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Dokumentenidentifikation DE102007005556A1 02.08.2007
Titel Verfahren zur Herstellung von Glaskeramik mit Textur
Anmelder SCHOTT AG, 55122 Mainz, DE
Erfinder Gudgel, Katherine Ann, Dr., Evanston, US;
Blaum, Peter, 64331 Weiterstadt, DE;
Davis, Mark J., Dr., Clarks Summit, US;
Vullo, Paula, Pittston, US
Vertreter Witte, Weller & Partner, 70178 Stuttgart
DE-Anmeldedatum 25.01.2007
DE-Aktenzeichen 102007005556
Offenlegungstag 02.08.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 02.08.2007
IPC-Hauptklasse C03B 32/02(2006.01)A, F, I, 20070125, B, H, DE
IPC-Nebenklasse C03C 10/00(2006.01)A, L, I, 20070125, B, H, DE   
Zusammenfassung Es wird ein Verfahren zum Herstellen von Glaskeramik mit Textur angegeben, das die Schritte des Bereitstellens eines Precursor-Glases aufweist, des Bereitstellens eines Precursor-Glaskörpers, des Platzierens des Precursor-Glaskörpers in einem Ofen in Kontakt mit einem Blockkörper, der eine größere oder kleinere Wärmekapazität als diejenige des Precursor-Glaskörpers aufweist, und das Keramisieren des Precursor-Glaskörpers innerhalb des Ofens in Kontakt mit dem Blockkörper, wodurch ein Temperaturgradient über dem Precursor-Glaskörper erzeugt wird, um daraus Kristallite mit einer Vorzugsorientierung auszuscheiden.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Glaskeramik mit Textur, insbesondere ein Verfahren zur Herstellung von Glaskeramik mit Kristallliten, die eine bevorzugte Orientierung aufweisen. Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zum Herstellen von nicht-ferroelektrischer polarer Glaskeramik, die Piezoaktivität aufweist.

Glaskeramiken wurden in den letzten Jahrzehnten vielfach verwendet. Gegenwärtig werden Glaskeramiken immer wichtiger als eine Klasse von modernen Materialien, in Folge ihres Potentials für maßgeschneiderte Eigenschaften und zur Herstellung in einer Massenproduktion.

In jüngster Zeit wurden sogar Glaskeramiken untersucht, die ein Potential zum Ersatz von herkömmlichen piezoelektrischen Materialien haben. Piezoelektrische Glaskeramikwerkstoffe stellen eine interessante und vielversprechende Alternative zu herkömmlichen piezoelektrischen Materialien, wie etwa PZT-Keramiken dar. Da PZT abgesehen von Zirkon und Titan Blei enthält, haben piezoelektrische Glaskeramiken ein Potential zum Ersatz von PZT, da sie bleifrei sind.

Eine Möglichkeit, ein piezoelektrisches Verhalten in einer Glaskeramik zu erhalten, erfordert, dass die Glaskeramik ferroelektrische Kristallite aufweist, die polarisiert werden können, um makroskopisch ein piezoelektrisches Verhalten zu bekommen. Falls die Glaskeramik keine ferroelektrischen polarisierbaren Kristallite aufweist, muss alternativ eine bevorzugte Orientierung der Kristallite bei dem Material während der Herstellung „eingeprägt" werden. Somit muss die Glaskeramik nicht symmetrische Kristallite aufweisen, die während der Herstellung eine Textur erhalten.

Glaskeramiken mit Textur sind auch von Interesse in Bezug auf andere Eigenschaften, z.B. eine vergrößerte mechanische Festigkeit in einer bestimmten Richtung.

Somit ist ein Verfahren zum Herstellen einer Glaskeramik mit Textur von besonderem Interesse bei der Herstellung von zahlreichen Glaskeramiken.

