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Dokumentenidentifikation DE202007006322U1 09.08.2007
Titel Multifunktionelles Kombinationsglas
Anmelder Jung, Horst, 14715 Märkisch Luch, DE;
Dröscher, Marcus, 14712 Rathenow, DE;
Zobel, Dietmar, Dr., 06886 Lutherstadt Wittenberg, DE
DE-Aktenzeichen 202007006322
Date of advertisement in the Patentblatt (Patent Gazette) 09.08.2007
Registration date 05.07.2007
Application date from patent application 03.05.2007
IPC-Hauptklasse C03C 17/34(2006.01)A, F, I, 20070503, B, H, DE
IPC-Nebenklasse C03C 27/12(2006.01)A, L, I, 20070503, B, H, DE   

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein multifunktionelles Kombinationsglas, das oberflächlich hydrophob, optisch transparent und stabil gegen Glaskorrosion ist.

Es ist bereits bekannt, dass man gläserne Oberflächen mittels organisch modifizierter Silicium-Sauerstoff-Verbindungen mehr oder minder vollständig hydrophobieren kann.

Infrage kommen heute überwiegend zwei Verfahren, einerseits das der Beflammung nach dem so genannten PYROSIL-Verfahren, bei dem Silane einer Brenngasflamme zugesetzt werden, gefolgt von der Hydrophobierung der so gebildeten Haftvermittlerschicht, zum anderen das der Beschichtung mit polykondensierten Silanolen. Beide Verfahren werden typischerweise auf weitgehend einwandfreien Glasschichten angewandt.

Lautet die Aufgabe hingegen, durch Glaskorrosion vorgeschädigte Elemente zu beschichten, wie beispielsweise die großflächigen Scheiben in Schwimmbädern, so erfordert dies konventionell zunächst einmal das Herunterschleifen der mehr oder minder stark korrodierten Schicht, die nicht nur fühlbar rau ist, sondern eine ungleichmäßige und ästhetisch äußerst unerwünschte optische Trübung der ursprünglich klaren Scheiben mit sich bringt. Das äußere Bild derartiger Scheiben ist manchmal bereits nach wenigen Betriebsmonaten derart unansehnlich, dass sie ausgetauscht werden müssen, falls man sich das äußerst mühselige Herunterschleifen und anschließende Polieren der Scheiben im eingebauten Zustand ersparen will. Hinzu kommt, dass es sich im Falle einer derartigen Verglasung gewöhnlich um Verbundsicherheitsglas (Zweischeiben-Sicherheitsglas mit Polyvinylbutyral-Zwischenfolie) handelt, dessen Beschleifen und Polieren wegen der auftretenden Spannungen keineswegs unbedenklich ist. Auch wenn das Beschleifen und Polieren von einer mit diesen Manipulationen vertrauten, handwerklich qualifizierten Fachkraft ausgeführt wird, so ist der Aufwand doch ganz erheblich. Die so behandelte Scheibe kann dann in nach wie vor eingebautem Zustand beispielsweise mit in Alkohol suspendierten Nanoteilchen beschichtet und so hydrophobiert werden. Derartige Mittel sind im Prinzip bekannt und werden beispielsweise zum Hydrophobieren von Automobil-Frontscheiben eingesetzt. Sie sind jedoch recht teuer, und ihre Wirkung hält in Anbetracht der extrem dünnen und zudem mit der Glasoberfläche nicht fest verbundenen Nano-Teilchen-Schicht bekanntermaßen nur vergleichsweise kurze Zeit an.

Die erfinderische Aufgabe lautet demnach, ein multifunktionelles Kombinationsglas vorzuschlagen, welches aus Elementen aufgebaut ist, die auch ohne den geschilderten erheblichen Aufwand dauerhaft den heute erhobenen Ansprüchen an optische Transparenz, Hydrophobie und Beständigkeit gegen Glaskorrosion genügen.

