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Dokumentenidentifikation DE29924983U1 25.10.2007
Titel Polstoff, sowie Filterbelag und Farbroller aus diesem Polstoff
Anmelder Kohlruss, Gregor, 46414 Rhede, DE;
Wiesner, Hubert, 46354 Südlohn, DE;
Griebe, Oliver, 46414 Rhede, DE;
Steinlein, Roland, 95512 Neudrossenfeld, DE
Vertreter Schneiders & Behrendt Rechts- und Patentanwälte, 44787 Bochum
DE-Aktenzeichen 29924983
Date of advertisement in the Patentblatt (Patent Gazette) 25.10.2007
Registration date 20.09.2007
Application date from patent application 19.03.1999
File number of patent application claimed 199 12 546.5
IPC-Hauptklasse D03D 27/00(2006.01)A, F, I, 20070626, B, H, DE
IPC-Nebenklasse D01F 6/14(2006.01)A, L, I, 20070626, B, H, DE   

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft einen Polstoff, der eine flächige textile Trägerstruktur und einen Besatz aus senkrecht dazu verlaufenden Polfäden aufweist, die in der Trägerstruktur verankert sind, wobei ausgewählte Bereiche der Trägerstruktur und/oder des Besatzes aus einem in einem Lösungsmittel auflösbaren Material herstellt und anschließend mit Hilfe des Lösungsmittels ganz oder teilweise aus dem Polstoff herausgelöst sind.

Ferner betrifft die Erfindung einen textilen Filterbelag und einen Farbroller mit einem Bezugsstoff aus diesem Polstoff.

Bei der Herstellung von Polstoffen, beispielsweise Plüsch, Teppichböden etc. ist man betrebt, die textile Trägerstruktur möglichst dicht herzustellen, um den darin verankerten Polfäden einen möglichst guten Halt zu geben und gegen Herausfallen oder Herausziehen zu sichern. Um diesen Halt zu verbessern, ist es auch bekannt, die Trägerstruktur und/oder die Polfäden aus einem schmelzbaren Textilmaterial herzustellen und die Fäden durch Erwärmung bis auf die Schmelztemperatur miteinander zu verschweißen. Zum gleichen Zweck ist es auch bekannt, die Verankerung der Polfäden durch einen geeigneten Kleber zu verbessern.

Alle diese Maßnahmen zu Verbesserung der Verankerung führen dazu, dass die textile Trägerstruktur mehr oder weniger undurchlässig für durchströmende Medien wird. Es gibt allerdings eine Reihe von Anwendungsfällen, bei denen solche durchströmungsdichten Trägerstrukturen ungünstig sind, so z. B. bei Filtertüchern aus Polstoff oder bei Bezügen für Farbroller, die von innen mit Farbe beaufschlagt werden. Für derartige Anwendungen muss die textile Trägerstruktur für durchströmende Medien offen sein, d. h. einen lockeren Verbund haben, was für die Verankerung der Polfäden wiederum abträglich ist. Zur Herstellung einer durchlässigen textilen Trägerstruktur ist es auch bekannt, nachträglich Löcher einzustanzen, was allerdings zu Beschädigungen der textilen Trägerstruktur führen kann.

Es ist Aufgabe, ein Verfahren zur Herstellung von Polstoffen zu schaffen, bei denen gezielt ausgewählte Bereiche offenbleiben, ohne dass die Verankerung der Polfäden leidet.

Zur Lösung dieser Aufgabe wird vorgeschlagen, ausgewählte Bereiche der Trägerstruktur und/oder des Besatzes aus einem in einem Lösungsmittel auflösbaren Material herzustellen und diese ausgewählten Bereiche anschließend mit Hilfe des Lösungsmittels ganz oder teilweise aus dem Polstoff herauszulösen.

Mit diesem Herstellverfahren ist es erstmals möglich, in ausgewählten Bereichen eines im übrigen dicht und fest strukturierten Polstoffes Durchgangsöffnungen herzustellen, ohne dass hierdurch die Verankerung der Polfäden in der textilen Trägerstruktur leidet. Die Durchtrittsöffnungen können beispielsweise in einem regelmäßigen Raster mit regelmäßigem Abstand zueinander angeordnet werden, je nachdem wie die Durchströmungsverhältnisse es erfordern.

Bei einer ersten Ausführungsform des Verfahrens wird als Lösungsmittel Ätznatron und als auflösbares Material Baumwolle oder Viskose verwendet. In diesem Fall müssen natürlich alle anderen Bereiche des Polstoffes aus einem Material bestehen, welches von Ätznatron nicht angegriffen wird, was beispielsweise für die meisten Chemie-Fasern wie Polyester (PES), Polyamid (PA), Polypropylen (PP) oder Polyacrylnitril (PAN) zutrifft.

