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Dokumentenidentifikation DE102007015128A1 31.10.2007
Titel Verfahren und Vorrichtung zum Steuern eines Notlaufbetriebs eines Parallelschaltgetriebes
Anmelder LuK Lamellen und Kupplungsbau Beteiligungs KG, 77815 Bühl, DE
Erfinder Küpper, Klaus, Dr., 77815 Bühl, DE;
Berger, Reinhard, Dr., 77815 Bühl, DE;
Jäggle, Gerd, 77839 Lichtenau, DE;
Schweizer, Alexander, 77815 Bühl, DE
DE-Anmeldedatum 29.03.2007
DE-Aktenzeichen 102007015128
Offenlegungstag 31.10.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 31.10.2007
IPC-Hauptklasse F16H 61/12(2006.01)A, F, I, 20070329, B, H, DE
IPC-Nebenklasse F16H 61/688(2006.01)A, L, I, 20070329, B, H, DE   
Zusammenfassung Bei einem Verfahren zum Steuern eines Notlaufbetriebs eines Parallelschaltgetriebes mit zwei auf eine gemeinsame Abtriebswelle wirkenden Teilgetrieben, die über je eine Kupplung mit einer Antriebswelle kuppelbar sind, wobei bei einwandfreiem Betriebszustand des Parallelschaltgetriebes jede der Kupplungen von einem zugehörigen Kupplungsaktor in Schließstellung bewegbar ist und bei nicht aktiviertem Kupplungsaktor selbsttätig öffnet und durch Öffnen der Kupplung des einen Teilgetriebes und gleichzeitiges Schließen der Kupplung des anderen Teilgetriebes die Übersetzung des Parallelschaltgetriebes zugkraftunterbrechungsfrei von dem im einen Teilgetriebe eingelegten Gang auf den im anderen Teilgetriebe eingelegten Gang veränderbar ist, wird bei Feststellen eines Fehlers in der Selbstöffnungsfunktion einer der Kupplungen wenigstens eines der folgenden Notlaufverfahren aktiviert:
a) keine Vorwahl eines Ganges in dem der gerade offenen Kupplung zugeordneten Teilgetriebe,
b) Vorwahl in dem der gerade offenen Kupplung zugeordneten Teilgetriebe nur, wenn bereits ein Gangwechsel angefordert ist,
c) Vorwahl nur eines hohen Gangs in dem zugeordneten Teilgetriebe, wenn im anderen Teilgetriebe ein hoher Gang eingelegt ist,
d) Stilllegen des zugeordneten Teilgetriebes und Fahren nur in demm anderen Teilgetriebe,
e) Öffnen beider Kupplungen bei Motormoment Null,
f) Ausgabe einer Warnung.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Steuern eines Notlaufbetriebs eines Parallelschaltgetriebes.

Parallelschaltgetriebe bzw. Doppelkupplungsgetriebe enthalten zwei Teilgetriebe, mit denen unterschiedliche Gänge geschaltet werden. Wenn beispielsweise mit einem Teilgetriebe die geraden Gänge und mit dem anderen Teilgetriebe die ungeraden Gänge geschaltet werden, muss die dem Teilgetriebe mit dem ungeraden Gängen zugeordnete Kupplung bei einem eingelegten Gang offen sein, wenn die zu dem Teilgetriebe mit den geraden Gängen gehörende Kupplung geschlossen ist. In dem Teilgetriebe mit den ungeraden Gängen kann dann bei offener Kupplung ein ungerader Gang eingelegt werden, auf den dann lediglich durch Schließen der Kupplung des Teilgetriebes mit den ungeraden Gängen und öffnen der Kupplung des Teilgetriebes mit den geraden Gängen umgeschaltet wird. Wenn in beiden Teilgetrieben ein Gang eingelegt ist und beide Kupplungen geschlossen werden, könnte dies zu einer Zerstörung des Getriebes und/oder gefährlichen Betriebszuständen eines Fahrzeugs führen. Es ist daher zwingend erforderlich, dass die beiden Kupplungen ihre jeweilige Offenstellung sicher einnehmen. Entsprechend werden Kupplungen von Parallelschaltgetrieben bevorzugt derart gebaut, dass sie von ihrem Aktor gegen die Kraft einer Öffnungsfeder in Schließstellung gedrückt werden und von der Schließfeder in Offenstellung bewegt werden, sobald der Aktor nicht mehr mit Energie zum Schließen der Kupplung beaufschlagt ist.

