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Dokumentenidentifikation DE102006021857A1 15.11.2007
Titel Verfahren zum Gießen eines Prothesenschaftes
Anmelder Otto Bock HealthCare IP GmbH & Co. KG, 37115 Duderstadt, DE
Erfinder Becker, Karl, 37115 Duderstadt, DE;
Anhalt, Klaus-Peter, 37434 Rhumspringe, DE
Vertreter Gramm, Lins & Partner GbR, 30173 Hannover
DE-Anmeldedatum 09.05.2006
DE-Aktenzeichen 102006021857
Offenlegungstag 15.11.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 15.11.2007
IPC-Hauptklasse A61F 2/80(2006.01)A, F, I, 20060509, B, H, DE
IPC-Nebenklasse B29C 70/08(2006.01)A, L, I, 20060509, B, H, DE   
Zusammenfassung Um einen Prothesenschaft aus bereichsweise unterschiedlichen Materialien, bei dem eine Verstärkung von einem Polyurethan umschlossen ist, so auszugestalten, dass Ablösungen zwischen einzelnen Schichten, insbesondere zwischen Polyurethan und Verstärkung, vermieden werden, wird der Schaft, der in seinem Kernbereich eine Gitter- oder rahmenartige Verstärkung enthält, mit einem einheitlich zu Ende reagierten Polyurethan-Gießharz umgeben und die Verstärkung in ihren Ausnehmungen von diesem Harz durchdrungen. Zur Herstellung des Prothesenschafts wird zunächst an der Position der unterliegenden PU-Lage ein mit dem noch nicht ausreagierten Polyurethan tränkbares Platzhaltermaterial aufgebracht, darauf eine Verstärkung erstellt, diese Verstärkung abgenommen, eine erste Polyurethanlage unter Durchtränken des Platzhaltermaterials gegossen, die Verstärkung wieder aufgebracht und eine weitere Polyurethanlage auf der Verstärkung angelegt. Beide Polyurethanlagen verbinden sich während des Aushärtens.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Gießen einer Halterung, die am menschlichen Körper anzubringen ist, in Form eines Prothesenschaftes oder eines Orthesenteils mit innen liegender, gitter- oder rahmenförmiger Verstärkung.

Unter einer Prothese verstehen wir den künstlichen Ersatz für eine amputierte Gliedmaße, die an der Restgliedmaße und zwar insbesondere dem Amputations-Stumpf festgemacht wird. Hierfür besitzt die Prothese eine trichter- oder tassenförmige Aufnahme für den Stumpf, im Folgenden als Prothesenschaft bezeichnet. Der Schaft soll passgenau am Stumpf anliegen und eine optimale Kraftübertragung vom Körper des Amputierten auf die Prothese ermöglichen ohne Druck- oder Scheuerstellen zu erzeugen. An Maßänderungen geringeren Ausmaßes (Schwellen, Abschwellen des Stumpfes) sollte der Schaft sich nach Möglichkeit elastisch anpassen können.

Ähnliche Anforderungen sind an sogenannte Orthesen bzw. deren körpernahe, halternde Teile zu stellen. Unter Orthesen werden den Körper oder Gliedmaßen des Körpers von außen stützende Halteapparate verstanden, häufig auch als Stützapparate oder Schienen bezeichnet.

Um den Anforderungen gerecht zu werden, werden Schäfte wie andere orthopädische Halterungen (Orthesen) mit direktem Körperkontakt im Allgemeinen aus festen, formstabilen, aber zumindest bereichsweise dennoch elastischen oder weich nachgiebigen Kunststoffen gefertigt.

Hierfür ist es auch üblich, verschiedene Kunststoffe in mehreren Schichten zu kombinieren und innerhalb der Kunststoffe Verstärkungen, z.B. aus textilen Geweben oder Gewirken oder aus Carbonfasern (i. a. in Form von Carbonfasermatten) vorzusehen. Auch können die Verstärkungen gezielt in bestimmten Zonen des Halterungsbauteils eingesetzt werden, oder es können bestimmte, z.B. besonders weiche Materialien in ausgewählten Bereichen anstelle des Grundmaterials oder zusätzlich, pflasterartig eingebracht werden (Polster, Patches).