Eine alternative Ausführungsform sieht vor, dass als Lösungsmittel Wasser und als auflösbares Material Polyvinylalkohol (PVA) verwendet wird. Bei dieser Ausführungsform der Erfindung können die verbleibenden Bereich des Polstoffes auch aus empfindlicheren Materialien, beispielsweise aus Baumwolle oder Viskose hergestellt werden.

Falls als auflösbares Material Polyvinylalkohol (PVA) verwendet wird, wird zweckmäßig dieser Polyvinylalkohol so eingestellt ausgerüstet, dass er erst bei einer Wassertemperatur von mehr als 60°C aufgelöst wird. Hierdurch wird erreicht, dass die Fäden aus Polyvinylalkohol nicht schon während des Webvorganges von der Luftfeuchtigkeit angegriffen werden und beginnen sich aufzulösen, bevor die Herstellung des Zwischenproduktes abgeschlossen ist.

Das Verfahren eignet sich im übrigen auch für die Herstellung eines Polstoffes, bei welchem die Polfäden als geschlossene Schlingen ausgebildet sind. Hierzu wird der Polstoff zunächst als Doppelwandgewebe hergestellt, welches zwei mit Abstand zueinander angeordnete textile Trägerstrukturen aufweist, die durch die senkrecht verlaufenden Polfäden miteinander verbunden sind, wobei eine dieser textilen Trägerstrukturen vollständig aus auflösbarem Material besteht und vollständig aufgelöst wird. Der so hergestellte Polstoff hat im Bereich der aufgelösten textilen Trägerstruktur ausschließlich geschlossene Schlingen, die sehr dicht angeordnet sind und beliebig lang sein können. Es ergeben sich also völlig neue Eigenschaften gegenüber den üblichen Polstoffen, bei denen das Doppelwandgewebe in der Mitte aufgeschnitten wird.

Gegenstand der Erfindung ist ein Polstoff der eingangs genannten Art, der nach dem oben erläuterten Verfahren hergestellt und dadurch gekennzeichnet ist, dass die flächige Trägerstruktur und/oder Besatz in regelmäßigen Abständen mit durch Herauslösen von auflösbarem Material gebildeten Durchlassöffnungen für durchströmende Medien versehen ist.

Ein solcher Polstoff ist besonders vorteilhaft als textiler Filterbelag verwendbar, wobei dieses Filter von der Seite der Polfäden her angeströmt wird. Die sich quer legenden Polfäden bilden eine zusammenhängende Filterfläche, die durch Aufrichten der Polfäden bei Umkehrung der Durchströmungsrichtung besonders gut abgereinigt werden kann.

Mit besonderen Vorteilen lässt sich der neue Polstoff auch als Bezugsstoff für von innen mit Farbe beaufschlagte Farbrollern verwenden. Hier sorgen die gleichmäßig verteilten Durchtrittsöffnungen für einen gleichmäßigen und unbehinderten Durchtritt der Farbe von innen.

Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird im folgenden anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:

1: schematisch perspektivisch eine Draufsicht auf einen als Zwischenprodukt dienenden Polstoff vor der Behandlung mit Lösungsmittel;

2: den Polstoff gemäß 1 nach der Behandlung mit Lösungsmittel;

3: schematisch einen Querschnitt durch einen als Zwischenprodukt dienenden Polstoff vor der Behandlung mit Lösungsmittel;

4: den Polstoff gemäß 3 nach der Behandlung mit Lösungsmittel.

Der in 1 dargestellte Polstoff weist eine flächige textile Trägerstruktur in Form eines Rückengewebes bestehend aus Kettfäden 1 und Schussfäden 2 auf. In dieser Trägerstruktur 1, 2 sind Polfäden 3 und 4 verankert. Die Trägerstruktur 1, 2 und die Polfäden 3 bestehen aus Chemiefasern, zum Beispiel aus Polyester (PES), Polyamid (PA), Polypropylen (PP) oder Polyacrylnitril (PAN). Die in regelmäßigen Abständen über die Fläche des Polstoffes verteilten Polfäden 4 bestehen demgegenüber aus einem in einem Lösungsmittel auflösbaren Material, zum Beispiel aus Baumwolle oder Viskose, die mit Ätznatron auflösbar sind. Ätznatron greift demgegenüber die für die Trägerstruktur 1, 2 und die Polfäden 3, verwendeten Chemiefasern nicht an.

