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Dokumentenidentifikation DE102006035153A1 22.11.2007
Titel Karosserie für ein gepanzertes Kraftfahrzeug
Anmelder AUDI AG, 85057 Ingolstadt, DE
Erfinder Mächtlen, Jörg, 74348 Lauffen, DE
DE-Anmeldedatum 29.07.2006
DE-Aktenzeichen 102006035153
Offenlegungstag 22.11.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 22.11.2007
IPC-Hauptklasse F41H 7/04(2006.01)A, F, I, 20060729, B, H, DE
IPC-Nebenklasse F41H 5/26(2006.01)A, L, I, 20060729, B, H, DE   
Zusammenfassung Bei einer Karosserie für ein gepanzertes Kraftfahrzeug mit mehreren tragenden Karosserieabschnitten und einer geschosshemmenden Panzerung ist vorgesehen, dass wenigstens einer der tragenden Karosserieabschnitte aus einem ballistisch wirksamen Material gebildet ist.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine Karosserie für ein gepanzertes Kraftfahrzeug mit mehreren tragenden Karosserieabschnitten und einer geschosshemmende Panzerung.

Allgemein bekannt sind gepanzerte Kraftfahrzeuge, die eine Karosserie aufweisen, bei der tragende Karosserieabschnitte, beispielsweise die Karosseriesäulen (z. B. A-Säule, B-Säule, C-Säule), Längsträger (z. B. Schweller und Dachlängsträger) und Querträger (z. B. Bodenquerträger und Dachquerträger), mit einer aufgedoppelten geschosshemmenden Panzerung versehen sind. Im Regelfall besteht die geschosshemmende Panzerung aus einem ballistischen Stahl oder einem anderen geeigneten ballistisch wirksamen Material. Um beispielsweise die Karosseriesäulen mit einer Panzerung zu versehen, ist es notwendig, diese teilweise auszuschneiden bzw. auszuhöhlen, so dass die geschosshemmende Panzerung eingeschraubt werden kann. Zudem müssen die Karosseriesäulen angebohrt werden, damit die Panzerung angeschraubt werden kann. Durch das Ausschneiden, Aushöhlen und Anbohren der Karosseriesäulen bzw. deren Modifikation, wird die ursprüngliche Funktion beeinträchtigt. Die Karosseriesäulen sind vor der Modifikation derart gestaltet, dass diese vorgegebene Crash-Anforderungen, beispielsweise beim Seitenaufprall, erfüllen. Diese Funktion kann die Säulenkonstruktion nach der Modifikation in der Regel nicht mehr übernehmen. Zwar übernimmt die Panzerung ebenfalls die Funktion eines Seitenaufprallschutzes, jedoch ist diese Funktion in dem eigentlichen Bauteil, nämlich der Säulenkonstruktion, nicht mehr gegeben.

Nachteilig ist des weiteren, dass an den tragenden Karosserieabschnitten umfangreiche Nacharbeiten zur Rohbaumodifikation vorgenommen werden müssen, damit die Karosserieabschnitte die durch die Panzerung geänderten Anforderungen erfüllen können. So muss zum Beispiel die B-Säule in dem Bereich, in dem ein Scharnier zum Anbinden einer Fahrzeugtür angebracht werden soll, durchgängig ausgeschnitten werden, damit das Scharnier mit einer Verlängerung des ballistischen Stahls oder einer Verstärkungshülse verbunden werden kann. Aufgrund des hohen Gewichts einer gepanzerten Fahrzeugtür kann das Scharnier nicht an dem üblichen Serienblech der B-Säule angebracht werden.

Aus dem allgemeinen Stand der Technik ist es ferner bekannt, tragende Karosserieabschnitte in Schalenbauweise aus einer Blechinnenschale und einer Blechaußenschale zu bilden. Die Blechinnenschale umschließt dabei zusammen mit der Blechaußenschale einen Hohlraum. Bei bekannten gepanzerten Kraftfahrzeugen befinden sich die Panzerelemente häufig in solchen Hohlräumen. Dazu können die Panzerelemente vor dem Verbinden der Blechinnenschale mit der Blechaußenschale an einer der beiden Schalen angeklebt oder angeschweißt werden.