Zum Aufbau von Laminaten mit polymergetränkten textilen Verstärkungen sind grundsätzlich Wickeltechniken oder Gusstechniken üblich. Diese Verfahren sind dem Orthopädietechniker aus der Praxis bekannt.

Bei der Wickeltechnik werden mit einem noch nicht ausreagierten Polymer getränkte Bandagen auf eine Form oder gegebenenfalls auf den Stumpf bzw. die Gliedmaße direkt gewickelt und die gewickelte Hülle wird aushärten gelassen. Alternativ können auch getränkte textile Strümpfe in einer oder in mehreren Schichten auf eine Form aufgezogen werden. Diese Technik wird häufig auch für Gipsaufbauten einschließlich Gips-Modellformen (Positivabguss, Negativabguss) verwendet.

Bei der Gusstechnik wird ein noch nicht ausgehärtetes bzw. ausreagiertes, flüssiges Polymer in eine geeignete Schaft- oder Halterungs-Hohlform eingegossen, die aus der Positivform des Stumpfes und einer mit Hilfe eines Abstandsmediums über der Positivform erhaltenen Negativform gebildet werden kann. Das Abstandsmedium wird entweder vor dem Guss entfernt (ungefüllter Formguss) oder kann im Falle eines porösen Abstandsmediums mit eingebunden, d.h. eingegossen werden, so dass ein gefülltes oder verstärktes Bauteil entsteht. Insbesondere kann das Abstandsmedium ein poröser Füllstoff (ausgehärteter Schaum, verfestigtes Granulat) sein oder aus textilen oder anderen Flüssigkeit aufnehmenden Schichten aufgebaut sein (gewickelte Bandagen, Strümpfe, Socken, allgemein Textillagen). Um das Gießen in enge Hohlformen zu erleichtern, wird häufig eine Saugtechnik angewendet: Während die flüssige und im Allgemeinen viskose Polymervorstufe (Eduktmischung, Präpolymere) in die Hohlform eingegossen oder -gespritzt wird, wird aus demselben Volumen (im Allgemeinen an anderer Stelle über ein Ventil) Luft abgesaugt, um das Einfließen der Flüssigkeit zu erleichtern.

Sehr zähe Materialien, die nicht gegossen werden können, werden häufig auf eine Positivform oder darüber liegende Textil- bzw. Verstärkungslagen aufgestrichen.

Aus der EP 201 884 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung einer Prothese mit einem Schaft bekannt, bei dem Polster aus einem viskoelastischen Material in eine konventionelle Wickel-Guß-Technik einbezogen werden. Der Schaft aus den getränkten Wickelbandagen ist relativ steif. Die Polster können Druckstellen mindern, jedoch Druck- und Scherkräfte wegen mangelnder Elastizität nicht optimal weiterleiten.

Aus der EP 650 708 B1 ist ein vielstufiges Verfahren zum Herstellen eines Schafts und einer Einlage bekannt, das u. a. einen Vollkontakt zwischen Schaft und Stumpf sowie eine bessere Stoß- und Scherkraftübertragung sichern soll. Die weiche elastische Einlage besteht aus einem viskoelastischen Polyurethan, das aus einem aromatischen Diisocyanat und elastisch machenden Polyolen hergestellt wurde. Die zweiteilige Form aus Schaft und individuell auf dem Stumpf dehnbar geformter Einlage ist für den Benutzer mühsam anzulegen und wird oft als einengend empfunden. Die Einlage erübrigt nicht, dass auch der Schaft für höheren Komfort mit unterschiedlich steifen, elastischen und weichen Bezirken komplexer gestaltet werden sollte.

Es sind weiterhin Schäfte aus formstabilem, jedoch unter Druck reversibel verformbarem weich-elastischen Polyurethan mit innen liegender Verstärkung in Form eines steiferen Rahmens oder Gitters bekannt. Den Rahmen bildet beispielsweise eine carbonfaser-verstärkte gefensterte Polyacrylatschicht. Bei derartigen aus mehreren Einzelschichten gefertigten Schäften hat sich als nachteilig herausgestellt, dass die Schichten sich insbesondere an den Rändern voneinander lösen können und der Schaft mit der Zeit unbrauchbar wird.

Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, einen Schaft aus bereichsweise unterschiedlichen Materialien, bei dem eine Verstärkung von einem Polyurethan umschlossen ist, so auszugestalten und ein für dessen Herstellung geeignetes Verfahren bereitzustellen, dass Ablösungen zwischen einzelnen Schichten, insbesondere zwischen Polyurethan und Verstärkung vermieden werden.

Zur Lösung dieser Aufgabe ist bei einem Verfahren der eingangs genannten Art, bei welchem über der Form eines Gliedmaßenteils oder -stumpfes nacheinander eine erste Polyurethan-Lage, die ein im Guss verarbeitbares Polyurethan (PU) enthält, darauf die Verstärkung und darauf eine weitere Polyurethan-Lage aufgebracht werden, vorgesehen, dass

  • a) an der Position der der Verstärkung unterliegenden PU-Lage ein mit dem noch nicht ausreagierten Polyurethan tränkbares Platzhaltermaterial in Form der gewünschten Gließmaßen-seitigen PU-Lage aufgebracht wird,
  • b) um das Platzhaltermaterial herum die gitter- oder rahmenförmige Verstärkung erstellt wird,
  • c) die Verstärkung abgenommen wird,
  • d) eine erste Polyurethanlage unter Durchtränken des Platzhaltermaterials gegossen wird,
  • e) die Verstärkung auf die freie Polyurethanoberfläche der ersten Polyurethanlage in einem Polymerisationszustand nach Erreichen der Formstabilität und vor dem Ausreagieren wieder aufgesetzt wird,
  • f) ein weiteres mit dem noch nicht ausreagierten Polyurethan tränkbares Platzhaltermaterial in Form der gewünschten weiteren, die Verstärkung umgebenden PU-Lage aufgebracht wird und
  • g) die weitere PU-Lage unter Durchtränken des zweiten Platzhaltermaterials gegossen wird, so dass sich die beiden PU-Lagen dort wo sie in Kontakt treten beim Aushärten des Polyurethans beider PU-Lagen reaktiv verbinden.

Das Polyurethan für die die Verstärkung umgebenden Lagen kann aromatische oder aliphatische Isocyanate enthalten, und ist vorzugsweise ein solches auf Basis aliphatischer Isocyanate, weiter vorzugsweise HDI, was bedeutet, dass wenigstens 50 Gew.-%, weiter vorzugsweise wenigstens 70 Gew.-% der Isocyanate des PU-Gießharzes aliphatischer Natur sein sollten.

Wie üblich wird das PU-Gießharz als Mehrkomponentensystem bereitgestellt, wobei die Komponenten unmittelbar vor Anwendung, d.h. Gießen bzw. Tränken des Platzhaltermaterials, vermischt werden. Eine dieser Komponenten enthält vorzugsweise ein Präpolymer wenigstens eines Isocyanates, wobei aliphatische Isocyanate oder vorwiegend aliphatische Isocyanate bevorzugt sind.

Die Rohstoffe für die Polyurethan-Masse werden so gewählt, dass die Masse gut gießfähig ist und ein Abbindeverhalten zeigt, bei dem die Masse nach Erreichen der Formstabilität für wenigstens ein bis zwei Stunden nicht vollständig durchpolimerisiert ist. Die Auswahl erfolgt durch Vorversuche im Rahmen der oben grundsätzlich angegebenen Zusammensetzung. Die Masse kann eingefärbt sein, z.B. hautfarben, wie grundsätzlich im Stand der Technik bekannt.

Der Aufbau des Schaftes oder der Halterung über der Stumpf- bzw. Gliedmaßenform erfolgt erfindungsgemäß in mehreren Schritten und wird im Allgemeinen auf einem zuvor angefertigten Positivmodell (z.B. Gipsmodell) des Gliedmaßenteils oder Stumpfes durchgeführt.

Die die Verstärkung umgebenden PU-Lagen können, falls dies gewünscht wird, ihrerseits von weiteren Lagen umgeben sein. Hierfür kommen verschiedene Coatings, aber auch nach außen gerichtete, zusätzliche schützende Lagen, wie z.B. textile Abdeckungen und dergleichen in Frage. Sofern im Innern des Schafts weitere Lagen vorgesehen wären, würden diese zunächst auf die Positivform aufgebracht. Ansonsten beginnt man mit Schritt a), nachdem gegebenenfalls ein Trennmittel oder eine Trennfolie auf die Positivform aufgebracht wurde.