Wenn bei solchen in Schließstellung gedrängten Kupplungen die Rückstellkraft der Öffnungsfeder nicht mehr ausreicht, um ein Betätigungsglied in seine Ausgangsstellung zurückzubewegen, würde die Kupplung bei deaktiviertem zugehörigen Aktor nicht vollständig öffnen. Ursachen dafür können beispielsweise Verschleiß im Betätigungsmechanismus, Korrosion oder sonstige Einflüsse sein. Die Öffnung muss dann zusätzlich durch den zugehörigen Kupplungsaktor unterstützt werden. Besonders gravierend ist ein Kupplungsfehler, bei dem auch eine Energiebeaufschlagung des Aktors für eine Öffnung der Kupplung nicht zuverlässig zu einem Öffnen der Kupplung führt.

Aus der US 6,953,417 B2 ist ein Verfahren zum Steuern eines Doppelkupplungsgetriebes bekannt, bei dem bei Feststellen einer Nichtbetätigbarkeit einer Kupplung ein Antriebsmotor, der über das Doppelkupplungsgetriebe mit angetriebenen Rädern eines Fahrzeugs verbunden ist, derart gesteuert wird, dass auf die ausgefallene Kupplung kein Moment von der Antriebsmaschine her wirkt. Das zugehörige Teilgetriebe wird in Neutralstellung gebracht, d.h. in dem zugehörigen Teilgetriebe ist kein Gang mehr eingelegt. Das Fahrzeug kann dann mit Hilfe des anderen Teilgetriebes, dessen Kupplung intakt ist, bewegt werden.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, weitere Möglichkeiten zu schaffen, wie bei einem Fehler in einer Kupplung eines Parallelschalt- bzw. Doppelkupplungsgetriebes eine Beschädigung des Getriebes und gefährliche Betriebszustände des Fahrzeugs vermieden werden können und das Fahrzeug nach Möglichkeit weiter bewegt werden kann.

Eine erste Lösung dieser Aufgabe wird mit einem Verfahren zum Steuern eines Notlaufbetriebs eines Parallelschaltgetriebes mit zwei auf eine gemeinsame Antriebswelle wirkenden Teilgetrieben erzielt, die über je eine Kupplung mit einer Antriebswelle kuppelbar sind, wobei bei einwandfreiem Betriebszustand des Parallelschaltgetriebes jede der Kupplungen von einem zugehörigen Kupplungsaktor in Schließstellung bewegbar ist und bei nicht aktiviertem Kupplungsaktor selbsttätig öffnet und durch Öffnen der Kupplung des einen Teilgetriebes und gleichzeitiges Schließen der Kupplung des anderen Teilgetriebes die Übersetzung des Parallelschaltgetriebes zugkraftunterbrechungsfrei von einem in einem Teilgetriebe eingelegten Gang auf einem im anderen Teilgetriebe eingelegten Gang veränderbar ist, und wobei bei Feststellen eines Fehlers in einer Selbstöffnungsfunktion einer der Kupplungen wenigstens eines der folgenden Notlaufverfahren aktiviert wird:

  • a) kein Einlegen eines Ganges in dem der gerade offenen Kupplung zugeordneten Teilgetriebe,
  • b) Einlegen eines Gangs in dem der gerade offenen Kupplung zugeordneten Teilgetriebe nur, wenn bereits ein Gangwechsel angefordert ist,
  • c) Einlegen nur eines hohen Gangs in dem zugeordneten Teilgetriebe, wenn im anderen Teilgetriebe ein hoher Gang eingelegt ist,
  • d) Stilllegen des zugeordneten Teilgetriebes und Fahren nur in dem anderen Teilgetriebe,
  • e) Öffnen beider Kupplungen bei Motormoment Null,
  • f) Ausgabe einer Warnung.

Die vorgenannten Notlaufverfahren werden aktiviert, wenn die Selbstöffnungsfunktion einer der Kupplungen beeinträchtigt ist. Sie können bei Parallelschaltgetrieben eingesetzt werden, deren Kupplungsaktoren derart ausgebildet sind, dass sie die zugehörige Kupplung grundsätzlich nicht in die Offenstellung bewegen sondern lediglich in die Schließstellung bewegen. Sie können auch bei Parallelschaltgetrieben eingesetzt werden, deren Kupplungsaktoren grundsätzlich geeignet sind, die Kupplung sowohl in Offenstellung als auch in Schließstellung zu bewegen und dienen dann der Erhöhung der Betriebssicherheit, da das Fahrzeug an sich durch Aktivierung des jeweiligen Kupplungsaktor auch zum Bewegen der Kupplung in Offenstellung voll funktionsfähig ist.

