfens 35 korrespondierenden Querschnitt aufweist.

Im Ausführungsbeispiel der 1 besteht die Betätigungseinrichtung bzw. Zuspanneinheit aus den zwei, zum Zwecke der Verschleißnachstellung längenveränderlichen Nachstellkolben bzw. Bremsstempeln 5, 6, welche in ihrer der Bremsscheibe 2 zugewandten Druckfläche die Ausnehmungen 14 nach Art von Rampenkonturen aufweisen, an denen die Rollkörper 16 ablaufen, welche die von der Bremse erzeugte Zuspannkraft auf die Bremsbelageinheit bzw. auf die auf den Bremsbelag aufliegende Druckplatte übertragen.

In der Druckfläche der Bremsbelageinheit bzw. der Druckplatte 18 sind die Rollkörper 16 über ein entgegengesetzt gestaltetes Rampenprofil (hier nicht dargestellt) oder (bevorzugt, da die Rollkörper besonders sicher geführt sind; hier dargestellt) in dem Gleitlagerbett (Gleitlagerschalen 17) aufgenommen. Es wäre auch eine umgekehrte Anordnung mit Rampen in der Bremsbelageinheit und einem Gleitlagerbett für die Rollkörper in den Bremsstempeln 5, 6 denkbar (hier nicht dargestellt).

Die Bremsbelageinheit, hier bestehend aus der ein- oder mehrteiligen Kombination von Bremsbelag 20 und Druckplatte 18, wird federnd so gegen die Bremsstempel und Nachstellkolben 5, 6 gedrückt, dass die dazwischen angeordneten Rollkörper 16 zwischen der Bremsbelageinheit und den Bremsstempeln elastisch eingespannt sind.

Die Betätigung der Bremse erfolgt nach einem Anlegevorgang des Bremsbelages 20 an die Bremsscheibe durch ein Verschieben der Druckplatte nebst Bremsbelag 20 parallel zur Reibfläche der Bremsscheibe in Drehrichtung bzw. Umfangsrichtung derselben.

Diese Verschiebung wird vorzugsweise durch den Kurbeltrieb 35, 36 bewirkt, der mit einem Abtriebs- und hier Kurbelzapfen 35 etwa mittig an der Druckplatte 18 der Bremsbelageinheit 18, 20 angreift und parallel zur Rotationsachse der Bremsscheibe im Zuspanngehäuse – Bremssattel – 1 gelagert wird.

Die Betätigung des Kurbeltriebes erfolgt über den elektrischen Antrieb, z.B. den Elektromotor 23 mit nachgeschaltetem Getriebe 24.

Die tiefste Stelle der Ausnehmungen bzw. Rampen 14 ist jeweils vorteilhaft so ausgestaltet, dass die Rollkörper, insbesondere Kugeln an der tiefsten Stelle verrastet sind und nur gegen eine Mindestrastkraft aus der Vertiefung lösbar sind.

Der Kurbelzapfen 35 ist damit ist der Druckplatte bzw. der diese enthaltenden Bremsbelageinheit derart gelagert, dass der Bremsbelag der Bewegungsbahn des Kurbelzapfens 35 folgen muss.

Anstelle einer Betätigung mit Kurbel 35 ist auch eine Betätigung der Druckplatte über eine Hebelanordnung denkbar (hier nicht dargestellt).

Eine vorteilhafte Besonderheit dieser Bauart besteht darin, dass der Aktuator auf das Selbstverstärkungssystem bestehend aus Bremsbelag mit Druckplatte 18, Rampenkolben 31, 14 und Rollkörpern 16 sowohl vortreibende als auch rückziehende Kräfte ausüben kann.

Das in 1 offenbarte Selbstverstärkungssystem arbeitet nahezu ohne zusätzliche Betätigungsenergie sowohl in zu- als auch in rück- stellender Richtung, wenn der Winkel Alpha der Rampen bzw. Verstärkungsrampen 14 und der tatsächlich vorhandene Belagreibwert &mgr; die Beziehung &mgr; = tan &agr; erfüllt.