C. Rüssel, "Oriented crystallization of glass – a review", Journal of Non-Crystalline Solids 219 (1997), 212-218, liefert eine Zusammenfassung von im Stand der Technik bekannten Verfahren, um Glaskeramiken mit Textur herzustellen. Grundsätzlich sind drei Herstellungsverfahren bekannt. Das erste ist eine mechanische Deformation eines Glases, das teilweise kristallin sein kann. Das zweite ist eine kinetisch kontrollierte Kristallisation, bei der die Kristallisation lediglich in einem kleinen Bereich auftritt, insbesondere an der Oberfläche, wobei die Kristallwachstumsgeschwindigkeiten für unterschiedliche kristallographische Richtungen unterschiedlich sind. Das dritte Verfahren ist eine thermodynamisch kontrollierte Kristallisation, bei der die angewandten Parameter die freie Enthalpie von Keimzentren oder Kristalliten, die gebildet werden, verringert, falls sie z.B. parallel zu einem von außen angelegten Magnetfeld orientiert sind.

Nur das zweite Verfahren, das von Rüssel berichtet wird, wurde im Stand der Technik als ein praktikables Verfahren verwendet, um Glaskeramiken mit Textur herzustellen. Das Glas wird in einen Temperaturgradienten, der normalerweise durch lokale Heizelemente erzeugt wird, innerhalb eines Ofens platziert. Üblicherweise überschreitet die Dicke der durch Oberflächenkristallisation in den Temperaturgradienten erzeugten Oberflächenschicht mit Textur nicht die Dicke von 500 Mikrometern. Jedoch können größere orientierte Strukturen erzeugt werden, wenn die Probe innerhalb des Temperaturgradienten langsam bewegt wird.

Ein Bewegen der Glasprobe innerhalb eines Temperaturgradienten wurde auch von Y. Abe et al., "Preparation of High-Strength Calcium Phosphate Glass-Ceramics by Unidirectional Crystallization", Communications of the American Ceramic Society", Juli 1984 berichtet, ferner von G. Lu et al., "Unidirectional Crystallization of Potassium Disilicate", Journal of Crystal Growth 64, 1983, 479-484, ferner von F. Carpay et al., "In-situ Growth of Composites from the Vitreous State", Journal of Crystal Growth 24/25, 1974, 551-554, als auch von K. Engel et al., "Textured Li2·2SiO2 glass ceramics", Journal of Non-Crystalline Solids 196, 1996, 339-345.

Halliyal et al., "Glass ceramics for piezoelectric and pyroelectric devices", in Glass and Glass-ceramics, herausgegeben von M.H. Lewis, Seiten 273-315, Chapman and Hall, London, 1989, untersuchten eine Anzahl von Glaskeramiken, die piezoelektrisches oder pyroelektrisches Verhalten zeigten. Insbesondere untersuchten sie ein Glaskeramikmaterial, das aus einem Lithiumborosilikatglas (Li2O-B2O3-SiO2) als Precursor hergestellt wurde. Halliyal et al. verwendeten eine Kristallisation in einem Temperaturgradienten, der durch Positionierung von polierten Glasproben in einem Mikroskop mit Heiztisch erzeugt wurde. Auf diese Weise konnten piezoelektrische Proben aus nicht-ferroelektrischen piezoaktiven Materialien hergestellt werden, indem eine Vorzugsrichtung der Orientierung auf die ausgeschiedenen Kristallite aufgeprägt wurde.

Jedoch bedeuten sowohl die Bewegung einer Glasprobe oder eines Glasstabes innerhalb eines Temperaturgradienten als auch das Mikroskop-Heiztischverfahren erhebliche Einschränkungen für die Herstellung und sind nicht zur Herstellung von Glaskeramiken mit Textur in einem Massenprozess geeignet.