Eine weitere Lösung der Erfindungsaufgabe wird mit einem Verfahren zum Steuern eines Notlaufbetriebes eines Parallelschaltgetriebes mit zwei auf eine gemeinsame Antriebswelle wirkenden Teilgetrieben erzielt, die über je eine Kupplung mit einer Antriebswelle kuppelbar sind, wobei jedem Teilgetriebe ein Getriebeaktor zum Ein- und Auslegen von Gängen des jeweiligen Teilgetriebes zugeordnet ist und bei einwandfreiem Betriebszustand des Parallelschaltgetriebes jede der Kupplungen von einem zugehörigen Kupplungsaktor zwischen einer Schließ- und einer Offenstellung hin und her bewegbar ist und durch Öffnen der Kupplung des einen Teilgetriebes und gleichzeitiges Schließen der Kupplung des anderen Teilgetriebes die Übersetzung des Parallelschaltgetriebes zugkraftunterbrechungsfrei von einem in einem Teilgetriebe eingelegten Gang auf einen im anderen Teilgetriebe eingelegten Gang veränderbar ist, und wobei bei Feststellen eines Fehlers in der Betätigbarkeit einer der Kupplungen wenigstens eines der folgenden Notlaufverfahren aktiviert wird:

  • g) Vorspannen der Getriebeaktorik des zugehörigen Teilgetriebes in Richtung des Auslegens eines gerade eingelegten Ganges, so dass der Gang bei Abnahme des von der Kupplung übertragenen Drehmoments ausgelegt wird,
  • h) Einleiten einer Zughochschaltung, im Laufe derer ein in dem zugehörigen Teilgetriebe eingelegter Gang ausgelegt wird, wenn das von der fehlerhaften Kupplung übertragene Moment von der anderen Kupplung übernommen wird,
  • i) bei im Schubbetrieb befindlichen Fahrzeug Erhöhung des Moments eines Antriebsmotors und Auslegen eines in dem zugehörigen Teilgetriebe eingelegten Gangs, wenn das von der fehlerhaften Kupplung übertragene Moment annähernd Null ist,
  • j) Weiterfahren mit dem im zugehörigen Teilgetriebe eingelegten Gang, Schalten des anderen Teilgetriebes auf Neutral und Auslegen des Gangs in dem zugehörigen Teilgetriebe beim Anhalten des Fahrzeugs.

Die vorgenannten Notlaufverfahren werden aktiviert, sobald festgestellt wird, dass eine jeweilige Kupplung mittels ihres Aktors nicht mehr sicher in Offenstellung bewegt werden kann.

Vorteilhaft wird bei Aktivieren eines Notlaufverfahrens, bei dem eine Zughochschaltung eingeleitet wird, im Laufe derer ein in dem zugehörigen Teilgetriebe eingelegter Gang ausgelegt wird, wenn das von der fehlerhaften Kupplung übertragenen Moment von der anderen Kupplung übernommen wird, das Auslegen des Ganges durch einen Motoreingriff und/oder Ansteuerung der anderen Kupplung unterstützt.

Vorteilhaft ist, wenn ein Notlaufverfahren bereits dann aktiviert wird, wenn eine Fehlfunktion in der Betätigung einer der Kupplungen festgestellt wird, die auf einen Fehler in der Selbstöffnungsfunktion der Kupplung oder der Betätigbarkeit der Kupplung in deren Offenstellung hindeutet.