Ist der tatsächlich vorhandene Reibwert geringer als tan &agr;, muß in zustellender Richtung eine Betätigungskraft aufgewendet werden. Ist der tatsächliche Reibwert größer als tan &agr; ist eine rückhaltende Kraft notwendig damit der Bremsbelag nicht bis zur Position max. Bremswirkung durchgezogen wird.

Eine Analyse der Kraftverhältnisse in zu- und rückstellender Richtung unter Einbeziehung des mechanischen Wirkungsgrades ergibt die überraschende Erkenntnis, dass es mit der Messung der Aktuatorkraft in zu- und rückstellender Richtung möglich ist, den Einfluss des mechanischen Wirkungsgrades in der Übertragungskette vom Motor bis zum Aktuatorelement am Bremsbelag auszuschalten bzw. auch den Betrag dieses mech. Wirkungsgrades zu ermitteln.

In einem auf dieser Erkenntnis basierenden Reibwertermittlungsverfahren können auch die weiteren Störgrößen ausgeschaltet werden, indem die Reibwertermittlung nicht bei Bremsvorgängen sondern unter definierten Bedingungen bei speziell zu diesem Zweck eingeleiteten Test-Bremsbetätigungen durchgeführt wird. Dieser Vorgang wird mit niedrigen Bremskräften sehr kurzzeitig bevorzugt an einzelnen Rädern oder auch einzelnen Achsen des Fahrzeuges vorzugsweise im Zusammenhang mit Lüftspieleinstellvorgängen des el. Verschleißnachstellsystems durchgeführt.

Bei Lüftspieleinstellvorgängen sind im Spannkraft-Übertragungsweg die Leerwege einschließlich des Lüftspieles beseitigt. Unter Berücksichtigung des Verschleißzustandes, der zudem vom elektronisch gesteuerten Nachstellsystem ermittelt wurde und dem für den Zeitpunkt der Test-Bremsbetätigung bekannten Temperaturzustand wird nun eine Aktuatorposition angefahren, welche bei den bekannten Randbedingungen einen vorgegebenen und für alle Test-Bremsbetätigungen gleich bleibenden Wert der Spannkraft ergibt.

Damit ist die Spannkraft für die Reibwertermittlung eine konstante Größe.

Bei der Ermittlung der Aktuatorkraft durch Messung der Motorstromaufnahme stellen die Reibungswiderstände den größten Störeinfluss dar. Dieser Einfluss wird durch die genaue Ermittlung des mechanischen Wirkungsgrades ausgeschaltet. Temperatureinflüsse auf den Elektromotor (Dauermagnete) können durch die Wahl des Zeitpunktes der Testbremsungen vermieden werden. Fertigungstoleranzen werden zweckmäßig durch einen Eichvorgang bei der Endprüfung im Montageprozess der Bremse kompensiert.

Auf diese Weise wird es möglich mit einem sehr einfachen Prüfvorgang unter Einhaltung konstanter Randbedingungen durch Auswertung der Aktuatorkraft in zu- und rückstellender Betätigungsrichtung den Bremsbelag-Reibbeiwert genau zu ermitteln und zusätzlich auch genauen Aufschluss über die im Betätigungssystem auftretenden Reibungswiderstände zu erhalten.

Für die nachfolgende Betrachtung wir ergänzend auf 3 bis 6 verwiesen.

Grundsätzlich kann die Gesamtreibung im Betätigungsantreibstrang auf die Lagerreibung im Keilsystem reduziert werden. Damit gilt FR = &mgr;L·FH, wobei &mgr;L die Reibung im Gesamtsystem darstellt.