Vor diesem Hintergrund ist es die Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Herstellung einer Glaskeramik mit Textur aus einem Precursor-Glas anzugeben, womit eine kontrollierte Textur erreicht werden kann. Vorzugsweise soll das Verfahren erlauben, Glaskeramiken mit ausgeprägter Anisotropie zu erzeugen, die durch eine bevorzugte Orientierung während des Keramisierungsschrittes aus kristallisierten Kristalliten bewirkt ist. Das Verfahren soll insbesondere eine Steuerung der Anisotropie erleichtern, die während der Keramisierung erzeugt wird. Auch soll das Verfahren möglichst kostengünstig sein und ein Potential für eine Massenproduktion aufweisen.

Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein Verfahren zum Herstellen einer Glaskeramik mit Textur gelöst, das die folgenden Schritte aufweist:

  • – Herstellen eines Precursor-Glaskörpers;
  • – Platzieren des Precursor-Glaskörpers in einem Ofen in Kontakt mit einem Blockkörper, der eine größere oder eine kleinere Wärmekapazität als diejenige des Precursor-Glaskörpers hat und
  • – Keramisieren des Precursor-Glaskörpers innerhalb des Ofens in Kontakt mit dem Blockkörper.

Gemäß der Erfindung wird ein Temperaturgradient über das Precursor-Glas während der Ausscheidung der Kristallite angewendet. Dies wird innerhalb eines Ofens gemacht, in dem das Precursor-Glas in Kontakt mit einem Blockkörper gebracht wird, der eine größere (oder eine kleinere) Wärmekapazität als diejenige des Precursor-Glaskörpers hat. Indem die Wärmekapazität des Blockkörpers kontrolliert wird, kann der Temperaturgradient in besonderer Weise beeinflusst werden. Die Wärmekapazität ist definiert als die spezifische Wärme multipliziert mit der Masse.

Durch einen geeigneten Blockmaterialkörper, der neben dem Kontakt mit dem Boden z.B. den Precursor-Glaskörper nur an einer oder auf mehreren Oberflächen berührt, können auch komplexe Temperaturgradienten und dadurch spezielle Texturstrukturen erzeugt werden.

Unter Verwendung dieses „Blockverfahrens" kann ein kontrollierter Temperaturgradient während des Keramisierungsverfahrens in einer besonders einfachen Weise erhalten werden, wodurch eine sorgfältig gesteuerte Textur oder eine stärkere Anisotropie der so erzeugten Glaskeramik erreicht wird. Insbesondere können die Orientierung, die Verteilung und die Größe der Kristallite dadurch kontrolliert oder zumindest beeinflusst werden.

Der Temperaturgradient, der sich ergibt, wenn der Precursor-Glaskörper in Kontakt mit dem Blockkörper beheizt wird, hängt im Wesentlichen von dem Verhältnis zwischen den Wärmekapazitäten des Blockkörpers und des Precursor-Glaskörpers ab. Vorzugsweise ist das Verhältnis zwischen der Wärmekapazität des Blockkörpers und der Wärmekapazität des Precursor-Glaskörpers wenigstens 10, vorzugsweise wenigstens 100, besonders bevorzugt wenigstens 1000, insbesondere wenigstens 10.000.

Unter Verwendung solcher sehr großer Verhältnisse können sehr ausgeprägte Texturen der Glaskeramik erreicht werden.

Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung wird der Blockkörper, der mit dem Precursor-Glaskörper in dem Ofen in Kontakt ist, während des Keramisierungsschrittes zusätzlich gekühlt oder beheizt, was es erlaubt, noch stärkere Temperaturgradienten und somit eine noch stärker geprägte Orientierung der ausgeschiedenen Kristallite zu erreichen.

Gemäß einer weiteren Ausführung der Erfindung kann die Textur der Glaskeramik durch das Material beeinflusst werden, aus dem der Blockkörper hergestellt ist. Insbesondere kann auch die Wärmekapazität des Blockkörpers den Temperaturgradienten und somit die daraus resultierende Textur beeinflussen.

