PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE102006008574A1 30.08.2007
Titel Verfahren zur Unterdrückung des Einflusses von Walzenexzentrizitäten
Anmelder Siemens AG, 80333 München, DE
Erfinder Hofbauer, Josef, 91058 Erlangen, DE;
Niemann, Martin, 91054 Erlangen, DE;
Weisshaar, Bernhard, 91074 Herzogenaurach, DE;
Wohld, Dietrich, 91462 Dachsbach, DE
DE-Anmeldedatum 22.02.2006
DE-Aktenzeichen 102006008574
Offenlegungstag 30.08.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 30.08.2007
IPC-Hauptklasse B21B 37/66(2006.01)A, F, I, 20060222, B, H, DE
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Unterdrückung des Einflusses von Walzenexzentrizitäten auf die Auslaufdicke (ha) eines Walzgutes (10), welches ein Walzgerüst (1) durchläuft, wobei Walzenexzentrizitäten unter Verwendung eines Prozessmodells (27) identifiziert werden und bei der Ermittlung eines Korrektursignals für mindestens ein Stellglied, vorzugsweise ein Stellglied für die Anstellposition, des Walzgerüstes (1) berücksichtigt werden, wobei zur Identifizierung der Walzenexzentrizitäten dem Prozessmodell (27) die gemessene Zugkraft (FZ) vor dem Walzgerüst (1) zugeführt wird. Erfindungsgemäß werden Zugkraftschwankungen zielgerichtet zur Reduktion der Auswirkungen periodischer Walzenexzentrizitäten auf das Walzgut (10) zurückgeführt, wohingegen alle anderen Schwankungsquellen ausgeschlossen werden. Ein vorzugsweise auf dem Beobachter-Prinzip basierendes Prozessmodell (27) des Walzspaltes und der Walzen erzeugt zuverlässige Daten über die Walzenexzentrizität. Derart werden vorgegebene Abmessungen des Walzguts (10) gleichmäßiger als bisher erreicht.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Unterdrückung des Einflusses von Walzenexzentrizitäten auf die Auslaufdicke eines Walzgutes, welches ein Walzgerüst durchläuft, wobei Walzenexzentrizitäten unter Verwendung eines Prozessmodells identifiziert werden und bei der Ermittlung eines Korrektursignals für mindestens eine Steuervorrichtung für ein Stellglied des Walzgerüstes berücksichtigt werden.

In Walzgerüsten finden sich häufig beispielsweise durch ungenau gearbeitete Stützwalzen oder durch nicht exakte Lagerung der Stützwalzen bedingte Exzentrizitäten der Walzen, die die Qualität des gewalzten Bandes beeinträchtigen, wobei sich je nach Steifigkeit des Walzgerüstes und des Walzgutes die Walzenexzentrizitäten mit der Drehzahl der exzentrizitätsbehafteten Walzen, in der Regel der Stützwalzen, in dem Band abbilden. Das Frequenzspektrum der Exzentrizitäten und der von ihnen hervorgerufenen Störungen im Band beinhaltet im Wesentlichen die Grundfrequenzen der oberen und unteren Stützwalzen; es sind aber auch höhere harmonische Oberschwingungen vorhanden, die allerdings häufig nur mit verminderten Amplituden in Erscheinung treten. Aufgrund geringfügig unterschiedlicher Durchmesser und Drehzahlen der oberen und unteren Stützwalze können die den Stützwalzen zugeordneten Frequenzen voneinander abweichen.

Die EP 0 170 016 B1 beschreibt ein Verfahren der eingangs genannten Art, wobei der Einfluss von Walzenexzentrizitäten bei der Position- oder Dickenregelung von Walzgerüsten kompensiert wird, wobei die Walzenexzentrizitäten auf Grundlage einer Messung der Walzkraft im Walzgerüst identifiziert werden. Zur Messung der Walzkraft werden in der Regel Öldruckgeber verwendet, deren Messwerte durch Reibungseinflüsse erheblich verfälscht werden. Dies bedingt, dass keine hinreichend zuverlässige und effektive Unterdrückung des Einflusses von Walzenexzentrizitäten mit Hilfe der Messgeräte erfolgen kann. Zuverlässigere und genauere Messmethoden für die Walzkraft sind zu teuer und zu aufwendig.