Eine erfindungsgemäße Vorrichtung zum Steuern eines Notlaufbetriebes eines Parallelschaltgetriebes mit zwei auf eine gemeinsame Abtriebswelle wirkenden Teilgetrieben, die über je eine Kupplung mit einer Antriebswelle kuppelbar sind, wobei jedem Teilgetriebe ein Getriebeaktor zum Ein- und Auslegen von Gängen des jeweiligen Teilgetriebes zugeordnet ist und jeder der Kupplungen ein Kupplungsaktor zugeordnet ist, mit dem bei einwandfreier Funktion die jeweilige Kupplung zwischen einer Schließ- und einer Offenstellung hin und her bewegbar ist, wobei durch Öffnen der Kupplung des einen Teilgetriebes und gleichzeitiges Schließen der Kupplung des anderen Teilgetriebes die Übersetzung des Parallelschaltgetriebes zugkraftunterbrechungsfrei von dem im einen Teilgetriebe eingelegten Gang auf den im anderen Teilgetriebe eingelegten Gang veränderbar ist, welche Vorrichtung eine elektronische Steuereinrichtung auf, deren Eingänge mit Sensoren zum Erfassen von die Steuerung der Aktoren bestimmenden Betriebsparametern verbunden sind und deren Ausgänge mit den Kupplungs- und Getriebeaktoren sowie einem Lastaktor zum Steuern der Last der Antriebsmaschine verbunden sind, ist derart ausgebildet, dass die elektronische Steuereinrichtung die mit ihr verbundenen Aktoren nach einem Verfahren gemäß einem der Ansprüche vorgenannten Ansprüche steuert.

Die Erfindung wird im Folgenden anhand schematischer Zeichnungen beispielsweise und mit weiteren Einzelheiten erläutert.

In den Figuren stellen dar:

1 ein Blockschaltbild eines Parallelschaltgetriebes mit Komponenten einer Steuereinrichtung und

2 Verfahrenschritte zum Aktivieren eines Notlaufbetriebs.

Gemäß 1 weist ein insgesamt mit 10 bezeichnetes Parallelschaltgetriebe zwei Teilgetriebe 12 und 14 auf. Jedes Teilgetriebe hat eine Eingangswelle 16 bzw. 18, auf der Festräder 17 befestigt sind, die mit auf einer für bei Teilgetriebe 12 und 14 gemeinsamen Abtriebswelle 20 gelagerten Losrädern 21 kämmen. Die Losräder sind über Schalteinrichtungen 22 und 24 drehfest mit der Abtriebswelle 20 kuppelbar.

Die Eingangswelle 16 ist über ein Zahnradpaar drehfest mit einer Hohlwelle 26 verbunden, durch die hindurch eine weitere Welle 28 führt, die über ein Zahnradpaar drehfest mit der Eingangswelle 18 verbunden ist. Die Hohlwelle 26 ist über eine Kupplung K1 mit einer Antriebswelle 30, beispielsweise der Kurbelwelle einer Brennkraftmaschine, kuppelbar. Die Welle 28 ist über eine Kupplung K2 mit der Antriebswelle 30 kuppelbar. Die koaxial zueinander angeordneten Kupplungen, die zusammen eine Doppelkupplung bilden, sind nur schematisch und ohne ihre Betätigungsglieder dargestellt.

Die Funktion eines solchen Parallelschalt- bzw. Doppelkupplungsgetriebe ist an sich bekannt und wird daher nicht erläutert. Für die nachfolgende Erläuterung der Erfindung können auch Parallelschaltgetriebe mit anderem Aufbau als dem in 1 dargestellten eingesetzt werden.

Zur Betätigung der Kupplungen K1 und K2 sind Kupplungsaktoren 32 und 34 vorgesehen, die von einer elektronischen Steuereinrichtung 36 angesteuert werden. Die Steuereinrichtung steuert über weitere Ausgänge Getriebeaktoren 38 und 40, die die Schalteinrichtungen 22 und 24 betätigen. Jeder der Getriebeaktoren enthält einen Schaltaktor und einen Wählaktor, die entsprechende Bewegungen der Schalteinrichtungen herbeiführen.

Ein weiterer Ausgang der elektronischen Steuereinrichtung 36 ist mit einem Lastaktor 42 zum Betätigen eines Laststellgliedes einer nicht dargestellten Brennkraftmaschine verbunden.