Gemäß einer weiteren Ausführung der Erfindung kann ein Blockkörper verwendet werden, der aus einem thermisch isolierenden Material besteht, wie etwa aus einem Material, das aus Siliziumoxid, Aluminiumoxid und/oder Zirkoniumoxid besteht. Alternativ kann auch ein Material verwendet werden, das ein guter Wärmeleiter ist, wie etwa Stahl oder Graphit.

Gemäß einer weiteren Ausführung der Erfindung wird die Oberfläche des Precursor-Glaskörpers, die in Kontakt mit dem Blockmaterialkörper ist, vorzugsweise auch die gegenüberliegende Oberfläche, vor dem Kontaktieren des Blockmaterialkörpers poliert.

Es wurde festgestellt, dass eine stärker ausgeprägte Anisotropie erreicht werden kann, wenn dieser Polierschritt ausgeführt wird. Das Polieren führt zu der Bildung von Mikrorissen, die als Keimbildner die Oberflächenkristallisation verstärken können.

Vorzugsweise wird auch die Oberfläche (werden auch die Oberflächen) des Blockmaterialkörpers, die in Kontakt mit dem Precursor-Glaskörper ist (sind), geschliffen oder poliert.

Auch dies führt zu einer starken Ausrichtung der Kristallite innerhalb der Glaskeramik.

Gemäß einer anderen Ausführung der Erfindung ist der Blockkörper mit einer Vertiefung versehen, in der der Precursor-Glaskörper platziert wird.

Hierbei kann die Vertiefung so dimensioniert sein, dass sie eine vollständige Aufnahme des Precursor-Glaskörpers in einer bündigen Konfiguration oder in einer innerhalb des Blockkörpers versenkten Konfiguration erlaubt.

Somit beginnt die Oberflächenkristallisation nur von einer Oberfläche, wodurch eine verbesserte Textur erreicht werden kann.

Die Oberflächenkristallisation, die von einer Oberfläche ausgeht, kann ferner verstärkt werden, indem wenigstens eine Oberfläche des Precursor-Glaskörpers durch eine Wärmebehandlung oder eine chemische Behandlung aktiviert wird.

Während die Tiefe der Kristallisation, die bei der Oberflächenkristallisation als Hauptkristallisationsmechanismus erreicht werden kann, einigermaßen begrenzt ist, kann gemäß der Erfindung eine Kristallisationstiefe in dem Bereich von einem Millimeter oder sogar mehr erzielt werden.

Die Tiefe der Kristallisation kann in einigen Fällen sogar noch weiter vergrößert werden, indem ein Precursor-Glas verwendet werden wird, das durchgehend mit Keimbildnern versehen ist.

Zu diesem Zweck kann der Precursor-Glaskörper mit einem besonderen Kristallisationsschritt hergestellt werden, um eine bestimmte homogene Keimbildung innerhalb des Precursor-Glases vor dem Keramisieren des Precursor-Glases innerhalb eines Temperaturgradienten zu erreichen.

Gemäß einer anderen Ausführung der Erfindung kann das Verfahren ferner den Schritt der Erzeugung eines Gasflusses innerhalb des Ofens umfassen, wobei der Gasfluss dazu vorgesehen ist, den innerhalb des Precursor-Glaskörpers eingestellten Temperaturgradienten zu beeinflussen.

Gemäß einer weiteren Ausführung der Erfindung kann das Verfahren ferner den Schritt des Behandelns der Oberfläche(n) des Blockkörpers umfassen, die in Kontakt mit dem Precursor-Glaskörper gelangt (gelangen), um ein leichtes Entfernen des keramisierten Körpers nach der Keramisierung zu erlauben, insbesondere indem die Oberfläche(n) mit Seifenstein behandelt wird (werden).

Eine besonders vorteilhafte Anwendung der Erfindung ist die Herstellung von nichtferroelektrischen Glaskeramiken in piezoelektrischer Konfiguration.