Aus der EP 0 698 427 B1 ist es bekannt, bei einem Verfahren zur Unterdrückung des Einflusses von Walzenexzentrizitäten die Auslaufdicke des Walzgutes anstelle der Walzkraft als Messwert zu verwenden. Dickenmessgeber sind jedoch sehr teuer und daher bei mehrgerüstigen Walzstrassen in der Regel nur vor und hinter dem ersten und nach dem letzten Walzgerüst vorgesehen.

Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur Unterdrückung des Einflusses von Walzenexzentrizitäten bereitzustellen, welches die aus dem Stand der Technik bekannten und insbesondere die vorangehend beschriebenen Nachteile vermeidet.

Diese Aufgabe wird gelöst, durch ein Verfahren zur Unterdrückung des Einflusses von Walzenexzentrizitäten auf die Auslaufdicke eines Walzgutes, welches ein Walzgerüst durchläuft, wobei Walzenexzentrizitäten unter Verwendung eines Prozessmodells identifiziert werden und bei der Ermittlung eines Korrektursignals für mindestens eine Steuervorrichtung für ein Stellglied des Walzgerüstes berücksichtigt werden, wobei zur Identifizierung der Walzenexzentrizitäten dem mindestens einen Prozessmodell Messwerte der Zugkraft vor den Walzgerüst zugeführt werden. Derart wird eine äußerst genaue Identifizierung von Walzenexzentrizitäten ermöglicht und somit auch ein besonders zuverlässiges und effizientes Verfahren zur Unterdrückung des Einflusses von Walzenexzentrizitäten bereitgestellt. Da zuverlässig arbeitende Messgeber für den Bandzug in Walzstrassen ohnehin vorgesehen sind, wird zudem der Aufwand für die Installation von zusätzlichen Messgebern speziell zur Identifizierung von Walzenexzentrizitäten vermieden.

Mit Vorteil kann die Zugkraft nach dem Walzgerüst gemessen werden.

Mit Vorteil beschreibt das Prozessmodell und/oder mindestens ein zusätzliches Modell das Übertragungsverhalten von der Anstellposition bis zum Bandzug.

Mit Vorteil kann ein Modell mit Beobachter-Struktur verwendet werden.

Mit Vorteil können Messwerte der Zugkraft einem Modul zugeführt werden, welches das Übertragungsverhalten von der Auslaufdicke bis zum Bandzug invers berücksichtigt.

Mit Vorteil kann die Abhängigkeit von der Bandgeschwindigkeit adaptiv berücksichtigt werden.

Mit Vorteil beschreibt das Prozessmodell zumindest den Walzspalt und die Walzen des Walzgerüstes.

Mit Vorteil wird ein Prozessmodell mit einer Beobachter-Struktur verwendet.

Mit Vorteil kann eine Einlaufdickenkompensation der zur Identifizierung der Walzenexzentrizitäten verwendeten Messwerte erfolgen.

Die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe wird auch gelöst durch ein Computerprogrammprodukt gemäß Patentanspruch 9.

Nachfolgend werden weitere Vorteile und Einzelheiten der Erfindung beispielhaft und mit Bezug auf die Zeichnungen beschrieben. Es zeigen:

1 ein Walzgerüst in Verbindung mit einer Regelvorrichtung mit einem Prozessmodell,

2 eine schematische Darstellung des zum Identifizieren der Walzenexzentrizitäten verwendeten Beobachter-Prinzips,

3 die Ankopplung der Zugmessung an das Prozessmodell,

4 eine Einlaufdickenkompensation für die verwendeten Messwerte.

