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Dokumentenidentifikation DE102006022875A1 06.12.2007
Titel Kontrollvorrichtung und Verwendung für den Einstich durch die Bauchdecke
Anmelder Olympus Winter & Ibe GmbH, 22045 Hamburg, DE
Erfinder Kraas, Mathias, Dr., 25489 Haseldorf, DE;
Mückner, Andreas, 22147 Hamburg, DE;
Klöckner, Stephan, 22147 Hamburg, DE
Vertreter Patentanwälte Schaefer Emmel Hausfeld, 22043 Hamburg
DE-Anmeldedatum 15.05.2006
DE-Aktenzeichen 102006022875
Offenlegungstag 06.12.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 06.12.2007
IPC-Hauptklasse A61B 5/05(2006.01)A, F, I, 20060515, B, H, DE
IPC-Nebenklasse A61B 17/34(2006.01)A, L, I, 20060515, B, H, DE   A61B 17/00(2006.01)A, L, I, 20060515, B, H, DE   
Zusammenfassung Eine chirurgische Vorrichtung (8, 11) zur Vorkontrolle des Einstichortes (5, 6, 7) eines laparoskopischen Trokars durch die Bauchdecke (1) ist dadurch gekennzeichnet, daß die Vorrichtung als auf dem Einstichort (5, 6, 7) plazierbare, an eine Wirbelstrommeßeinrichtung (11) angeschlossene Spulenanordnung (9) ausgebildet ist.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung nach dem Oberbegriff des Anspruches 1 und einer Verwendung nach Anspruch 2.

Bei der laparoskopischen Operationstechnik werden endoskopische Schaftinstrumente durch Einstichöffnungen in den üblicherweise mit CO2 aufgeblasenen Bauchraum eingeführt.

Wenn der Bauchraum bereits aufgeblasen ist und mit einem Instrument von innen betrachtet werden kann, so sind weitere Einstiche risikolos möglich. Kritisch ist jedoch der erste Einstich, bei dem die Bauchdecke durchstochen werden muß, ohne darunterliegende Organe zu schädigen. Das ist schwierig, auch wenn in üblicher Technik die Bauchdecke am Einstichort von darunterliegenden Organen abgehoben wird.

Probleme bestehen insbesondere dann, wenn, was häufig vorkommt, die Bauchdecke mit darunterliegenden Organen verwachsen ist. Es wird daher stets eine Vorrichtung zur Vorkontrolle des Einstichortes verwendet.

Bekannte gattungsgemäße Vorrichtungen sind Einstichinstrumente. Die bekannte Veress-Nadel ist eine Hohlnadel mit einem innenliegenden, von einer Feder vorgeschobenen, Stab. Wird die Veress-Nadel durch die Bauchdecke gestochen und schiebt sich anschließend der innere Stab problemlos vor, so befindet sich unter der Bauchdecke ein Hohlraum, so daß an diesem Einstichort problemlos ein dikkerer Trokardorn eingestochen werden kann. Andere bekannte Vorrichtungen sind z.B. als Trokardorn mit eingebauter Optik ausgebildet. Damit kann unter optischer Beobachtung durch die Bauchdecke gestochen werden. Nach Durchstechen der Bauchdecke kann optisch ermittelt werden, ob dahinter ein Hohlraum oder ein anhängendes Organ liegt.

Die bekannten Kontrollvorrichtungen sind aufwendig, insbesondere auch kompliziert zu bedienen, und führen häufig zu Kontrollfehlern.

Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, die Einstiegkontrolle einfacher und sicherer zu gestalten.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit den Merkmalen des Kennzeichnungsteiles des Anspruches 1 und durch die Verwendung gemäß Anspruch 2 gelöst.

Es ist bekannt, Wirbelstrommessungen auch am Körpergewebe durchzuführen. Eine mit Wechselstrom beaufschlagte Spulenanordnung erzeugt ein Wechselmagnetfeld, das im elektrisch leitfähigen Körpergewebe um die Spulenachse Kreisströme induziert, welche durch Induktion wiederum Gegenströme in der Erzeugerspule oder in einer gesonderten Meßspule erzeugen. Eine Meßeinrichtung kann daraus, gegebenenfalls unter Verwendung unterschiedlicher Frequenzen, Rückschlüsse auf die Leitfähigkeit des Gewebes und somit auf die Gewebeart ziehen.

