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Dokumentenidentifikation DE102006018974A1 31.10.2007
Titel Verfahren zur Kalibrierung einer Gierratenmessung
Anmelder ADC Automotive Distance Control Systems GmbH, 88131 Lindau, DE
Erfinder Walter, Michael, 88239 Wangen, DE;
Zobel, Matthias, 88045 Friedrichshafen, DE;
Hör, Johannes, 90547 Stein, DE
DE-Anmeldedatum 25.04.2006
DE-Aktenzeichen 102006018974
Offenlegungstag 31.10.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 31.10.2007
IPC-Hauptklasse G01P 21/00(2006.01)A, F, I, 20060425, B, H, DE
IPC-Nebenklasse B60T 8/1755(2006.01)A, L, I, 20060425, B, H, DE   
Zusammenfassung Es wird ein Verfahren zur Kalibrierung einer Gierratenmessung in einem Kraftfahrzeug vorgestellt, wobei das Kraftfahrzeug zumindest eine Vorrichtung zur Bestimmung der Gierrate, ein vorwärts gerichtetes Kamerasystem und ggf. einen Lenkwinkelsensor aufweist. Es wird zumindest eine erste Kalibrierung im Stillstand und zumindest eine zweite Kalibrierung während der Fahrt durchgeführt.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Kalibrierung einer Gierratenmessung in einem Kraftfahrzeug.

Eine genaue Bestimmung der Gierrate in einem Kraftfahrzeug ist z. B. für Fahrerassistenzsysteme wie ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm), ABS (Antiblockiersystem) von Interesse. Zudem ist die Kenntnis der Gierrate und einem daraus ableitbaren Wankwinkel für Sensorsysteme zur Umgebungserfassung von Bedeutung. Kurzfristige Änderungen des Wankwinkels eines Fahrzeugs, wie sie z.B. bei einer Kurvenfahrt auftreten, erschweren z. B. eine genaue Fahrspurprädiktion. Eine genaue Kenntnis der Gierrate bzw. des Wankwinkels kann zur Korrektur der Sensordaten genutzt werden

Das Ausgangssignal eines Gierratensensors unterliegt gewissen Fehlereinflüssen, so kann das Ausgangssignal z.B. aufgrund der Temperaturabhängigkeit des Sensors langsam driften. Zur genauen Bestimmung der Gierrate ist also die Kalibrierung der Messwerte auch während des Fahrzeugbetriebs erforderlich.

Es ist daher Aufgabe der hier vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zur Kalibrierung einer Gierratenmessung anzugeben, die während des Fahrzeugbetriebs durchgeführt wird.

Diese Aufgabe ist erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren mit den in Anspruch 1 beschriebenen Merkmalen. Vorteilhafte Weiterbildungen sind den Unteransprüchen zu entnehmen.

Es wird ein Verfahren zur Kalibrierung einer Gierratenmessung in einem Kraftfahrzeug vorgestellt, das während des Fahrzeugbetriebs ausgeführt wird. Das Kraftfahrzeug weist zumindest eine Vorrichtung zur Bestimmung der Gierrate, einen Lenkwinkelsensor und ein vorwärts gerichtetes Kamerasystem auf, das die Fahrzeugumgebung in Fahrtrichtung erfasst. Zur Erfassung des Gierwinkels mit einer hohen Genauigkeit, wird zumindest eine erste Kalibrierung der gemessenen Gierrate im Stillstand und zumindest eine zweite Kalibrierung während der Fahrt durchgeführt.

Die Stillstandserkennung des Fahrzeugs kann z.B. anhand einer Geschwindigkeitsmessung erfolgen. Alternativ können auch die Stellung der Handbremse (aktiviert oder nicht), die Stellung des Schalthebels (Gang eingelegt oder nicht), die Gierrate, die Raddrehzahl u.s.w. als Indikator dienen. Die Indikatoren können auch beliebig miteinander verknüpft werden. Z.B. wird ein Stillstand des Fahrzeugs angenommen, wenn kein Gang eingelegt und die Handbremse aktiviert ist. Verändert sich die Gierrate stark innerhalb eines vorgegebenen Zeitintervalls, so wird angenommen, dass sich das Fahrzeug bewegt. In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung werden bei einer Kalibrierung während der Fahrt die Bilddaten zumindest eines Bildaufnehmers verwendet, wobei der Bildaufnehmer die Umgebung vor dem Kraftfahrzeug erfasst. Aus den Bilddaten wird eine Fahrspur prädiziert. Aus dem Verlauf der Fahrspur wird eine Geradeausfahrt oder Kurvenfahrt des Fahrzeugs und damit die Gierrate abgeschätzt. Aus der Gierrate &ohgr;z und der Fahrzeuggeschwindigkeit v kann auch die Querbeschleunigung ay des Fahrzeugs mit der Relation ay = v&ohgr;z bestimmt werden.

In einer besonderen Ausgestaltung der Erfindung wird für eine Kalibrierung während der Fahrt der Lenkwinkel herangezogen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn eine Abschätzung der Gierrate aus einem Kamerabild nicht erfolgreich ist.