Weiterhin gilt, dass

Die Reibung wirkt der Bewegungsrichtung immer entgegen, so dass die Reibung indirekt einem mechanischen Wirkungsgrad &eegr;m des Betätigungssystems entspricht. Die Beziehung FRx = FN·&mgr;L kann deshalb auch folgendermaßen ausgedrückt werden: FRx = FN·(1 – &eegr;m)

Für die zustellende Richtung gilt: FA,zu – FN·tan &agr; + FN·&mgr; – FN·(1 – &eegr;m) = 0

Für die rückstellende Richtung gilt: FA,rück – FN·tan &agr; + FN·&mgr; + FN·(1 – &eegr;m) = 0

Die Lösung der beiden Gleichungen nach den zwei Unbekannten &mgr; und &eegr;m ergibt:

  • a) Mechanischer Wirkungsgrad &eegr;m der Betätigungseinrichtung:
  • b) Reibwert &mgr; zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe:

Der Zusammenhang zwischen dem Motorankerstrom I und Motormoment MM wird in der Literatur wie folgt beschrieben: MM = Mi – MR

Mi:
inneres Drehmoment
MR:
Reibungsmomente
Mi = c·ϕ·I = kM·I
c:
Motorkonstante
&PHgr;:
Erregerfluss
kM:
Flussverkettung
MR = kM·I0
I0:
Leerlaufstrom
MM = kM·(I – I0)

Aus dieser Beziehung lässt sich der Zusammenhang zwischen dem Ankerstrom und der Aktuatorkraft über die Wirkungsgradkette der 4 bestimmen: FA·kU = iG·&eegr;M·&eegr;G·&eegr;U·&eegr;K·MM

kU:
Übersetzungskonstante [m]
mit
und &eegr;m = &eegr;m·&eegr;G·&eegr;U·&eegr;K wird FA = K·&eegr;m·(I – I0)(3).
K:
Übertragungskonstante [Vs/m]

Bildet man die Differenz aus FA,zu zu FA,rück mit Hilfe der Gleichung (3), so gilt: FA,zu – FA,rück = K·&eegr;m·(Izu – Irück)(4)

Bildet man die Summe aus FA,zu und FA,rück mit Hilfe der Gleichung (3), so gilt: FA,zu + FA,rück = K·&eegr;m·(Izu + Irück – 2·I0)(5) (4) eingesetzt in (1) liefert die Beziehung zur Berechnung des mechanischen Wirkungsgrades des Gesamtsystems in Abhängigkeit vom Ankerstrom:

(5) eingesetzt in (2) liefert die Beziehung zur Berechnung des Reibwertes zwischen Bremsscheibe und Bremsbelag:

Dadurch ist für die Reibwertbestimmung die Kenntnis der folgenden Größen notwendig:

  • – Motorstrom für zustellende und rückstellende Richtung Izu, Irück
  • – Leerlaufstrom I0
  • – Keilwinkel &agr;
  • – Übertragungskonstante K
  • – Spannkraft FN

Der Motorstrom Izu bzw. Irück und der Leerlaufstrom I0 werden über das Motormanagement der Radbremse erfasst. Die Übertragungskonstante K ist bekannt, da die Motorkonstante kM, das Übersetzungsverhältnis iG und die Übersetzungskonstante kU (Umwandlung der Rotationsbewegung des Antriebstrangs in eine Translationsbewegung des Bremsbelags) fest installiert sind.

Für die Ermittlung der Spannkraft FN muss eine Information über folgende Größen vorliegen:

  • – Verschleißzustand der Beläge tBelag
  • – Sattelsteifigkeit CSattel
  • – Elastizitätsmodul des Bremsbelages EBelag
  • – Keilposition xKeil
  • – Keilwinkel &agr;

Da die Testbremsungen während des Nachstellvorgangs erfolgen, kann die Belagdicke mit hinreichender Genauigkeit bestimmt werden. Dadurch bleibt als einzige Störgröße für die Belagsteifigkeit die Belagtemperatur, welche den Elastizitätsmodul des Belags beeinflusst, denn

Eine Kompensation dieser Störgröße kann durch eine Temperaturhochrechnung wie sie aus der DE 10 2004 044 940 A1 bekannt ist, erfolgen.

Je nach Belagtemperatur und -verschleißzustand wird eine neue Testposition xKeil zur Bestimmung des Reibwertes berechnet und angefahren.