Darüber hinaus ist es aus der DE 197 07 462 C1 bekannt, einen derartigen Hohlraum mit einer aushärtenden Vergussmasse auszugießen, die eine Vielzahl regellos angeordneter, energieverzehrender Körper und/oder ballistische Gewebeteile enthält.

Von Nachteil bei allen aus dem Stand der Technik bekannten Karosserien für ein gepanzertes Kraftfahrzeug ist es, dass ein erheblicher Montageumfang zum Anbringen der geschosshemmenden Panzerung notwendig ist und zudem die ursprüngliche Funktion der tragenden Karosserieabschnitte, dadurch dass diese ausgeschnitten, angeschnitten, ausgehöhlt und durchgebohrt werden, beeinträchtigt wird.

Zudem weisen die aus dem allgemeinen Stand der Technik bekannten Karosserien für ein gepanzertes Kraftfahrzeug ein hohes Gewicht sowie gegenüber der Serienkarosserie einen verringerten Bauraum und einen verringerten Innenraum (Komfortraum) auf.

Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Karosserie für ein gepanzertes Kraftfahrzeug zu schaffen, die einen möglichst geringen Montageumfang verursacht, wobei die Funktion der tragenden Karosserieabschnitte weitgehend erhalten bleiben soll.

Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die in Anspruch 1 genannten Merkmale gelöst.

Dadurch, dass wenigstens einer der tragenden Karosserieabschnitte aus einem ballistisch wirksamen Material gebildet ist, müssen an diesem tragenden Karosserieabschnitt keine nachträglichen Montagemaßnahmen vorgenommen werden, um diesen geschosshemmend zu gestalten. Zusätzliche Bauteile sind somit nicht mehr notwendig. Bislang war es zur Herstellung von gepanzerten Fahrzeugen üblich, zunächst einen Karosserierohbau zu erstellen, wie dies für ungepanzerte Serienfahrzeuge der Fall ist. Erst anschließend wurde mit verschiedenen Methoden eine geschosshemmende Panzerung aufgetragen. Dies führt sowohl zu einer Beeinträchtigung der gewünschten Funktion der tragenden Karosserieabschnitte als auch zu einem erhöhten Gewicht und einem erhöhten Montageaufwand. Der Erfinder hat nunmehr erkannt, dass dies alles zumindest bei einigen geeigneten tragenden Karosserieabschnitten eingespart werden kann. Grundsätzlich könnten alle tragenden Karosserieabschnitte aus einem ballistisch wirksamen Material gebildet werden, jedoch wird der Fertigungsaufwand hierfür umso höher, je mehr Schnittstellen der tragende Karosserieabschnitt aufweisen muss.

Von Vorteil ist es, wenn zumindest die B-Säulen aus einem ballistisch wirksamen Material gebildet sind. Bei den B-Säulen handelt es sich um tragende Karosserieabschnitte, die wenige Schnittstellen aufweisen und hinsichtlich ihrer Form einfach aus einem ballistisch wirksamen Material ausgebildet werden können. Bei der Herstellung einer Karosserie für ein gepanzertes Kraftfahrzeug kann somit anstelle einer B-Säule für ungepanzerte Serienfahrzeuge von vornherein eine B-Säule eingesetzt werden, die aus einem ballistisch wirksamen Material gebildet ist. Die aus dem ballistisch wirksamen Material gebildete B-Säule kann dabei Schnittstellen zur Anbindung an einen Schweller bzw. einen Dachzug des Karosserierohbaus aufweisen, wie dies bei B-Säulen für ungepanzerte Kraftfahrzeuge üblich ist. Der Einsatz einer B-Säule aus einem ballistisch wirksamen Material zum Aufbauen eines Karosserierohbaus ist somit nicht aufwändiger wie der Einsatz einer ungepanzerten B-Säule.