Die Erfindung verwendet dieses Meßprinzip für eine Vorrichtung zur Vorkontrolle des Einstichortes. Eine Spulenanordnung wird auf dem Einstichort plaziert. Die angeschlossene Wirbelstrommeßeinrichtung kann Aussagen über das unter der Spulenanordnung liegende Gewebe treffen und kann somit insbesondere Aussagen darüber machen, ob am Einstichort unter der Bauchdecke ein Hohlraum oder ein anliegendes Organ liegt. Durch Hin- und Herschieben der Spulenanordnung kann somit sehr einfach und schnell ein geeigneter Einstichort gefunden werden, an dem risikolos ein Trokardorn durch die Bauchdecke gestochen werden kann.

Die erfindungsgemäße Konstruktion bzw. Verwendung ermöglicht das sehr einfache Auffinden eines geeigneten Einstiegortes. Diese Arbeit kann bei der Vorbereitung einer laparoskopischen Operation vom Hilfspersonal z.B. von einem Techniker durchgeführt werden und benötigt aufgrund ihrer Einfachheit und Sicherheit keinen Arzt.

Dabei ist vorzugsweise gemäß Anspruch 3 die Spulenanordnung in einem elastisch biegbaren Scheibenkörper isoliert angeordnet. Der Scheibenkörper kann z.B. aus gummiähnlichem Material bestehen und die Form eines Bierdeckels aufweisen. Er läßt sich somit dem Bauch gut anlegen und ermöglicht die Unterbringung einer oder mehrerer Flachspulen, die über abgehende Kabel an eine Wirbelstrommeßeinrichtung angeschlossen sind.

Vorzugsweise kann dabei der Scheibenkörper gemäß Anspruch 4 ein mittiges Loch aufweisen, das in der Spulenachse liegt und somit an der Stelle höchster Anzeigegenauigkeit plaziert ist. Ist ein geeigneter Ort gefunden, so kann durch das Loch eine Markierung gesetzt werden oder unmittelbar durch das Loch eingestochen werden.

Vorzugsweise können gemäß Anspruch 5 mehrere nebeneinander liegende Spulen vorgesehen sein, die unterschiedliche Signale geben. Damit ist es beispielsweise möglich, über die angeschlossene Meßeinrichtung eine Aussage zu treffen, in welche Richtung durch Verschiebung der Spulenanordnung auf dem Bauch eine günstigere Einstichstelle auffindbar ist.

In der Zeichnung ist die Erfindung beispielsweise und schematisch dargestellt. Es zeigen:

1 einen Schnitt durch einen Bauch mit erfindungsgemäßer Vorrichtung,

2 eine Draufsicht auf die Vorrichtung gemäß 1 und

3 eine Draufsicht auf eine Vorrichtung in anderer Ausführungsform.

1 zeigt im Schnitt durch einen Patientenbauch eine Bauchdecke 1, die zur Vorbereitung eines Einstiches an einer Stelle zu einer Falte 2 angehoben ist, z.B. mittels eines nicht dargestellten Greifinstrumentes. Unter der Bauchdecke befinden sich Bauchorgane 3, die in der Darstellung nicht näher differenziert sind.

Man erkennt in 1, daß durch Anheben der Bauchdecke 1 in der Falte 2 sich die Bauchdecke an dieser Stelle von den Bauchorganen 3 abgehoben hat, bis auf eine Stelle, bei der mit einer Verwachsung 4 die Bauchorgane 3 mit der Bauchdecke 1 verwachsen sind.

Als erster Schritt einer laparoskopischen Operation soll ein erster Einstich vorgenommen werden, um den Bauchraum zwischen Bauchdecke 1 und Organen 3 mit Gas aufzublasen und sodann durch weitere Einstiche Instrumente einzuführen.

Der erste Einstich ist routinemäßig in Richtung des Pfeiles 5 geplant. Es soll nun kontrolliert werden, ob hier ein Einstich risikolos möglich ist oder ob möglicherweise Einstiche an den Stellen der Pfeile 6 oder 7 besser geeignet wären.