Zu diesem Zweck kann ein Precursor-Glas verwendet werden, das Li2O, Ba2O3 und SiO2 enthält.

Unter Verwendung von Lithiumborosilikatgläsern als Precursor-Glas können stabile Glaskeramiken erzeugt werden, die piezoelektrisches Verhalten aufweisen.

Genauer gesagt, kann das Precursor-Glas 55 bis 80 Gew.-% SiO2, 1 bis 40 Gew.-% B2O3 und 1 bis 30 Gew.-% Li2O aufweisen, vorzugsweise 65 bis 75 Gew.-% SiO2, 5 bis 15 Gew-% B2O3 und 15 bis 25 Gew.-% Li2O.

Insbesondere kann ein Precursor-Glas verwendet werden, das 70 bis 73 Gew.-% SiO2, 9 bis 11 Gew.-% B2O3 und 18 bis 22 Gew.-% Li2O enthält.

Die Verwendung von derartigen Precursor-Gläsern erlaubt es, stabile Glaskeramiken herzustellen, die relativ niedrige Dielektrizitätskonstanten bei hohen g33-Werten und moderaten d33-Werten aufweisen.

Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachstehend noch zu erläuternden Merkmale der Erfindung nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in anderen Kombinationen verwendbar sind, ohne den Rahmen der Erfindung zu verlassen.

Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele unter Bezugnahme auf die Zeichnung. In der Zeichnung zeigen:

1 eine schematische Darstellung des erfindungsgemäßen Verfahrens zum Erzeugen einer Vorzugsrichtung der Orientierung von ausgeschiedenen Kristalliten im Vergleich zu einer herkömmlichen Keramisierung und

2 eine Darstellung der Ausprägung der Textur (in willkürlichen Einheiten, wobei 4 stark strukturiert bedeutet) in Abhängigkeit von der Wärmekapazität von unterschiedlichen Blockproben.

Das Blockverfahren gemäß der gegenwärtigen Erfindung ist allgemein in 1 dargestellt. 1a) zeigt das herkömmliche Verfahren zum Erzeugen einer Glaskeramik aus einem Precursor-Glas innerhalb eines Ofens. Eine gesteuerte Kristallisation verwendet einen speziellen Heizzyklus, um eine Keimbildung und ein Wachstum zu erreichen, so dass Kristallite gleichmäßig verteilt wachsen, wie schematisch in 1a) dargestellt. Auf diese Weise kann keine Textur erzeugt werden.

Um eine Textur einer Glaskeramik zu erreichen, wird während der Keramisierung der Glaskeramik ein Temperaturgradient erzeugt. Dies wird erfindungsgemäß erreicht, indem der Precursor-Glaskörper auf einem Blockkörper platziert wird, der eine größere (oder kleinere) Wärmekapazität als diejenige des Precursor-Glaskörpers aufweist. Dieses Verfahren ist schematisch in 1b) gezeigt.

Gemäß einer weiteren Variante der Erfindung wird das Substrat oder der Blockkörper zusätzlich gekühlt (oder beheizt), um eine noch stärker ausgeprägte Orientierung der Kristallite in einer bevorzugten Richtung zu erhalten (die senkrecht zu der Oberfläche des Blockkörpers ist und innerhalb der Richtung des Temperaturgradienten). Dies ist in 1c) gezeigt.

BEISPIELE

In Tabelle 1 ist die Zusammensetzung eines Precursor-Glases angegeben, das verwendet wurde, um erfindungsgemäße Glaskeramiken herzustellen (Beispiele 1 bis 4).

Tabelle 1: Zusammensetzung der Beispiele 1 bis 4

Tabelle 2: Keramisierungsergebnisse: alle Proben mit Textur und alle Proben piezoelektrisch

In Tabelle 2 sind die Keramisierungsergebnisse für Proben mit Textur zusammengefasst (Beispiele 1 bis 4).