Überraschend wurde gefunden, dass zum Aufbau eines derartigen Kombinationsglases Elemente eingesetzt werden können, deren Einsetzbarkeit bisher nicht erwogen – weil nicht für möglich gehalten – wurde. Das erfindungsgemäße Kombinationsglas besteht aus einem gewöhnlichen gläsernen Grundkörper, insbesondere einer durch Glaskorrosion mehr oder minder stark vorgeschädigten ein- oder mehrschichtigen Glasscheibe, die mit einer dünnen Schicht einer insbesondere nichtwässrigen Flüssigkeit oder einer temporär flüssigkeitsähnlichen hochviskosen Substanz – wie einem selbsthärtenden Kleber – bedeckt ist, welche ihrerseits durch eine gläserne oder Kunststoff-Schicht, insbesondere durch eine transparente Folie, fixiert und zugleich geschützt wird. Als Flüssigkeit eignet sich beispielsweise ein raffiniertes Mineralöl, wie insbesondere Fahrradöl, oder auch Paraffinöl, als temporär flüssigkeitsähnliche hochviskose Substanz z.B. jener Kleber, der für die Fertigung selbstklebender Etiketten verwendet wird, insbesondere solcher, die aus transparenter Folie bestehen und für die Realisierung des so genannten „no label look" geeignet sind (Beschriftung von Glasflaschen, ohne dass – wegen seiner Transparenz – das verwendete Etikett als solches zu erkennen ist). In diesem Falle fungiert die unterseitig mit dem genannten Kleber beschichtete transparente Folie zugleich als Kunststoff-Deckschicht, während im Falle des Fahrradöls und des Paraffinöls gläserne Deckscheiben verwendet werden, die randständig mit üblichen Mitteln, z.B. Acryl- oder Silicondichtmasse, auf der ein- oder mehrschichtigen – insbesondere durch Glaskorrosion vorgeschädigten – Basisglasscheibe befestigt sind. Das erfindungsgemäße Kombinationsglas besteht z.B. im Falle einer Schwimmbadscheibe aus dem durch Glaskorrosion mehr oder minder erheblich vorgeschädigten, fest eingebauten Zweischeibensicherheitsglas und der vor Ort aufgebrachten Beschichtung, bestehend aus Fahrradöl und der bezüglich der zu beschichtenden Fläche geringfügig untermaßigen gläsernen Deckschicht, die ringsum mit Silikondichtmasse fixiert ist. Im Falle der Klebefolien sind diese direkt auf die unvorbehandelte, insbesondere durch Glaskorrosion vorgeschädigte Glas- oder Sicherheitsglasscheibe aufgebracht. Je nach Anforderungen kann die gläserne oder Folien-Deckschicht sich im Originalzustand befinden oder hydrophobiert sein. Das erfindungsgemäße Kombinationsglas erscheint überraschenderweise optisch völlig klar, d.h. gleichmäßig transparent.

Haupteinsatzgebiete der Erfindung sind insbesondere die Verglasungen von Schwimmbädern und anderen funktional ähnlich belasteten Gebäuden, wie beispielsweise Wintergärten oder Treibhäusern, in denen, verursacht durch die im Tagesgang bezüglich Lichteinstrahlung, Temperaturverlauf und relativer Feuchte stark schwankenden Bedingungen, die Glaskorrosion eine entscheidende Rolle spielt.

Besonders vorteilhafte Varianten der Erfindung werden in den nachfolgenden Ausführungsbeispielen näher beschrieben. Sie betreffen jedoch nur wenige der vielen möglichen Ausführungsformen und schränken den Wirkungsbereich der Erfindung durchaus nicht in irgend einer Weise ein. Dies betrifft nicht nur die Zahl der Basismaterial-Schichten, die Materialien (bzw. Verbundmaterialien) selbst, oder die Materialstärken; inbegriffen sind auch weit speziellere Ausführungsformen. Selbst farbige Gläser und/oder farbige Flüssigkeiten sind inbegriffen. Alle Kombinationsgläser, welche prinzipiell oben genannte Charakteristika aufweisen, fallen unter den beantragten Schutz.