1 zeigt schematisch und beispielhaft ein Walzgerüst 1 einer Walzstrasse zum Walzen eines Walzgutes 10. Eine Walzstrasse zum Walzen eines Walzgutes 10 weist ein oder mehrere derartige Walzgerüste 1 auf. Vor oder nach einem Walzgerüst 1 kann ein weiteres Walzgerüst 1, eine Haspelvorrichtung, eine Kühlvorrichtung und/oder eine andere Vorrichtung, z.B. zur thermischen und/oder mechanischen Walzgutbeeinflussung und/oder eine Einrichtung zum Transport des Walzgutes 10 vorgesehen sein. Das Walzgut 10 ist vorzugsweise ein Band, ein Profil, ein Draht oder eine Bramme. Z.B. kann das Walzgut 10 ein Metallband, beispielsweise ein Stahlband, ein Buntmetallband oder ein Aluminiumband sein.

Ein Walzgerüst 1 weist mindestens eine obere Stützwalze 4 mit einem Radius RO und mindestens eine untere Stützwalze 5 mit einem Radius RU auf. Das gezeigte Walzgerüst 1 weist mindestens eine obere Arbeitswalze 2 und mindestens eine untere Arbeitswalze 3 auf, wobei der Durchmesser einer Arbeitswalze 2 bzw. 3 in der Regel kleiner ist als der Durchmesser einer Stützwalze 4 bzw. 5. Im gezeigten Beispiel ist zur Regelung der Anstellposition des Walzgerüsts 1 eine über ein Steuerventil 6 betätigbare hydraulische Anstellvorrichtung 7 vorgesehen. Alternativ oder zusätzlich kann auch ein elektromechanisches Anstellsystem vorgesehen sein. Die Anstellvorrichtung 7 bzw. das nicht näher dargestellte Anstellsystem dienen zur Einstellung der Walzenanstellung s. Die hydraulische Anstellung stützt sich auf den Gerüstrahmen ab. Der elastische Gerüstrahmen ist symbolisch durch eine Feder mit der Federkonstanten CG dargestellt.

Das Walzgerüst 1 wird von einen Walzgut 10 durchlaufen, wobei die Dicke des Walzgutes 10 beim Durchlaufen des Walzspalts unter Zuhilfenahme der Arbeitswalzen 2, 3 von der Einlaufdicke he auf die Auslaufdicke ha verringert wird. Das Walzgut 10, den im Walzspalt eine äquivalent Materialfehler mit der Federkonstanten CM zugeordnet wird, läuft mit der Einlaufgeschwindigkeit vSE in den Walzspalt ein und verlässt den Walzspalt mit der Auslaufgeschwindigkeit vSL.

Die Walzenexzentrizitäten der oberen Stützwalze 4 bzw. der unteren Stützwalze 5 können ihre Ursache in ungleichmäßiger Walzenabnutzung, Verformungen durch Wärmespannungen und/oder den Abweichungen der geometrischen Zylinderachse der Walzen von den betrieblich sich einstellenden Rotationsachsen haben. Die Walzenexzentrizitäten sind mit &Dgr;Ro bzw. &Dgr;Ru, d.h. als Abweichungen von den idealen Stützwalzenradien Ro bzw. Ru bezeichnet.

Die Messung der Walzendrehzahl no bzw. nu der oberen bzw. der unteren Stützwalze 4 bzw. 5 dient zur Ermittlung der Grundschwingung der Walzenexzentrizitäten. Unter den vereinfachenden Voraussetzungen, dass sich die Ober- und Unterwalzen des Walzgerüsts 1 gleich schnell drehen, genügt es, die Drehzahl lediglich einer angetriebenen Walze, z.B. der unteren Arbeitswalze 3 mittels eines Drehzahlmessers 11 zu erfassen.