Die Kupplungsaktoren 32 und 34 können mit Betätigungsgliedern der Kupplungen K1 und K2, beispielsweise deren Kupplungshebel unmittelbar über Verbindungsglieder oder unter Zwischenschaltung einer hydraulischen Strecke verbunden sein. Die Aktoren können Elektromotoren, Hydraulikzylinder usw. sein. Zur Erfassung der Stellung der Autoren bzw. der Betätigungsglieder der Kupplungen sind Sensoren 44 und 46 vorgesehen, deren Ausgangssignale der elektronischen Steuereinrichtung 36 zugeführt werden. Stellungen von Elementen der Schalteinrichtung 22 bzw. 24 bzw. der Schaltaktoren 38 und 40 können der Steuereinrichtung ebenfalls zugeführt werden. Über weitere Eingänge werden der Steuereinrichtung 36 Signale zugeführt, entsprechend denen der Betrieb der Aktoren und des Leistungsstellglied der Brennkraftkraftmaschine gesteuert werden. Mit solchen Sensoren kann beispielsweise die Drehzahl der Brennkraftmaschine, die Stellung eines Fahrpedals, die Drehzahl eines angetriebenen Fahrzeugrades, die Temperatur der Brennkraftmaschine, die Stellung eines Getriebewählhebels usw. erfasst werden.

In der elektronischen Steuereinrichtung 36 sind Programme abgelegt, die beispielsweise abhängig von der Stellung eines Getriebewählhebels und gegebenenfalls weiteren Parametern aktiviert werden und entsprechend denen die Aktoren sowie ein Leistungsstellglied der Brennkraftmaschine in Abhängigkeit von den Ausgangssignalen der Sensoren gesteuert werden.

Aufbau und Funktionsweise einer solchen Steuereinrichtung sind an sich bekannt und werden daher nicht erläutert. Der in 1 schematisch dargestellte prinzipielle Aufbau der Steuereinrichtung kann in vielfältiger Weise abgeändert sein. Beispielsweise können Elemente der Steuereinrichtung in anderen Steuergeräten, beispielsweise ein Motorsteuergerät, enthalten sein, wobei die Steuergeräte über Busleitungen zum Informationsaustausch verbunden sind.

Wie eingangs beschrieben, ist eine Vorraussetzung für den sicheren Betrieb des Parallelschaltgetriebes 10 eine einwandfreie Funktion der Kupplungen K1 und K2. Im Folgenden werden Möglichkeiten erläutert, wie auf Fehlfunktionen der Kupplungen oder deren Betätigungen reagiert wird, um einen sicheren Betrieb des Fahrzeugs zu gewährleisten und das Getriebe nicht zu gefährden.

Zunächst wird davon ausgegangen, dass die Kupplungen K1 und K2 derart ausgebildet sind, dass sie bei fehlender Energiebeaufschlagung des jeweils zugehörigen Kupplungsaktors sich selbsttätig in ihre Offenstellung bewegen. Die Bewegung in die Offenstellung bzw. die Offenstellung selbst kann auf unterschiedliche Möglichkeiten sensiert werden; beispielsweise kann erfasst werden, ob sich ein Element in der Bewegungsübertragung zwischen dem jeweiligen Aktor und dem Betätigungsglied der Kupplung nach Deaktivieren des Kupplungsaktors bei in Schließstellung befindlicher Kupplung in vorbestimmter Weise bewegt und/oder einen Anschlag erreicht usw. Diese Selbstöffnungsfunktion der Kupplung wird von der Steuereinrichtung 36 überwacht. Sobald ein Fehler in der Selbstöffnungsfunktion erkannt wird (Schritt 60 in 2), wird im Schritt 62 eines der nachfolgend erläuterten Notlaufverfahren bzw. Notlaufprogramme aktiviert. Wenn kein Fehler festgestellt wird, bleibt das Programm im Normalbetrieb (Schritt 64).