Beispiel 1

In einem Gewächshaus älterer Bauart ist eine durch Glaskorrosion innen stark vorgeschädigte Glasscheibe (Abmaße: 30 × 50 cm, Materialstärke 3 mm) fest eingebaut. Die Scheibe ist ungleichmäßig getrübt, insbesondere sind diejenigen Teilbereiche durch Glaskorrosion sichtbar geschädigt, auf denen das Kondenswasser bevorzugt streifig herabläuft. Das Kombinationsglas besteht aus diesem Grundmaterial, einer darüber angeordneten dünnen Fahrradölschicht und einer oberflächlich hydrophobierten gläsernen Deckscheibe von 2,5 mm Stärke, randständig mit Acryldichtmasse fixiert. Es ist optisch transparent, oberflächlich hydrophob und zeigt keine Korrosionserscheinungen.

Beispiel 2

Die Außenverglasung eines modernen Schwimmbades besteht aus Zweischeiben-Sicherheitsglas (Verbundsicherheitsglas: zwei Scheiben, jeweils 5 mm stark, sind durch eine zwischen ihnen angeordnete 0,1 mm starke Polyvinylbutyral-Folie miteinander verbunden). Eine Scheibe im Format 60 × 120 cm ist durch Glaskorrosion innen stark vorgeschädigt, Rauhigkeit und ungleichmäßige Trübung sind erheblich. Das multifunktionelle Kombinationsglas besteht aus diesem Verbundsicherheitsglas, einer vor Ort aufgebrachten dünnen Fahrradöl-Schicht und der rundum mittels Silikon-Dichtmasse fixierten, oberflächlich hydrophobierten 4 mm starken Deckscheibe. Das Kombinationsglas ist hydrophob, korrosionsfest und optisch einwandfrei transparent.

Beispiel 3

Eine weitere Ausführungsform entspricht in fast allen Punkten dem Beispiel 2, nur ist das sonst genau gleiche Zweischeiben-Sicherheitsglas noch nicht durch Glaskorrosion geschädigt, und statt Fahrradöl ist Paraffinöl Bestandteil dieser Ausführungsform.

Beispiel 4

Das Kombinationsglas besteht aus einer durch Glaskorrosion vorgeschädigten Glasscheibe der in Beispiel 1 angegebenen Art und Abmaße, beschichtet mit einer 60 &mgr;m starken selbstklebenden transparenten Polypropylenfolie, wie sie in der Industrie für selbstklebende Etiketten im „no label-look" verwendet wird. Das Kombinationsglas ist korrosionsfest und optisch einwandfrei transparent.


Anspruch[de]
Multifunktionelles Kombinationsglas, dadurch gekennzeichnet, dass es aus drei oder mehr miteinander verbundenen Schichten besteht, wobei die von einer gläsernen oder einer Kunststoff-Deckschicht bzw. transparenten Folie geschützte jeweils zweite Schicht eine Flüssigkeit oder eine temporär flüssigkeitsähnliche hochviskose Substanz, und die damit bedeckte jeweils zuunterst positionierte Schicht beziehungsweise der dort angeordnete Schichtenverbund nach Material, Funktion und Korrosionsverhalten bzw. Korrosionszustand konventioneller Art ist. Multifunktionelles Kombinationsglas nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass eine gläserne Deckschicht über einer Schicht aus einem raffinierten Mineralöl angeordnet ist, die sich auf einer glaskorrosionsgeschädigten Flachglasscheibe befindet. Multifunktionelles Kombinationsglas nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass eine gläserne Deckschicht über einer Schicht aus einem raffinierten Mineralöl – wie insbesondere Fahrradöl – angeordnet ist, die sich auf einer durch Glaskorrosion vorgeschädigten Verbund-Sicherheitsglasscheibe befindet. Multifunktionelles Kombinationsglas nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass eine gläserne Deckschicht über einer Schicht aus Paraffinöl angeordnet ist, die sich auf einer korrosionsgefährdeten Glas- oder Verbundglasscheibe befindet. Multifunktionelles Kombinationsglas nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass eine transparente Kunststoff-Folie über einer Schicht selbstklebenden Klebers angeordnet ist, die sich auf einer durch Korrosion vorgeschädigten Glasscheibe befindet. Multifunktionelles Kombinationsglas nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die jeweilige gläserne Deckschicht bzw. Kunststoff-Deckfolie sich im Originalzustand befindet oder hydrophobiert ist.






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