Sämtliche der in Tabelle 2 angegebenen Beispiele wurden unter Verwendung des oben erläuterten Blockverfahrens erzeugt. Sämtliche der Beispiele zeigten eine ausgeprägte Textur, was in der Tabelle auf einer arbiträren Skala angegeben ist (wobei „4" eine sehr ausgeprägte Textur und „1" die geringste Textur anzeigt).

Alle Probengrößen betrugen 35 mm im Durchmesser bei 2 mm Dicke.

Während die Beispiele 1 und 2 in einem versenkten Block des Materials gemäß Tabelle 2 in einer fluchtenden Konfiguration platziert wurden, wurden die Beispiele 3 und 4 auf den Block aufgesetzt.

Sämtliche Proben wurden an allen ebenen Oberflächen vor dem Platzieren auf dem Blockkörper poliert. Die betreffenden Oberflächen der Blockkörper in Kontakt mit dem Precursor-Glaskörper wurden geschliffen.

Unter Verwendung eines vertieften Blockes wurde die Vertiefung entsprechend der Probengröße (etwas größer) gemacht. Somit wurden die betreffenden Proben innerhalb der vertieften Blöcke fluchtend aufgenommen. Um eine leichte Entfernung der Proben zu fördern, wurden die Vertiefungen vor dem Platzieren der Proben mit Seifenstein behandelt.

Es ist aus Tabelle 2 zu ersehen, dass die beste Textur erreicht wurde, wenn der Blockkörper mit der höchsten Wärmekapazität verwendet wurde. Dieses Verhalten ist in 2 dargestellt.

Es wird davon ausgegangen, dass das Verhältnis zwischen den Wärmekapazitäten des Blockkörpers und des Precursor-Glaskörpers der wichtigste Parameter ist, der die Ausprägung der Textur beeinflusst. Mit einer berechneten Wärmekapazität von ungefähr 0,17 J/K können die in Tabelle 2 gezeigten Verhältnisse zwischen den Wärmekapazitäten der Blockkörper und der Precursor-Glaskörper berechnet werden.

Das Textur-Ranking ist annähernd dem Logarithmus des betreffenden Verhältnisses proportional.

Alle Beispiele 1–4 wurden aus dem Precursor-Glas gemäß Tabelle 1 hergestellt. Wie durch Röntgendiffraktionsmessungen (XRD) festgestellt wurde, wurden aus diesem Precursor-Glas Kristallite aus Li2Si2O5, Li2SiO3 und zum Teil Quarz ausgeschieden. Alle diese Kristallite sind polar, was es erlaubt, ein piezoelektrisches Verhalten zu erzeugen.

Eine Piezoelektrizität wurde durch die Messung der piezoelektrischen Konstanten (piezoelektrische Ladungskonstante) d33 unter Verwendung eines APC-d33-Messgerätes mit großem Bereich, Modell YE2730A bestätigt. Dieses Messgerät basiert auf dem Berlincourt-Verfahren zur Messung von piezoelektrischen Eigenschaften. Als Referenzprobe wurde PZT verwendet.

Bei Beispiel 1 wurde ein piezoelektrischer Koeffizient d33 von 4,5 durch mehrere Messungen bestätigt, während nicht genug Messungen durchgeführt wurden, um besondere Werte für die anderen Proben zu bestätigen.


Anspruch[de]
Verfahren zum Herstellen einer Glaskeramik mit Textur, mit den Schritten:

– Bereitstellen eines Precursor-Glaskörpers;

– Platzieren des Precursor-Glaskörpers in einem Ofen in Kontakt mit einem Blockkörper, der eine größere oder kleinere Wärmekapazität als diejenige des Precursor-Glaskörpers hat und