  • a) Im Schritt 62 kann beispielsweise ein Programm bzw. Verfahren aktiviert werden, bei dem in dem der nicht mehr selbstöffnenden Kupplung zugeordneten Teilgetriebe kein Gang mehr vorgewählt bzw. eingelegt wird, so dass ein Schließen der fehlerhaften Kupplung und damit eine Aktivierung des zugehörigen Teilgetriebes nicht mehr dadurch zu einer Gefährdung führen kann, dass die Kupplung anschließend nicht mehr geöffnet werden kann.
  • b) Eine Vorwahl, d.h. ein Einlegen, eines neuen Gangs in dem der fehlerhaften Kupplung zugeordneten Getriebe wird nur noch dann ausgeführt, wenn ein Gangwechsel bereits angefordert ist und ausgeführt werden soll. In diesem Fall wird noch eine Schaltung ausgeführt, obwohl die Gefahr besteht, dass der neue Gang, der im Parallelschaltgetriebe wirksam ist, nicht mehr problemlos ausgelegt werden kann. Ein Fall, in dem trotz Erkenntnis eines Fehlers noch geschaltet wird, ist beispielsweise der, dass beim Bergauffahren die Leistung des Motors für ein Fahren im zweiten Gang nicht mehr ausreicht und in den ersten Gang geschaltet werden muss, um die Bergauffahrt fortsetzen.
  • c) Da in hohen Gängen eine Verspannung des Parallelschaltgetriebes aufgrund der Übersetzungen weniger kritisch ist, kann in hohen Gängen notfalls trotz fehlerhafter Kupplung weiterhin im zugehörigen Teilgetriebe ein neuer Gang vorgewählt werden.
  • d) Eine weitere Möglichkeit, auf einen Fehler in der Selbstöffnungsfunktion einer Kupplung zu reagieren, besteht darin, das betroffene Teilgetriebe stillzulegen, d.h. in Neutral zu schalten (alle Gänge ausgelegt) und nur mit dem anderen Teilgetriebe, dessen zugeordnete Kupplung intakt ist, zu fahren.
  • e) Weiter kann eine Reaktion auf einen Fehler in der Selbstöffnungsfunktion einer Kupplung darin bestehen, dass ein Notlaufprogramm aktiviert wird, bei dem der Fahrer gewarnt wird. Beispielsweise kann ein Freilauf aktiviert werden, wenn sich der Antriebsstrang im Schubbetrieb befindet. Dabei können die Kupplungen dann durch die jeweiligen Aktoren in Offenstellung bewegt werden.
  • f) Schließlich kann das System auf einen Fehler in der Selbstöffnungsfunktion der Kupplung reagieren, in dem es den Fahrer durch Ausgabe einer Warnmeldung, beispielsweise einer optischen oder akustischen Anzeige, gegebenenfalls mit Sprachausgabe, auf den Fehler hinweist. Diese Warnung kann bei jedwelchem in der Kupplungsbetätigung oder der Getriebebetätigung festgestellten Fehler erfolgen.

Nachfolgend werden Möglichkeiten erläutert, wie elektronische Steuereinrichtungen auf einen im Schritt 60 erkannten Fehler reagieren kann, bei dem festgestellt wird, dass eine Kupplung durch ihren Aktor nicht mehr positiv in Offenstellung gelegt werden kann. Notlaufverfahren bzw. -programme, die daraufhin aktiviert werden, können beispielsweise in Folgendem bestehen:

  • g) Die Steuereinrichtung 36 steuert den Getriebeaktor des von einem Kupplungsfehler betroffenen Teilgetriebes so an, dass die jeweilige Schalteinrichtung in Richtung eines Auslegens des im betroffenen Teilgetriebe eingelegten Gangs möglichst maximal vorgespannt ist, um bei einer Abnahme des von der betroffenen Kupplung übertragenen Drehmoments beispielsweise bei einem natürlichen Lastwechsel (Fahrer geht vom Gas) den Gang auszulegen. Auf diese Weise ist das von der fehlerhaften Kupplung betroffene Getriebe auf Neutral geschaltet und das Fahrzeug kann mit dem anderen Teilgetriebe, dessen Kupplung in Ordnung ist, weiter bewegt werden.
  • h) Eine weitere Möglichkeit, auf einen Fehler zu reagieren, besteht darin, eine Zughochschaltung einzuleiten, bei der zu dem Zeitpunkt, zu dem das vom Motor her wirkende Moment durch die den neuen Gang zugeordnete Kupplung übernommen wird und die fehlerhafte Kupplung, die dem Teilgetriebe, in dem der alte Gang eingelegt ist, kein oder nur ein geringes Moment überträgt, der alte Gang ausgelegt wird. Die Abnahme des über die fehlerhafte Kupplung übertragenen Drehmoments kann durch Motoreingriff, beispielsweise Rücknahme der Stellung des Laststellgliedes, Zündverstellung usw., unterstützt werden. Auch durch eine gezielte Ansteuerung der neuen Kupplung im Sinne der Abschwächung des von der fehlerhaften Kupplung übertragenen Moments ist zweckmäßig. Wenn der Fahrer in dieser Situation die Stellung des Fahrpedals zurücknimmt, kann der alte Gang bereits früher ausgelegt werden, wobei die neue intakte Kupplung vorteilhafterweise etwas geöffnet wird.
  • i) Wenn sich das Fahrzeug im Schubbetrieb befindet, kann das von der Kupplung übertragene Moment durch einen positiven Motoreingriff entlastet werden, beispielsweise dadurch, dass das Laststellglied im Sinne einer Zunahme des Motormoments verstellt wird, so dass der aktuelle Gang bei im Wesentlichen momentenfreien Teilgetriebe ausgelegt werden kann.
  • j) Weiter ist es möglich, mit dem aktuell eingelegten Gang weiter zu fahren. Das andere Teilgetriebe, dessen Kupplung geöffnet ist, wird vorteilhafter Weise auf Neutral geschaltet. Wenn der Fahrer das Fahrzeug anhält, ohne dass der Gang vorher ausgelegt werden konnte, kann durch die unter g) beschriebene Vorspannung versucht werden, den Gang beim Anhalten auszulegen. Gelingt dies nicht, kann der Verbrennungsmotor abgewürgt oder vorteilhaft aktiv abgeschaltet werden, um ein Anhalten des Fahrzeugs zu ermöglichen. Während dieses Anhaltens ist der Triebstrangwechsel Belastungen ausgesetzt, während derer versucht werden kann, den Gang auszulegen. Bei stillstehendem Fahrzeug kann der Gang wegen des entlasteten Triebstrangs ausgelegt werden.