Die Ausbildung von tragenden Karosserieabschnitten aus einem ballistisch wirksamen Material hat zudem den Vorteil, dass in kostengünstiger Weise Serien-Verkleidungsteile im Innenraum des Kraftfahrzeugs angebracht werden können. Gemäß dem Stand der Technik war dies nicht möglich, da die tragenden Karosserieabschnitte durch das nachträgliche Einbringen einer geschosshemmenden Panzerung derart verändert wurden, dass Serien-Verkleidungsteile nicht mehr angebracht werden konnten.

Eine Ausbildung von tragenden Karosserieabschnitten aus einem ballistisch wirksamen Material hat außerdem den Vorteil, dass sowohl der Bauraum als auch der Innenraum des Kraftfahrzeugs (Komfortraum) nicht reduziert wird. Eine nachträglich aufzubringende geschosshemmende Panzerung hat in Abhängigkeit deren Ausgestaltung entweder den Innenraum des Kraftfahrzeugs verkleinert und/oder Hohlräume ausgefüllt, die somit nicht mehr als Bauraum zur Verfügung stehen.

Die erfindungsgemäße Lösung führt zudem zu einer erheblichen Kosteneinsparung durch die Reduzierung der Nacharbeiten zur Rohbaumodifikation. Außerdem wird eine Gewichtseinsparung erreicht.

In einer sehr vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung kann vorgesehen sein, dass die B-Säule wenigstens eine Aussparung zur Aufnahme wenigstens eines Scharniers zum Anbinden einer Fahrzeugtür aufweist. Das Scharnier, bei dem es sich beispielsweise um ein Frästeil handeln kann, kann somit in einfacher Weise in die B-Säule eingesetzt werden. Die B-Säule kann hierzu vorzugsweise aus einem ballistischen Stahl gebildet sein und beispielsweise im Tiefziehverfahren hergestellt werden.

Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den restlichen Unteransprüchen. Nachfolgend ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der Zeichnung prinzipmäßig dargestellt.

Es zeigt:

1 eine Seitenansicht von außen auf eine B-Säule;

2 einen Querschnitt durch eine B-Säule gemäß der Linie II-II der 1;

3 einen Querschnitt durch eine B-Säule gemäß der Linie III-III der 1; und

4 einen Längsschnitt durch ein Ende der B-Säule, welches einem Schweller zugewandt ist, gemäß der Linie IV-IV.

Die 1 zeigt einen Ausschnitt einer Karosserie 1 für ein gepanzertes Kraftfahrzeug. Der dargestellte Ausschnitt der Karosserie 1 zeigt mehrere tragende Karosserieabschnitte, die als B-Säule 2, Dachzug 3 und Schweller 4 ausgebildet sind. Üblicherweise weist eine Karosserie 1 noch weitere tragende Karosserieabschnitt, wie z. B. A-Säulen, C-Säulen und dergleichen, auf, die für das Verständnis der Erfindung jedoch nicht erforderlich und daher im Ausführungsbeispiel nicht dargestellt sind.

Der dargestellte Dachzug 3 und der Schweller 4 sind jeweils mit einer geschosshemmenden Panzerung gemäß dem Stand der Technik versehen. Die B-Säule 2 ist im Gegensatz dazu aus einem ballistisch wirksamen Material gebildet. Im Ausführungsbeispiel nicht dargestellt, jedoch selbstverständlich vorgesehen, ist, dass auch die zweite B-Säule aus einem ballistisch wirksamen Material gebildet ist. Grundsätzlich können auch weitere oder alle anderen tragenden Karosserieabschnitte, wie zum Beispiel der Dachzug 3, der Schweller 4, die A-Säulen und die C-Säulen aus einem ballistisch wirksamen Material gebildet sein.

Im Ausführungsbeispiel ist das ballistisch wirksame Material ballistischer Stahl.