In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird bei Stillstand des Fahrzeugs eine Mittelung der Gierratenwerte über einen bestimmten Zeitraum vorgenommen und der gemittelte Wert als Korrekturwert für zukünftige Messungen verwendet. Bei der Mittelung werden der erste und der letzte Wert und Werte die eine große Abweichung zu den benachbarten Messwerten aufweisen nicht berücksichtigt.

In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung der Ausgabewert der Gierrate in mehreren Schritten kompensiert wird. Eine Zuschaltung des Korrekturwerts in kleinen Schritten innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls ist insbesondere dann sinnvoll, wenn der Korrekturwert einen vorgegebenen Wert überschreitet. Ebenso ist stattdessen eine kontinuierliche Korrektur der Ausgabewerte in einem vorgegebenen Zeitintervall möglich

Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen und einer Abbildung näher erläutert.

1: Schematische Darstellung eines Verfahrens zur Kalibrierung der Gierrate

In 1 ist schematisch ein Verfahren zur Kalibrierung der Gierrate dargestellt. Nach dem Start des Verfahrens wird zunächst der Bewegungszustand des Fahrzeugs geprüft. Befindet es sich im Stillstand, so wird die dafür vorgesehene Stillstandskalibrierung durchgeführt. Ergibt sich dabei ein Korrekturwert, so wird der Ausgabewert der Gierrate in der Kompensationsstufe entsprechend angepasst. Befindet sich das Fahrzeug nicht im Stillstand wird eine Onlinekalibrierung durchgeführt. Dazu werden die Bilddaten zumindest eines Bildaufnehmers verwendet. Der Bildaufnehmer erfasst die Umgebung vor dem Kraftfahrzeug und aus dem Verlauf der Fahrspur wird eine Geradeausfahrt oder Kurvenfahrt des Fahrzeugs und damit die Gierrate abgeschätzt. Z.B. wird eine Geradeausfahrt erkannt, wenn das Fahrzeug eine vorgegebene Geschwindigkeit überschreitet. Diese Geschwindigkeit liegt in diesem Beispiel zwischen 80 und 100 km/h. Ein weiterer Indikator für eine Geradeausfahrt ist, wenn die Krümmung der prädizierte Fahrspur einen vorgegebenen Radius überschreitet. Ein solcher vorgegebener Radius beträgt in diesem Beispiel 2000 m. Anhand der genannten Indikatoren Fahrzeuggeschwindigkeit, Krümmungsradius und der Fahrspur wird abgeleitet, ob das Fahrzeug aktuell eine Geradeausfahrt ausführt. Es ist für den Fachmann ersichtlich, dass in weiteren Ausführungsbeispielen andere Indikatoren, wie z.B. die Querbeschleunigung und/oder Lenkwinkel, und andere vorgegebene Grenzwerte angegeben werden können. Eine Kalibrierung wird durchgeführt, wenn eine Geradeausfahrt festgestellt wurde. Es ist ebenfalls denkbar eine Kalibrierung in einer Kurve vorzunehmen, falls die Krümmung mit dem System zur Umgebungserfassung hinreichend genau erfasst werden kann. Dazu wird innerhalb eines vorgegebenen Zeitintervalls, das i. d. R. eine oder wenige Minuten beträgt, die Gierrate aufgenommen, gemittelt und es wird ein Korrekturwert bestimmt. Ist der Krümmungsradius der Fahrspur z. B. aufgrund schlechter Witterungsverhältnisse oder schlechter Fahrbahnmarkierungen nicht möglich wird nur die Stillstandkalibrierung verwendet. In einem weiteren Ausführungsbeispiel der Erfindung wird in diesem Fall der Lenkwinkel und/oder die Querbeschleunigung zur Onlinekalibrierung verwendet. Der Ausgabewert der Gierrate wird in mehreren Schritten kompensiert, so dass erst nach einem vorgegebenen Zeitintervall von wenigen Sekunden bis Minuten der Ausgabewert vollständig korrigiert ist.


Anspruch[de]
Verfahren zur Kalibrierung einer Gierratenmessung in einem Kraftfahrzeug, wobei das Kraftfahrzeug zumindest eine Vorrichtung zur Bestimmung der Gierrate, ein Kamerasystem, einen Lenkwinkelsensor oder einen Querbeschleunigungssensor aufweist dadurch gekennzeichnet, dass eine erste Kalibrierung im Stillstand und eine zweite Kalibrierung während der Fahrt erfolgt. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass bei einer Kalibrierung während der Fahrt die Bilddaten des Kamerasystems verwendet werden, wobei das Kamerasystem die Umgebung vor dem Kraftfahrzeug erfasst und u. a. aus dem Verlauf der Fahrspur (Geradeausfahrt, Kurvenfahrt) die Gierrate abgeschätzt wird. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass für eine Kalibrierung während der Fahrt der Lenkwinkel und/oder die Querbeschleunigung herangezogen wird, insbesondere wenn eine Abschätzung der Gierrate aus einem Kamerabild nicht erfolgreich ist. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass bei Stillstand des Fahrzeugs eine Mittelung der Gierratenwerte über einen bestimmten Zeitraum vorgenommen wird, und der gemittelte Wert als Korrekturwert berücksichtigt wird. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Ausgabewert der Gierrate in mehreren Schritten kompensiert wird, wenn ein Korrekturwert ermittelt wurde.






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