Sind, wie in den meisten Fällen, die Stützwalzen 4 und 5 die exzentrizitätsbehafteten Walzen, so wird in mindestens einer Umrechnungseinheit 14 bzw. 12 die gemessene Drehzahl der Arbeitswalze 2 bzw. 3 über das Verhältnis des Durchmessers der Arbeitswalze 2 bzw. 3 zum Durchmesser der Stützwalze 4 bzw. 5 in die Drehzahl no bzw. nu der Stützwalze 4 bzw. 5 umgerechnet. Da in der Regel die Drehzahlen der oberen Walzen 4, 2 und der unteren Walzen 5, 3 aufgrund geringfügig verschiedener Durchmesser unterschiedlich sind, ist bei dem gezeigten Ausführungsbeispiel sowohl ein Drehzahlmesser 13 oberhalb des Walzgutes 10 als auch ein Drehzahlmesser 11 unterhalb des Walzgutes 10 mit jeweils nachgeordneter Umrechnungseinheit 14 bzw. 12 zur Erfassung der Drehzahl no bzw. nu vorgesehen.

Die Walzenanstellung s wird mit einem Positionsaufnehmer 9 an der Anstellvorrichtung 7 bzw. am Anstellsystem gemessen. Die Walzenanstellung s wird einer Regelvorrichtung 18 zugeführt. Zur Walzenexzentrizitätsidentifizierung und Unterdrückung wird der Regelvorrichtung 18 mindestens eine Walzendrehzahl no oder nu zugeführt. Des Weiteren ist eine Zugmessvorrichtung 8 zur Messung der Zugkraft FZ vor dem Walzgerüst 1 vorgesehen. Die Zugmessvorrichtung 8 kann wie in 1 angedeutet, eine Messrolle zur Zugmessung aufweisen. Diese Messrolle kann vorzugsweise segmentiert ausgebildet sein. Die Zugmessvorrichtung 8 kann auch als berührungslos arbeitende Zugmessvorrichtung ausgebildet sein. Eine entsprechende Einrichtung zur berührungslosen Messung der Zugkraft FZ in einem als Metallband ausgebildeten Walzgut ist beispielsweise in der DE 198 39 286 B4 beschrieben.

Zur Identifizierung und/oder Unterdrückung von Walzenexzentrizitäten weist die Regelvorrichtung 18 ein Prozessmodell 27 auf. Das Prozessmodell 27 basiert auf einem Beobachter und modelliert das Verhalten des Walzspaltes und der Walzen. Das Prozessmodell 27 wird dabei frequenzmäßig mit Hilfe der Walzgeschwindigkeit, d.h. z.B. mit Hilfe der ermittelten Walzendrehzahlen no bzw. nu geführt. Der Zeitverlauf der zu modellierenden Störungen ist zwar periodisch, aber nicht rein sinusförmig. D.h. die zu modellierende Schwingung setzt sich aus einer Grundschwingung und mehreren Oberschwingungen zusammen.

Im Prozessmodell 27 werden den Exzentrizitätsfrequenzen zugeordnete sinusförmige Korrektursollwerte für ein Stellglied des Walzgerüstes 1 mit der passenden Phasenlage und Amplitude für die Position der Walzspaltregelung berechnet. Wie in 1 gezeigt können die Korrektursollwerte über eine Steuervorrichtung 19 und gegebenenfalls über ein Steuerventil 6 an die Anstellvorrichtung 7 bzw. an ein Anstellsystem gegeben werden. Durch die Verwendung der gemessenen Zugkraft FZ kann die geforderte Banddicke, d.h. die Auslaufdicke ha des Walzgutes 10 mit Hilfe der Regelvorrichtung 18 äußerst gleichmäßig eingestellt werden. Durch die Walzenexzentrizität &Dgr;Ro bzw. &Dgr;Ru bedingte Dickenabweichungen können derart vermieden werden.

Alternativ oder zusätzlich ist es möglich, beispielsweise mittels eines Druckfühlers 15 die Walzkraft FW zu messen und bei der Identifizierung und Unterdrückung von Walzenexzentrizitäten zu berücksichtigen.

Mittels eines Dickenmessgerätes 16 kann alternativ oder zusätzlich die Dicke des Walzgutes 10, beispielsweise die Auslaufdicke ha, gemessen werden.