Als Schritt a) wird an der räumlichen Position, an der die der Verstärkung unterliegenden PU-Lage vorgesehen ist, ein mit dem noch nicht ausreagierten Polyurethan (d.h. der vorbereiteten, gießfähigen PU-Masse, die auch als Gießharz bezeichnet wird) tränkbares Platzhaltermaterial in Form der gewünschten Gließmaßen-seitigen PU-Lage aufgebracht. Durch dieses Platzhaltermaterial wird die Form der späteren PU-Lage modelliert bzw. vorgegeben. Je nach Form der späteren Halterung und des Gliedmaßenbereichs nimmt das Platzhaltermaterial die Form einer Lage (Schicht), Manschette oder Tasse ein.

In Weiterbildung der Erfindung kann für den Gießvorgang um das Platzhaltermaterial herum eine Trennfolie gelegt werden, die nach dem Aushärten des Gießharzes oder nach Erreichen der Formstabilität der Lage abgezogen wird. Eine solche Trennfolie wäre nicht nötig, wenn das Platzhaltermaterial alternativ durch Begießen von außen durchtränkt werden könnte ohne dass die Gießmasse abtropft. Bei den derzeit bevorzugten Ausführungsbeispielen wird hingegen jeweils eine Trennfolie verwendet, und das Hineinfließen der Gussmasse in den Zwischenraum zwischen Positivform oder unterliegenden Schichten einerseits und Folie andererseits wird gegebenenfalls durch Absaugen der verdrängten Luft unterstützt. Solche Gießverfahren sind dem Fachmann grundsätzlich bekannt.

In Schritt b) wird danach um das Platzhaltermaterial herum die gitter- oder rahmenförmige Verstärkung erstellt.

Diese gitter- oder rahmenförmige Verstärkung ist vorzugsweise aus einem Hartpolymer, d.h. allgemein einem Werkstoff mit einer höheren Steifigkeit als das vorgesehene Polyurethan. Besonders geeignet sind faserverstärkte Kunststoffe. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist die gitter- oder rahmenförmige Verstärkung eine nach dem Aushärten gefensterte über der ersten PU-Lage geformte oder gegossene verstärkte Polyacrylatlage sein. Die Herstellung derartiger Polyacrylat-Verstärkungen ist dem Fachmann bekannt. Die Lage wird zunächst in Form einer harten Schale über die darunter liegende PU-Schicht laminiert oder auch gegossen, nach dem Aushärten abgenommen und an den Stellen, die innerhalb des Schaftes weniger steif sein sollen gefenstert, d.h. ausgeschnitten. Die gitterartige Verstärkung könnte jedoch auch anders hergestellt werden. Beispielsweise könnten über einer Trennfolie Stege aus einem geeigneten im ausgehärteten Zustand genügend steifen Material auf der unterliegenden PU-Lage aufgespritzt werden, metallische Schienen könnten ebenfalls einbezogen werden, z.B. auf eine gitterförmige textile Schicht aufgeklebt werden, usw. Vorzugsweise ist die gefensterte Polyacrylatlage carbonfaserverstärkt. Hierfür wird das Acrylharz auf Carbonfasermatten bzw. -bandagen aufgegossen.

Nachdem nun die Verstärkung in Schritt c) abgenommen wurde, kann in Schritt d) eine erste Polyurethanlage gegossen werden, und zwar entweder in bevorzugter Ausführung unter Durchtränken des Platzhaltermaterials oder indem um das Platzhaltermaterial herum in üblicher Weise eine Negativform erstellt wird, das Platzhaltermaterial danach entfernt wird und in den Zwischenraum zwischen Negativform und Unterlage der Schicht eine Polyurethan-Gussmasse für eine reine, unverstärkte Lage eingegossen wird. Ein entsprechendes Verfahren ist beispielsweise in der EP 650 708 für den Guss einer Schafteinlage beschrieben.