Die vorstehend geschilderten Notlaufverfahren können bereits aktiviert werden, wenn ein Kupplungsfehler noch nicht aktuell festgestellt ist, sondern nur vermutet wird. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn die Stellung eines Kupplungshebels durch eine Inkrementalmessung erfolgt, bei der Unregelmäßigkeiten festgestellt werden, beispielsweise unerwartete Stillstände oder zu langsame Bewegungsabläufe, die auf Unregelmäßigkeiten hindeuten. Die geschilderten Notlaufstrategien werden dann rein vorsichtshalber aktiviert, so dass tatsächlich eintretende Schäden sicher vermieden werden können. Es versteht sich, dass solche Unregelmäßigkeiten zu Warnanzeigen führen, aufgrund derer das System überprüft werden kann.

10
Parallelschaltgetriebe
12
Teilgetriebe
14
Teilgetriebe
16
Eingangswelle
17
Festrad
18
Eingangswelle
20
Abtriebswelle
21
Losrad
22
Schalteinrichtung
24
Schalteinrichtung
26
Hohlwelle
28
Welle
30
Antriebswelle
32
Kupplungsaktor
34
Kupplungsaktor
36
elektronische Steuereinrichtung
38
Getriebeaktor
40
Getriebeaktor
42
Lastaktor
44
Sensor
46
Sensor


Anspruch[de]
Verfahren zum Steuern eines Notlaufbetriebs eines Parallelschaltgetriebes mit zwei auf eine gemeinsame Abtriebswelle wirkenden Teilgetrieben, die über je eine Kupplung mit einer Antriebswelle kuppelbar sind, wobei bei einwandfreiem Betriebszustand des Parallelschaltgetriebes jede der Kupplungen von einem zugehörigen Kupplungsaktor in Schließstellung bewegbar ist und bei nicht aktiviertem Kupplungsaktor selbsttätig öffnet und durch Öffnen der Kupplung des einen Teilgetriebes und gleichzeitiges Schließen der Kupplung des anderen Teilgetriebes die Übersetzung des Parallelschaltgetriebes zugkraftunterbrechungsfrei von einem in einem Teilgetriebe eingelegten Gang auf einen im anderen Teilgetriebe eingelegten Gang veränderbar ist,

dadurch gekennzeichnet, dass bei Feststellen eines Fehlers in einer Selbstöffnungsfunktion einer der Kupplungen wenigstens eines der folgenden Notlaufverfahren aktiviert wird:

a) kein Einlegen eines Ganges in dem der gerade offenen Kupplung zugeordneten Teilgetriebe,

b) Einlegen eines Gangs in dem der gerade offenen Kupplung zugeordneten Teilgetriebe nur, wenn bereits ein Gangwechsel angefordert ist,

c) Vorwahl nur eines hohen Gangs in dem zugeordneten Teilgetriebe, wenn im anderen Teilgetriebe ein hoher Gang eingelegt ist,

d) Stilllegen des zugeordneten Teilgetriebes und Fahren nur in dem anderen Teilgetriebe,