Die in 1 und im Querschnitt in den 2 und 3 dargestellte B-Säule 2 kann eine Form aufweisen, wie dies bei B-Säulen für ungepanzerte Kraftfahrzeuge bekannt ist. Somit lässt sich die aus ballistischem Stahl gebildete B-Säule 2 in einfacher Weise für den Aufbau eines Karosserierohbaus verwenden.

Wie aus den 1 und 2 ersichtlich ist, weist die B-Säule 2 eine Aussparung 5 zur Aufnahme eines Scharniers 6 zum Anbinden einer nicht dargestellten Fahrzeugtür auf. Bei dem Scharnier 6 kann es sich hierbei um ein Frästeil handeln, das in die Aussparung 5 eingesetzt wird.

Wie aus 2 und 3 prinzipmäßig ersichtlich ist, ist die B-Säule 2 von einem hinlänglich bekannten Karosserieblech 7, welches auch für herkömmliche ungepanzerte Kraftfahrzeuge Verwendung findet, verkleidet. Das Karosserieblech 7 kann dabei vorzugsweise durch Kleben oder Umbördeln mit der B-Säule 2 verbunden werden.

Aus einer Zusammenschau der 1 und 4 ist ersichtlich, dass die B-Säule 2 im Bereich ihres dem Schweller 4 zugewandten Endes mit einem Zugband 8 versehen ist, welches derart angeordnet ist, dass der Schweller 4 von dem Zugband 8 und einem Endteil 9a der B-Säule 2 umfasst ist. Somit ergibt sich sowohl eine stabile Verbindung als auch eine vorteilhafte Abstützung der B-Säule 2 auf dem Schweller 4. Durch die Verbindung ergibt sich zudem ein vorteilhaftes Crashverhalten. Die Verbindung zwischen dem Endteil 9a bzw. dem Zugband 8 und dem Schweller 4 kann vorzugsweise über eine Verschraubung erfolgen.

Der Verlauf des Schwellers 4 zwischen dem Endteil 9a der B-Säule 2 und dem Zugband 8 ergibt sich aus der Schnittdarstellung gemäß 4. Der Schweller 4 kann dabei mit einer geschosshemmenden Panzerung 10 versehen sein, die sogenannte Schweller-Panzerung, die ebenfalls mit der B-Säule 2 verbunden werden kann. Vorzugsweise kann dies über eine Verschraubung erfolgen.

Im Ausführungsbeispiel ist ferner vorgesehen, dass das Zugband 8 mit der B-Säule 2 durch Verschrauben verbunden ist.

Das dem Schweller 4 gegenüberliegende Endteil 9b der B-Säule kann auf herkömmliche Weise mit dem Dachzug 3 und gegebenenfalls einer nicht dargestellten Dachpanzerung verbunden werden.


Anspruch[de]
Karosserie für ein gepanzertes Kraftfahrzeug mit mehreren tragenden Karosserieabschnitten und einer geschosshemmende Panzerung, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens einer der tragenden Karosserieabschnitte (2, 3, 4) aus einem ballistisch wirksamen Material gebildet ist. Karosserie nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die B-Säulen (2) aus einem ballistisch wirksamen Material gebildet sind. Karosserie nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das ballistisch wirksame Material ballistischer Stahl ist. Karosserie nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die B-Säule (2) wenigstens eine Aussparung (5) zur Aufnahme wenigstens eines Scharniers (6) zum Anbinden einer Fahrzeugtür aufweist. Karosserie nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die B-Säule (2) im Bereich ihres einem Schweller (4) zugewandten Endes mit einem Zugband (8) versehen ist, welches derart angeordnet ist, dass der Schweller (4) von dem Zugband (8) und einem Endteil (9a) der B-Säule (2) umfasst ist. Karosserie nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass eine Panzerung (10) des Schwellers (4) mit dem Endteil (9a) der B-Säule (2) verbunden ist. Karosserie nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass ein dem Schweller (4) gegenüberliegendes Endteil (9b) der B-Säule (2) mit einem Dachzug (3) der Karosserie (1) verbunden ist.






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