Das Platzhaltermaterial ist vorzugsweise ein in wenigstens einer Schicht aufgebrachtes textiles, weiter vorzugsweise gewirktes Material. Dieses Material wird bevorzugt mit der Gussmasse gefüllt, so dass ein Laminat entsteht.

Insbesondere kann das textile Material strumpf- oder sockenförmig sein, wobei vorzugsweise mehrere Strümpfe oder Socken übereinander gezogen werden. Ein elastisch gewirktes Material ist dabei besonders vorteilhaft. Es können auch Binden verwendet werden.

Alternativ kann das Platzhaltermaterial aus einer porösen Manschette bestehen, vorzugsweise aus einem Polyurethanschaum. Auch ein solches offenzelliges poröses Material kann mit dem PU-Gießharz gefüllt werden. Andere Platzhaltermaterialien sind denkbar, sofern sie den hier beschriebenen Zweck erfüllen.

Noch vor dem Ausreagieren des PU-Gießharzes wird nun die in der Regel vorhandene Trennfolie oder Gussbegrenzungslage abgezogen, sobald dies möglich ist und die PU-Lage dabei unverändert und stabil bleibt. Anschließend wird in Schritt e) die zuvor abgenommene Verstärkung auf die freie Polyurethanoberfläche der ersten Polyurethanlage wieder aufgesetzt. Die Polyurethanlage befindet sich dabei in einem Polymerisationszustand nach Erreichen der Formstabilität und vor dem Ausreagieren.

Sofort wird nun in Schritt f) ein weiteres mit dem noch nicht ausreagierten Polyurethan tränkbares Platzhaltermaterial für eine weitere die Verstärkung umgebenden PU-Lage aufgebracht wie zuvor für die erste PU-Lage, und anschließend wird in Schritt g) die weitere PU-Lage in entsprechender Weise wie für die erste Lage beschrieben gegossen, d.h. vorzugsweise unter Durchtränken des zweiten Platzhaltermaterials, so dass sich die beiden PU-Lagen dort wo sie in Kontakt treten beim Aushärten des Polyurethans beider PU-Lagen reaktiv verbinden. Die zweite Platzhaltermaterial-Lage wird in der gleichen Weise aufmodelliert wie zuvor die erste Lage und auch das Gießen erfolgt in der oben für die erste Lage schon beschriebenen Weise.

Das Verfahren bewirkt, dass sich die beiden Polyurethan-Lagen, die die Verstärkung einschließen, wie eine zusammenhängende Lage verhalten, da das Polyurethan gemeinsam durchhärtet. Die Polymerisationsreaktion durchdringt also nicht nur jeweils eine Schicht, sondern findet übergreifend in beiden Schichten und auch quer durch die Kontaktfläche statt. Die Verstärkung wird vollständig eingeschlossen und in den gefensterten Bereichen bzw. innerhalb der Maschen einer gitterartigen Verstärkung oder in einem Rahmeninneren von einer einheitlich durchpolymerisierenden Masse durchdrungen. Es kann daher nicht zur Trennung der dem Schaftaufbau nach ursprünglich einzeln zu betrachtenden Schichten kommen.

Die Fläche, in der die Polyurethanschichten in Kontakt treten (Kontaktfläche), befindet sich im Allgemeinen am Schaftrand, d.h. dass die Verstärkung gegenüber den PU-Lagen verkürzt ist und sich nicht bis zum Schaftrand erstreckt, und auch innerhalb aller Ausnehmungen der Verstärkung, wie oben beschrieben.

Auf die Schaftaußenseite können weitere Schichten aufgebracht werden, z.B. eine dekorative Schicht, eine textile Abdeckung oder dergleichen.

Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung kann zusätzlich auf die gegitterte Verstärkung (d.h. im allgemeinen rundum auf die fertiggestellte, abgenommene Verstärkung) und/oder auf wenigstens eine der frisch gegossenen Lagen innerhalb dieses Gussverfahrens ein Primer, Haftvermittler oder Klebstoff, vorzugsweise aus einer Polymerlösung, aufgebracht werden. Derartige Primer sind dem Fachmann für die verschiedenen Kunststoffe, auch für Polyurethane bekannt. Häufig handelt es sich hierbei um ggf. funktionalisierte Polymere in organischen Lösungsmitteln, die den zu behandelnden Kunststoff aufquellen oder anlösen können. Es kann sich auch um Präpolymere in Substanz handeln, auch hier sind Mehrkomponentensysteme, die erst kurz vor Verwendung des Primers, Haftvermittlers oder Klebstoffs gemischt werden, möglich.