– Keramisieren des Precursor-Glaskörpers innerhalb des Ofens in Kontakt mit dem Blockkörper.
Verfahren nach Anspruch 1, bei dem das Verhältnis zwischen der Wärmekapazität des Blockkörpers und der Wärmekapazität des Precursor-Glaskörpers wenigstens 10, vorzugsweise wenigstens 100, weiter bevorzugt wenigstens 1000, besonders bevorzugt wenigstens 10.000 beträgt. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem der Blockkörper während des Keramisierungsschrittes gekühlt oder beheizt wird. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, bei dem wenigstens die Oberfläche des Precursor-Glaskörpers, die in Kontakt mit dem Blockkörper steht, vorzugsweise auch die gegenüberliegende Oberfläche, vor dem Kontaktieren des Blockkörpers poliert wird. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem der Blockkörper mit einer Vertiefung versehen wird, in der der Precursor-Glaskörper platziert wird. Verfahren nach Anspruch 5, bei dem die Vertiefung so dimensioniert ist, dass sie eine vollständige Aufnahme des Precursor-Glaskörpers darin erlaubt, und zwar in einer bündigen Konfiguration oder in einer innerhalb des Blockkörpers vertieften Konfiguration. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, das ferner den Schritt des Schleifens oder Polierens der Oberfläche(n) des Blockkörpers, die in Kontakt mit dem Precursor-Glaskörper gelangt (gelangen), umfasst. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, das ferner den Schritt des Aktivierens wenigstens einer Oberfläche des Precursor-Glaskörpers durch eine Wärmebehandlung oder eine chemische Behandlung umfasst. Verfahren nach irgendeinem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem der Precursor-Glaskörper mit Keimbildnern innerhalb des Gesamtvolumens erzeugt wird. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, das ferner den Schritt des Erzeugens eines Gasflusses innerhalb des Ofens umfasst, wobei der Gasfluss dazu ausgebildet ist, den innerhalb des Precursor-Glaskörpers eingestellten Temperaturgradienten zu beeinflussen. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, das ferner den Schritt des Behandelns der Oberfläche(n) des Blockkörpers umfasst, die in Kontakt mit dem Precursor-Glaskörper gelangt (gelangen), um eine leichte Entfernung des keramisierten Körpers nach der Keramisierung zu erleichtern, insbesondere indem die Oberfläche(n) mit Seifenstein behandelt wird (werden). Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem ein Precursor-Glaskörper ausgewählt wird, der dazu geeignet ist, dass azentrische Kristallite daraus ausgeschieden werden. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem ein Precursor-Glaskörper verwendet wird, der Li2O, B2O3 und SiO2 enthält. Verfahren nach Anspruch 13, bei dem ein Precursor-Glaskörper verwendet wird, der 55 bis 80 Gew.-% SiO2, 1 bis 40 Gew.-% B2O3 und 1 bis 30 Gew.-% Li2O, vorzugsweise 65 bis 75 Gew.-% SiO2, 5 bis 15 Gew.-% B2O3 und 15 bis 25 Gew.-% Li2O enthält. Verfahren nach Anspruch 14, bei dem ein Precursor-Glaskörper verwendet wird, der 70 bis 73 Gew.-% SiO2, 9 bis 11 Gew.-% B2O3, und 18 bis 22 Gew.-% Li2O enthält. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem der Blockkörper aus einem thermisch isolierenden Material hergestellt ist. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem Blockkörper aus einem Material hergestellt ist, das aus der Gruppe ausgewählt ist, die aus Graphit, Siliziumoxid, Aluminiumoxid und Stahl besteht. Verfahren nach einem der Ansprüche 12 bis 17, bei dem der Blockkörper und der Keramisierungsschritt so kontrolliert sind, dass eine piezoelektrische Glaskeramik erzeugt wird. Glaskeramikkörper mit Textur hergestellt aus einem Precursor-Glaskörper durch ein Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche. Glaskeramikkörper nach Anspruch 19 umfassend nicht-ferroelektrische piezoaktive Kristallite, die aus dem Precursor-Glaskörper mit einer Vorzugsrichtung ausgeschieden sind.






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