2 zeigt schematisch und beispielhaft die zur Identifizierung von Walzenexzentrizitäten verwendete Struktur gemäß dem Beobachter-Prinzip. Dabei wird ein Sollwert s* der Anstellposition sowohl einem realen Prozess 29, wie er z.B. in einem von einem Walzgut 10 durchlaufenen Walzgerüst 1 abläuft (siehe 1), als auch einem Beobachtermodul 30 zugeführt. Das Beobachtermodul 30 weist ein Prozessmodell 27 auf, mit Hilfe dessen Walzenexzentrizitäten identifiziert werden können und mit Hilfe dessen die identifizierten Walzenexzentrizitäten &Dgr;Ri für Kompensationszwecke bereitgestellt werden können. Unter zur Hilfenahme des Prozessmodells 27 kann vorzugsweise eine identifizierte Auslaufdicke hai ermittelt werden, welche zur Ermittlung eines Beobachterfehlers e mit der gemessenen Zugkraft FZ verknüpft werden kann. Die gemessene Zugkraft FZ wird dabei zunächst einem Modul 21 im Messkanal zugeführt, welches das Übertragungsverhalten von der Auslaufdicke bis zum Bandzug invers berücksichtigt. Mit Hilfe des Moduls 21 wird derart der Messwert der Zugkraft FZ auf die Auslaufdicke umgerechnet und mit der, mit Hilfe des Prozessmodells 27 ermittelten, identifizierte Auslaufdicke hai verglichen. Die aus diesem Vergleich resultierende Differenz bildet den Beobachterfehler e. Die Zustände des Prozessmodells 27 werden unter Berücksichtigung des Beobachterfehlers e solange korrigiert, bis Messung und Modell zumindest weitestgehend übereinstimmen und der Beobachterfehler e hinreichend gering bzw. null ist. Dann stimmen auch die im Prozessmodell 27 identifizierten Walzenexzentrizitäten &Dgr;Ri mit den tatsächlich im Walzgerüst 1 (siehe 1) vorhandenen Walzenexzentrizitäten überein. Die vom Beobachtungsmodul 30 derart ermittelten identifizierten Walzenexzentrizitäten &Dgr;Ri ermöglichen eine äußerst zuverlässige und genaue Exzentrizitätskompensation.

Wie im in 3 gezeigten Beispiel dargestellt, kann mittels eines Umschalters 20 eine Auswahl dahingehend erfolgen, ob das Prozessmodell 27 die Auslaufdicke ha, die Walzkraft FW oder die Zugkraft FZ bei der Identifizierung von Walzenexzentrizitäten berücksichtigen soll.

3 zeigt beispielhaft wie das Übertragungsverhalten von der Anstellposition bis zum Bandzug bei der Verwendung der Zugkraft FZ zur Identifizierung und Unterdrückung von Walzenexzentrizitäten berücksichtigt werden kann. So ist im gezeigten Beispiel vorzugsweise im Messkanal ein Modul 21 vorgesehen, welches das Übertragungsverhalten von der Auslaufdicke bis zum Bandzug invers berücksichtigt. Vorzugsweise werden dabei die Messwerte der Zugkraft FZ mit der entsprechenden Übertragungsfunktion HZug verknüpft. Dies kann beispielsweise durch Multiplikation mit einem Faktor erfolgen, welcher der inversen Übertragungsfunktion HZug entspricht. Zusätzlich kann eine Adaptionsschaltung vorgesehen sein, die die Abhängigkeit von der Bandgeschwindigkeit vB berücksichtigt. Vorzugsweise wird der am Ausgang des Moduls 21 vorliegende Wert, der unter Zuhilfenahme der Zugkraft FZ ermittelt wurde, dem Prozessmodell 27 zugeführt.

Wie auch dem in 2 dargestellten Beispiel entnehmbar ist, bildet das Prozessmodell 27 vorzugsweise das Verhalten des Prozesses 29 von der Anstellposition s bzw. von dem Sollwert s* der Anstellposition bis zur Auslaufdicke ha nach. Soll alternativ oder zusätzlich zur Zugkraft FZ die Walzkraft FW im Prozessmodell 27 berücksichtigt werden, so ist es zweckmäßig ein Modul 28 im Messkanal der Walzkraft FW vorzusehen, welches eine geeignete Übertragungscharakteristik aufweist.