Die Erfindung umfasst daher zur Lösung der Aufgabe auch allgemein eine Halterung, die am menschlichen Körper anzubringen ist und die in ihrem Kernbereich eine gitter- oder rahmenartige Verstärkung mit einer zu deren unmittelbarer Umgebung relativ höheren Steifigkeit enthält, wobei die Verstärkung von einem einheitlich zu Ende reagierten Bereich aus einem Gießharz mit relativ zur Verstärkung geringerer Steifigkeit umgeben und in ihren Ausnehmungen durchdrungen ist.

Das Gießharz ist vorzugsweise wie oben ausgeführt ein polyurethyanbasiertes Material, vorzugsweise ein solches auf Basis aliphatischer oder vorwiegend aliphatischer Isocyanate. Das PU-basierte Material kann insbesondere ein Laminat aus dem PU und einem textilen, vorzugsweise gewirkten Material sein. Die Halterung ist bevorzugt ein Prothesenschaft oder ein Orthesenteil.

Im Folgenden wird die Erfindung anhand eines Beispiels näher beschrieben. Das Beispiel dient allein der Illustration und nicht der Beschränkung der oben dargelegten Erfindung.

BEISPIEL SCHAFTGUSS Materialien:

  • 1. PU HDI-basiertes Mehrkomponentensystem
  • 2. Platzhaltermaterial elastische, gewirkte Strümpfe aus Polyamid
  • 3. Verstärkung carbonverstärktes Polyacrylat (z.B. Bayer oder Röhm Chemie)
  • 4. Trennfolien aus PVA

Verfahren

Es wird in üblicher und bekannter Weise ein Positivabguss eines Stumpfes hergestellt (Für die leichtere Handhabung kann eine Stange als Griffstange eingearbeitet werden) Auf den Positivabguss wird eine Trennfolie aufgelegt. Auf diese Trennfolie wird das erste Platzhaltermaterial für die erste PU-Lage aufgebracht. Hierfür werden Strümpfe in mehreren Schichten aufgezogen und geformt. Im Gegensatz zu bekannten Gießverfahren, wird das Platzhaltermaterial nun nicht mit Gießharz getränkt, sondern stattdessen mit einer weiteren Folie überzogen. Hierauf wird in üblicher Weise der Verstärkungsrahmen gearbeitet: Der Verstärkungsbereich wird mit Carbonmatten abgedeckt und mit Acrylharz getränkt. Die Verstärkung wird aushärten gelassen und danach abgenommen. Die dann oben liegende Trennfolie wird abgezogen. Die Verstärkung wird wie gewünscht bearbeitet und gefenstert (ggf. auch mit Primer bestrichen). Nun erst wird die unter der Verstärkung liegende PU-Schicht gegossen. Nachdem sich dieses Polyurethan soweit verfestigt hat, dass es eine hinreichende Formstabilität besitzt und noch nicht ausgehärtet ist, wird (ggf. mit Primer bestrichen und) zügig die gefensterte Verstärkung aufgesetzt, die Platzhalterschicht für die sich anschließende PU-Lage aufgebracht (wie oben schon für die erste Schicht beschrieben, ggf. wird mit Primer behandelt) und die außen um die Verstärkung sich erstreckende PU-Schicht gegossen. Beide PU-Schichten können nun gemeinsam aushärten und sich verbinden. Zusätzliche Schichten sind möglich. Elemente wie Ventile, Stutzen, Pendelaufhängung usw. werden wie üblich angebracht.