5 zeigt einen Programmalgorithmus zur Bestimmung des Reibwertes. Bei der Routine der 5 werden pro Radbremse zwei Teilbremsungen durchgeführt, so dass aus den beiden ermittelten Reibwerten ein Mittelwert gebildet werden kann.

1
Bremssattel
2
Bremsscheibe
3, 4
Öffnungen
5, 6
Bremsstempeln
9, 10
Gleitlagerschalen
11
Rückwand
12
Spindel
13
Mutter
14
rampenartige Ausnehmung
16
Rollkörper
17
Gleitlagerschalen
19
Trägerplatte
20
Bremsbelag
21
Bremsbelagmaterial
22
Klammerfeder
23
Antriebsmotor
24
Untersetzungsgetriebe
25
Abtriebswelle
26
Getriebe
27
Sonnenrad
28
Planetenräder
29
Ring
30
Zahnräder
31
Flansch
32
Druckfedern
33
Planetenstern
34
Kurbel
35
Kurbelzapfen
36
Öffnung


Anspruch[de]
Verfahren zur Ermittlung des Reibwertes einer Scheibenbremse, insbesondere von Scheibenbremsen in selbstverstärkender Bauart mit einer Zuspanneinrichtung, die auf den Bremsbelag zustellende und rückziehende Kräfte ausüben kann, dadurch gekennzeichnet, dass die Reibwertermittlung rechnerisch anhand folgender Größen erfolgt:

– Motorstrom für zustellende und rückstellende Richtung Izu, Irück

– Leerlaufstrom I0

– Keilwinkel &agr;

– Übertragungskonstante K

– Spannkraft FN
Verfahren nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 oder nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Reibwertermittlung unter definierten Bedingungen während speziell zu diesem Zweck eingeleiteten Test-Bremsbetätigungen durchgeführt wird. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Reibwert zwischen Bremsscheibe und Bremsbelag bestimmt wird nach:
Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass während der Test-Bremsbetätigungen auf der Basis einer Messung der Aktuatorkraft in zu- und rückstellender Richtung der Einfluss des mechanischen Wirkungsgrades in der Übertragungskette vom Motor bis zum Aktuatorelement am Bremsbelag ausgeschaltet und der mechanische Wirkungsgrad ermittelt wird. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Testbremsungen mit niedrigen Bremskräften kurzzeitig, bevorzugt an einzelnen Rädern oder auch einzelnen Achsen des Fahrzeuges durchgeführt werden. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Testbremsungen im Zusammenhang mit Lüftspieleinstellvorgängen eines elektromotorisch angetriebenen Verschleißnachstellsystems durchgeführt werden. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass Fertigungstoleranzen durch einen Eichvorgang bei der Endprüfung im Montageprozess der Bremse bestimmt werden. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass bei einem Prüfvorgang unter Einhaltung konstanter Randbedingungen durch Auswertung der Aktuatorkraft in zu- und rückstellender Betätigungsrichtung der Bremsbelag-Reibbeiwert genau ermitteln wird, um die im Betätigungssystem auftretenden Reibungswiderstände zu ermitteln. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der mechanischer Wirkungsgrad &eegr;m der Betätigungseinrichtung wie folgt ermittelt wird:
und dass der Reibwert &mgr; zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe nach folgender Formel ermittelt wird
Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Vorgang wird mit der mechanische Wirkungsgrad des Gesamtsystems in Abhängigkeit vom Ankerstrom wie folgt errechnet wird:
Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Motorstrom Izu bzw. Irück und der Leerlaufstrom I0 werden über das Motormanagement der Radbremse erfasst werden. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Spannkraft FN aus folgenden Größen bestimmt wird:

– Verschleißzustand der Beläge tBelag

– Sattelsteifigkeit cSattel

– Elastizitätsmodul des Bremsbelages EBelag

– Keilposition xKeil

– Keilwinkel &agr;
Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Belagtemperatur rechnerisch aus Bremsinformationen bestimmt wird. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass pro Radbremse wenigstens zwei Teilbremsungen durchgeführt und dass aus den ermittelten Reibwerten ein Mittelwert gebildet wird.






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