4 zeigt ein Beispiel für die Verwendung einer Einlaufdickenkompensation in Verbindung mit dem erfindungsgemäßen Verfahren. Dabei ist ein Dickenmessgeber 17 vor dem Walzgerüst vorgesehen, mit Hilfe dessen eine gemessene Einlauf dicke hem erfasst wird. Das gezeigte Einlaufdickenkompensationsmodul 22 weist ein Bandverfolgungsmodul 23 auf. Mit Hilfe des Bandverfolgungsmoduls 23 wird die gemessene Einlauf dicke hem bis in das Walzgerüst 1 wegverfolgt. Unter Zuhilfenahme der Einlaufgeschwindigkeit vSE wird eine wegverfolgte Einlauf dicke hev ermittelt. Das Bandverfolgungsmodul 23 arbeitet vorzugsweise modellbasiert.

Im gezeigten Beispiel weist das Einlaufdickenkompensationsmodul 22 mindestens ein Kompensationsmodell 24, 25, 26 auf, mit Hilfe dessen in Abhängigkeit von der verwendeten Messgröße mE bzw. des entsprechenden Messwerts der Einfluss der Einlaufdicke he auf die Auslaufdicke ha ermittelt wird. Da die Güte der Einlaufdickenkompensation wesentlich von dem oder den verwendeten Kompensationsmodellen 24, 25, 26 abhängt, sind im gezeigten Beispiel ein Kompensationsmodell 24 für die Verwendung der Auslaufdicke ha als Messgröße mE, ein Kompensationsmodell 25 für die Verwendung der Walzkraft FW als Messgröße mE und ein Kompensationsmodell 24 für die Verwendung der Zugkraft FZ als Messgröße mE vorgesehen. Das vom Einlaufdickenkompensationsmodul 22 gegebene Kompensationssignal wird mit dem entsprechenden Messwert der Messgröße mE zur Bildung einer kompensierten Messgröße mK verknüpft.

Ein wesentlicher der Erfindung zugrunde liegender Gedanke lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Unterdrückung des Einflusses von Walzenexzentrizitäten auf die Auslaufdicke ha eines Walzgutes 10, welches ein Walzgerüst 1 durchläuft, wobei Walzenexzentrizitäten unter Verwendung eines Prozessmodells 27 identifiziert werden und bei der Ermittlung eines Korrektursignals für mindestens ein Stellglied, vorzugsweise ein Stellglied für die Anstellposition, des Walzgerüstes 1 berücksichtigt werden, wobei zur Identifizierung der Walzenexzentrizitäten dem Prozessmodell 27 die gemessene Zugkraft FZ vor dem Walzgerüst 1 zugeführt wird. Erfindungsgemäß werden Zugkraftschwankungen zielgerichtet zur Reduktion der Auswirkungen periodischer Walzenexzentrizitäten auf das Walzgut 10 zurückgeführt, wohingegen alle anderen Schwankungsquellen ausgeschlossen werden. Das auf dem Beobachter-Prinzip basierende Prozessmodell 27 des Walzspaltes und der Walzen erzeugt, z.B. unter Zuhilfenahme der gemessenen Zugkraft FZ, der Walzenanstellung s und der Walzengeschwindigkeit bzw. der Walzendrehzahl, zuverlässige Daten über die Walzenexzentrizitäten. Erfindungsgemäß werden vorgegebene Abmessungen des Walzguts 10 gleichmäßiger als bisher erreicht. Zugmessvorrichtungen 8 arbeiten im Vergleich zu Messvorrichtungen für die Dicke he bzw. ha des Walzgutes 10 und im Vergleich zu Messvorrichtungen für die Walzkraft FW sehr genau und dynamisch. Vorzugsweise werden die in der Zugkraftschwankung enthaltenen und von der Walzenexzentrizität verursachten periodischen Schwingungsanteile gezielt zur Reduktion der exzentrizitätsbedingten, ungewünschten Dickenveränderung im Walzgut 10 verwendet. Auf Schwankungsanteile mit anderen Frequenzen ungleich der Exzentrizitätsfrequenzen wird nicht reagiert.