e) Öffnen beider Kupplungen bei Motormoment Null,

f) Ausgabe einer Warnung.
Verfahren zum Steuern eines Notlaufbetriebs eines Parallelschaltgetriebes mit zwei auf eine gemeinsame Abtriebswelle wirkenden Teilgetrieben, die über je eine Kupplung mit einer Antriebswelle kuppelbar sind,

wobei jedem Teilgetriebe ein Getriebeaktor zum Ein- und Auslegen von Gängen des jeweiligen Teilgetriebes zugeordnet ist und

bei einwandfreiem Betriebszustand des Parallelschaltgetriebes jede der Kupplungen von einem zugehörigen Kupplungsaktor zwischen einer Schließ- und einer Offenstellung hin und her bewegbar ist und durch Öffnen der Kupplung des einen Teilgetriebes und gleichzeitiges Schließen der Kupplung des anderen Teilgetriebes die Übersetzung des Parallelschaltgetriebes zugkraftunterbrechungsfrei von einem in einem Teilgetriebe eingelegten Gang auf einen im anderen Teilgetriebe eingelegten Gang veränderbar ist,

dadurch gekennzeichnet, dass bei Feststellen eines Fehlers in der Betätigbarkeit einer der Kupplungen wenigstens eines der folgenden Notlaufverfahren aktiviert wird:

g) Vorspannen der Getriebeaktorik des zugehörigen Teilgetriebes in Richtung des Auslegens eines gerade eingelegten Ganges, so dass der Gang bei Abnahme des von der Kupplung übertragenen Drehmoments ausgelegt wird,

h) Einleiten einer Zughochschaltung, im Laufe derer ein in dem zugehörigen Teilgetriebe eingelegter Gang ausgelegt wird, wenn das von der fehlerhaften Kupplung übertragene Moment von der anderen Kupplung übernommen wird,

i) bei im Schubbetrieb befindlichen Fahrzeug Erhöhung des Moments eines Antriebsmotors und Auslegen eines in dem zugehörigen Teilgetriebe eingelegten Ganges, wenn das von der fehlerhaften Kupplung übertragene Moment annähernd Null ist,

j) Weiterfahren mit dem im zugehörigen Teilgetriebe eingelegten Gang, Schalten des anderen Teilgetriebes auf Neutral und Auslegen des Gangs in dem zugehörigen Teilgetriebe beim Anhalten des Fahrzeugs.
Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass bei Aktivieren des Notlaufverfahrens h) das Auslegen des Ganges durch einen Motoreingriff und/oder Ansteuerung der anderen Kupplung unterstützt wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass ein Notlaufverfahren bereits aktiviert wird, wenn eine Fehlfunktion in der Betätigung einer der Kupplungen festgestellt wird, die auf einen Fehler in der Selbstöffnungsfunktion der Kupplung oder der Betätigbarkeit der Kupplung in deren Offenstellung hindeutet. Vorrichtung zum Steuern eines Notlaufbetriebs eines Parallelschaltgetriebes (10) mit zwei auf eine gemeinsame Abtriebswelle (20) wirkenden Teilgetrieben, die über je eine Kupplung (K1, K2) mit einer Antriebswelle (16, 18) kuppelbar sind, wobei jedem Teilgetriebe ein Getriebeaktor (38, 40) zum Ein- und Auslegen von Gängen des jeweiligen Teilgetriebes zugeordnet ist und jeder der Kupplungen ein Kupplungsaktor (32, 34) zugeordnet ist, mit dem die jeweilige Kupplung bei einwandfreier Funktion zwischen einer Schließ- und einer Offenstellung hin und her bewegbar ist, wobei durch Öffnen der Kupplung des einen Teilgetriebes und gleichzeitiges Schließen der Kupplung des anderen Teilgetriebes die Übersetzung des Parallelschaltgetriebes zugkraftunterbrechungsfrei von dem im einen Teilgetriebe eingelegten Gang auf den im anderen Teilgetriebe eingelegten Gang veränderbar ist, welche Vorrichtung eine elektronische Steuereinrichtung (36) aufweist, deren Eingänge mit Sensoren zum Erfassen von die Steuerung der Aktoren bestimmenden Betriebsparametern verbunden sind und deren Ausgänge mit den Kupplungs- und Getriebeaktoren sowie einem Lastaktor (42) zum Steuern der Last der Antriebsmaschine verbunden sind, dadurch gekennzeichnet, dass die elektronische Steuereinrichtung (36) die mit ihr verbundenen Aktoren nach einem Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4 steuert.






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