Der in 1 dargestellte, ein Zwischenprodukt darstellende Polstoff wird anschließend mit Ätznatron behandelt, wodurch die Polfäden 4 herausgelöst werden. An den Stellen, an denen sich die Polfäden 4 befunden haben, verbleiben in der Trägerstruktur 1, 2 Öffnungen 5, die in 2 durch Kreise angedeutet sind. Die aus auflösbarem Material bestehenden Polfäden 4 dienen also gewissermaßen während des Herstellungsvorganges des Polstoffes als Platzhalter für die an ihrer Stelle später entstehenden Öffnungen 5 im Polstoff.

Anstelle von mit Ätznatron auflösbarer Baumwolle oder Viskose können die als Platzhalter dienenden Polfäden 4 auch aus wasserlöslichem Polyvinylalkohol (PVA) bestehen, welcher zum Beispiel so eingestellt oder ausgerüstet ist, dass er mit mehr als 60°C heißem Wasser aufgelöst werden kann. In diesem Fall reicht es aus, wenn die Trägerstruktur 1, 2 und die Polfäden 3 aus wasserunlöslichen Fasern hergestellt sind. Durch Auswaschen mit über 60°C heißem Wasser entsteht aus dem Zwischenprodukt gemäß 1 der Polstoff gemäß 2.

Abweichend von dem in den 1 und 2 dargestellten Ausführungsbeispiel können anstelle der Polfäden 4 gegebenenfalls auch einzelne Kettfäden 1 oder Schussfäden 2 der Trägerstruktur 1, 2 aus als Platzhalter dienendem, auflösbarem Material hergestellt sein.

Die 3 und 4 dienen zur Erläuterung des Verfahrens gemäß Patentanspruch 5. Hier wird zunächst das in 3 dargestellte Doppelwandgewebe hergestellt, welches zwei mit Abstand zueinander angeordnete textile Trägerstrukturen 6 und 7 aufweist, die durch senkrecht verlaufende Polfäden 8 miteinander verbunden sind. Hier besteht die gesamte Trägerstruktur 6 aus auflösbarem Material, zum Beispiel aus Viskose oder Baumwolle bzw. aus Polyvinylalkohol (PVA). Die Trägerstruktur 7 und die Polfäden 8 bestehen demgegenüber aus nichtauflösbarem Material.

Behandelt man das aus 3 hervorgehende Zwischenprodukt mit Ätznatron bzw. heißem Wasser, so wird die Trägerstruktur 6 komplett aufgelöst. Es entsteht also der in 4 dargestellte Polstoff, dessen Polfäden 8 geschlossene Schlingen bilden, die sehr dicht angeordnet und beliebig lang sein können.


Anspruch[de]
Polstoff, der eine flächige textile Trägerstruktur (1, 2) und einen Besatz (3, 4) aus senkrecht dazu verlaufenden Polfäden (8) aufweist, die in der Trägerstruktur verankert sind, wobei ausgewählte Bereiche der Trägerstruktur (1, 2) und/oder des Besatzes (3, 4) aus einem in einem Lösungsmittel auflösbaren Material herstellt und anschließend mit Hilfe des Lösungsmittels ganz oder teilweise aus dem Polstoff herausgelöst sind, dadurch gekennzeichnet, dass die flächige Trägerstruktur (1, 2) und/oder der Besatz (3, 4) in regelmäßigen Abständen mit durch Herauslösen von auflösbarem Material gebildeten Durchlassöffnungen (5) für durchströmende Medien versehen ist. Polstoff nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Lösungsmittel um Ätznatron handelt, und dass es sich bei dem auflösbaren Material um Baumwolle oder Viskose handelt. Polstoff nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Lösungsmittel um Wasser handelt, und dass es sich bei dem auflösbaren Material um Polyvinylalkohol (PVA) handelt. Polstoff nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Polyvinylalkohol (PVA) so eingestellt oder ausgerüstet ist, dass er sich erst bei einer Wassertemperatur von mehr als 60°C auflöst. Polstoff nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Polstoff zunächst als Doppelwandgewebe hergestellt wurde, welches zwei mit Abstand zueinander angeordnete textile Trägerstrukturen (6, 7) aufweist, die durch die senkrecht verlaufenden Polfäden (8) miteinander verbunden sind, wobei eine (6) dieser textilen Trägerstrukturen (6, 7) vollständig aus auflösbarem Material besteht und vollständig aufgelöst ist. Textiler Filterbelag, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Filterbelag um einen Postoff nach einem der Ansprüche 1 bis 5 handelt. Farbroller mit einem Bezugsstoff, welcher von innen mit Farbe beaufschlagbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Bezugsstoff um einen Postoff nach einem der Ansprüche 1 bis 5 handelt.






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