Anspruch[de]
Verfahren zum Gießen einer Halterung, die am menschlichen Körper anzubringen ist, in Form eines Prothesenschaftes oder eines Orthesenteils mit innen liegender, gitter- oder rahmenförmiger Verstärkung, bei welchem über der Form eines Gliedmaßenteils oder -stumpfes nacheinander eine erste Polyurethan-Lage, die ein im Guss verarbeitbares Polyurethan (PU) enthält, darauf die Verstärkung und darauf eine weitere Polyurethan-Lage aufgebracht werden, dadurch gekennzeichnet, dass

a) an der Position der der Verstärkung unterliegenden PU-Lage ein mit dem noch nicht ausreagierten Polyurethan tränkbares Platzhaltermaterial in Form der gewünschten Gließmaßenseitigen PU-Lage aufgebracht wird,

b) um das Platzhaltermaterial herum die gitter- oder rahmenförmige Verstärkung erstellt wird,

c) die Verstärkung abgenommen wird,

d) die erste Polyurethanlage unter Durchtränken des Platzhaltermaterials gegossen wird,

e) die Verstärkung auf die freie Polyurethanoberfläche der ersten Polyurethanlage in einem Polymerisationszustand nach Erreichen der Formstabilität und vor dem Ausreagieren wieder aufgesetzt wird,

f) ein weiteres mit dem noch nicht ausreagierten Polyurethan tränkbares Platzhaltermaterial in Form der gewünschten weiteren, die Verstärkung umgebenden PU-Lage aufgebracht wird und

g) die weitere PU-Lage unter Durchtränken des zweiten Platzhaltermaterials gegossen wird, so dass sich die beiden PU-Lagen dort wo sie in Kontakt treten beim Aushärten des Polyurethans beider PU-Lagen reaktiv verbinden.
Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Polyurethan für die die Verstärkung umgebenden Lagen ein solches auf Basis aliphatischer Isocyanate ist, vorzugsweise auf Basis von HDI. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die gitter- oder rahmenförmige Verstärkung eine nach dem Aushärten gefensterte über der ersten PU-Lage geformte oder gegossene verstärkte Polyacrylatlage ist. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die gefensterte Polyacrylatlage carbonfaserverstärkt ist. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass für den Gießvorgang um das Platzhaltermaterial eine Trennfolie gelegt wird, die nach dem Aushärten des Gießharzes oder nach Erreichen der Formstabilität der Lage abgezogen wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Platzhaltermaterial ein in wenigstens einer Schicht aufgebrachtes textiles, vorzugsweise gewirktes Material ist. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das textile Material strumpf- oder sockenförmig ist und vorzugsweise mehrere Strümpfe oder Socken übereinander gezogen werden. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Platzhaltermaterial aus einer porösen Manschette besteht, vorzugsweise aus einem Polyurethanschaum. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die erste PU-Lage auf einen Positivabguss des mit der Halterung zu versehenden Stumpfes oder Gliedmaßenteils aufgebaut wird, vorzugsweise über einer Trennfolie oder einem Trennmittel. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass in einem zusätzlichen Zwischenschritt auf das Platzhaltermaterial eine Negativform aufgebaut wird, das Platzhaltermaterial entfernt wird und die PU-Lage in den Hohlraum zwischen Negativform und Unterlage des entfernten Platzhaltermaterials gegossen wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dass zusätzlich auf die gegitterte Verstärkung und/oder auf wenigstens eine der frisch gegossenen Lagen ein Primer, Haftvermittler oder Klebstoff, vorzugsweise aus einer Polymerlösung, aufgebracht wird. Halterung, die am menschlichen Körper anzubringen ist und die in ihrem Kernbereich eine gitter- oder rahmenartige Verstärkung mit einer zu deren unmittelbarer Umgebung relativ höheren Steifigkeit enthält, wobei die Verstärkung von einem einheitlich zu Ende reagierten Bereich aus einem Gießharz mit relativ zur Verstärkung geringerer Steifigkeit umgeben und in ihren Ausnehmungen durchdrungen ist. Halterung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass das Gießharz ein polyurethyanbasiertes Material, vorzugsweise ein solches auf Basis aliphatischer oder vorwiegend aliphatischer Isocyanate, ist. Halterung nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Halterung ein Prothesenschaft oder ein Orthesenteil ist. Halterung nach einem der Ansprüche 12 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass das PU-basierte Material ein Laminat aus dem PU und einem textilen, vorzugsweise gewirkten Material ist.






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