Dazu wird ein Scheibenkörper 8, den die 2 in Draufsicht zeigt, am geplanten Einstichort 5 auf die Bauchdecke 1 gelegt. Der Scheibenkörper besteht, wie 1 zeigt, aus elastisch nachgiebigem Material, z.B. aus einem gummiähnlichen Material. In seinem Inneren ist eine elektrische Spulenanordnung elektrisch isoliert angeordnet, die in einem einfachen Ausführungsbeispiel, wie dies 2 zeigt, aus einer Flachspule 9 besteht. Diese ist über zwei Leiter 10 an eine Wirbelstrommeßeinrichtung 11 angeschlossen.

Die Wirbelstrommeßeinrichtung 11 beaufschlagt die Flachspule 9 mit Wechselstrom geeigneter, z.B. variabler Frequenz. Das entstehende Magnetfeld erzeugt um die Achse der Flachspule 9 Wirbelströme im darunterliegenden Körpergewebe. Induktive Rückwirkung beeinflußt den Stromfluß in der Flachspule 9, was von der Wirbelstrommeßeinrichtung ermittelt und z.B. mittels des in 1 auf der Wirbelstrommeßeinrichtung abgebildeten Anzeigeinstrumentes dargestellt werden kann.

Im in 1 dargestellten anatomischen Beispiel ergeben sich beim Verschieben des Scheibenkörpers 8 vom Einstichort 5 zum Einstichort 6 bzw. zum Einstichort 7 unterschiedliche Anzeigen, da am Ort 5 unter der Bauchdecke 1 die Verwachsung 4 völlig andere Ergebnisse ergibt als bei den Einstichorten 6 und 7, bei denen unter der Bauchdecke ein Hohlraum liegt. Der Operateur kann somit durch Hin- und Herschieben des Scheibenkörpers 8 und Beachten der Anzeige auf der Wirbelstrommeßeinrichtung 11 sehr schnell entscheiden, an welcher Stelle er risikolos einstechen kann.

3 zeigt einen ähnlichen Scheibenkörper 8' mit Anschlußkabel 10' zum Anschluß an eine nicht dargestellte Wirbelstrommeßeinrichtung. Der Scheibenkörper 8 weist drei in einem Dreieck nebeneinander liegend angeordnete Spulen 9.1, 9.2 und 9.3 auf. Diese sind, wie 3 zeigt, jeweils über Leitungen durch das Kabel 10' an die Wirbelstrommeßeinrichtung angeschlossen. Bei getrennter Auswertung der Spulen 9.1 bis 9.3 ergibt sich eine Aussage, unter welcher der Spulen ein geeigneter Einstichort liegt bzw. eine Trendangabe dahingehend, daß z.B. in Richtung der Spule 9.3 ein günstigeres Gebiet liegen könnte.

Die in 2 dargestellte Ausführungsform des Scheibenkörpers 8 weist eine Spule 9 auf, die gleichzeitig Sende- und Empfangsspule ist. Es können auch zwei, z.B. konzentrisch angeordnete, Spulen vorgesehen sein, von denen die eine als Sendespule und die andere als Empfangsspule dient.

2 zeigt ferner mutig zur Achse der Spule 9 im Scheibenkörper 8 ein Loch 12. Wenn mit dem Scheibenkörper 8 ein geeigneter Einstichort gefunden ist, kann durch das Loch 12 eine Markierung gesetzt werden oder unmittelbar durch das Loch eingestochen werden.


Anspruch[de]
Chirurgische Vorrichtung (8, 11) zur Vorkontrolle des Einstichortes (5, 6, 7) eines laparoskopischen Trokars durch die Bauchdecke (1), dadurch gekennzeichnet, daß die Vorrichtung als auf dem Einstichort (5, 6, 7) plazierbare, an eine Wirbelstrommeßeinrichtung (11) angeschlossene Spulenanordnung (9) ausgebildet ist. Verwendung einer an eine Wirbelstrommeßeinrichtung (11) angeschlossenen Spulenanordnung (9) als auf dem Einstichort (5, 6, 7) plazierbare Vorrichtung zur Vorkontrolle des Einstichortes (5, 6, 7) eines laparoskopischen Trokars durch die Bauchdecke (1). Vorrichtung oder Verwendung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die flache Spulenanordnung (9) in einem elastisch biegbaren Scheibenkörper (8, 8') aus isolierendem Material angeordnet ist. Vorrichtung oder Verwendung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Scheibenkörper (8) ein mittiges Loch (12) aufweist. Vorrichtung oder Verwendung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Spulenanordnung mehrere nebeneinander liegende Spulen (9.1, 9.2, 9.3) aufweist.






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