Von der Einlauf dicke herrührende periodische Dickenschwankungen mit Frequenzen, die nahezu gleich den Exzentrizitätsfrequenzen sind, können die Identifikation der Walzenexzentrizitäten stören. Deshalb kann eine Einlaufdickenkompensation vorgesehen werden, welche den Einfluss der Einlaufdickenschwankungen auf die verwendete Messgröße mE ermittelt und kompensiert und derart diese Art von Störung beseitigt.

Die in bekannten Regelkonzepten einer beispielsweise als Tandemstraße ausgebildeten Walzstrasse vorhandenen Zugregler können auf Grund ihrer eingeschränkten Dynamik nur bei geringer Walzgeschwindigkeit und nur an den vorderen Gerüsten der Tandemstrasse einen Teil der von den Exzentrizitäten verursachten Auswirkungen auf die Dicke vermeiden. Eine erfindungsgemäß ausgebildete Regelvorrichtung 18 zur Unterdrückung des Einflusses von Walzenexzentrizitäten, der die am Walzgut 10 gemessene Zugkraft FZ zugeführt wird, kann an einem Walzgerüst 1 die Kompensation der Exzentrizitätsfrequenzen übernehmen und somit konventionelle Zugregler komplett entlasten.


Anspruch[de]
Verfahren zur Unterdrückung des Einflusses von Walzenexzentrizitäten auf die Auslaufdicke (ha) eines Walzgutes (10), welches ein Walzgerüst (1) durchläuft, wobei Walzenexzentrizitäten unter Verwendung eines Prozessmodells (27) identifiziert werden und bei der Ermittlung eines Korrektursignals für mindestens eine Steuervorrichtung (19) für ein Stellglied des Walzgerüstes (1) berücksichtigt werden, dadurch gekennzeichnet, dass zur Identifizierung der Walzenexzentrizitäten dem mindestens einen Prozessmodell (27) Messwerte der Zugkraft (FZ) zugeführt werden. Verfahren nach Patentanspruch 1, wobei die Zugkraft (FZ) vor dem Walzgerüst (1) gemessen wird. Verfahren nach Patentanspruch 1 oder 2, wobei ein Modell verwendet wird, welches das Übertragungsverhalten von der Anstellposition bis zum Bandzug beschreibt. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 3, wobei ein Modell mit Beobachter-Struktur verwendet wird. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 4, wobei Messwerte der Zugkraft (FZ) einem Modul (21) zugeführt werden, welches das Übertragungsverhalten von der Auslaufdicke bis zum Bandzug invers berücksichtigt. Verfahren nach Patentanspruch 4 oder 5, wobei die Abhängigkeit von der Bandgeschwindigkeit (vB) adaptiv berücksichtigt wird. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 6, wobei das Prozessmodell (27) zumindest den Walzspalt und die Walzen des Walzgerüstes (1) beschreibt. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 7, wobei eine Einlaufdickenkompensation der zur Identifizierung der Walzenexzentrizitäten verwendeten Messwerte mE erfolgt. Computerprogrammprodukt umfassend Programmcode-Mittel geeignet zur Durchführung aller Schritte eines Verfahrens nach einem der vorangehenden Patentansprüche, wenn das Computerprogrammprodukt auf einem Datenverarbeitungssystem ausgeführt wird.






IPC
A Täglicher Lebensbedarf
B Arbeitsverfahren; Transportieren
C Chemie; Hüttenwesen
D Textilien; Papier
E Bauwesen; Erdbohren; Bergbau
F Maschinenbau; Beleuchtung; Heizung; Waffen; Sprengen
G Physik
H Elektrotechnik

Anmelder
Datum

Patentrecherche

Patent Zeichnungen (PDF)

Copyright © 2008 Patent-De Alle Rechte vorbehalten. eMail: info@patent-de.com