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Dokumentenidentifikation DE102006023982A1 06.12.2007
Titel Stuhl
Anmelder Wilkhahn Wilkening + Hahne GmbH & Co. KG, 31848 Bad Münder, DE
Erfinder Gehner, Carsten, 30163 Hannover, DE
Vertreter Rechtsanw. und Pat.-Anw. Dr.-Ing. Dr.jur. Volkmar Tetzner, Pat.-Anw. Dipl.-Ing. Michael Tetzner, 81479 München
DE-Anmeldedatum 22.05.2006
DE-Aktenzeichen 102006023982
Offenlegungstag 06.12.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 06.12.2007
IPC-Hauptklasse A47C 1/032(2006.01)A, F, I, 20060522, B, H, DE
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft einen Stuhl mit einem Sitz, einem Basisträger und einer Rückenlehne, wobei der Sitz schwenkbeweglich am Basisträger und die Rückenlehne schwenkbeweglich am Sitz gehaltert sind und zwischen Basisträger und Sitz ein erstes Federsystem und zwischen Sitz und Rückenlehne ein zweites Federsystem vorgesehen sind. Weiterhin sind Mittel zur Verstellung des Federverhaltens beider Federsysteme vorgesehen, um die Schwenkbeweglichkeit des Sitzes bezüglich des Basisträgers bzw. die Schwenkbeweglichkeit der Rückenlehne bezüglich des Sitzes an unterschiedliche Anforderungen, insbesondere unterschiedlich schwere Benutzer, anpassen zu können.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft einen Stuhl mit einem Sitz, einem Basisträger und einer Rückenlehne.

Aus der Praxis sind die unterschiedlichsten Stuhlkonstruktionen bekannt. Bei der sogenannten Dreipunktmechanik sind der Sitz, der Basisträger und die Rückenlehne über drei Gelenkpunkte derart miteinander gekoppelt, dass sich ein vorgegebenes Synchronverhältnis zwischen Sitzneigung und Rückenlehnenneigung einstellt. Derartige Dreipunktmechaniken stellen hinsichtlich der Drehpunktlage einen Kompromiss zwischen verschiedenen ergonomischen Anforderungen dar, die nicht unabhängig voneinander gelöst werden können.

In der DE-B-103 18 759 wird eine Zweipunktmechanik beschrieben, bei welcher der Sitz unter Zwischenschaltung eines Federsystems schwenkbeweglich am Basisträger gehaltert ist. Es sind weiterhin Mittel vorgesehen, um das Federverhalten dieses Federelements an unterschiedliche Anforderungen anzupassen. Die Rückenlehne ist über eine Gelenkachse mit dem Sitz verbunden, wobei über eine zwischen dem Basisträger, dem Sitz und der Rückenlehne vorgesehene Seilkonstruktion eine Synchronisation zwischen Sitzneigung und Rückenlehnenneigung ermöglicht wird.

Aus der DE-A-43 31 987 ist ein Stuhl bekannt, der eine Zweipunktmechanik aufweist, wobei der Sitz schwenkbeweglich am Basisträger und die Rückenlehne schwenkbeweglich am Sitz gehaltert sind und zwischen Basisträger und Sitz ein erstes Federsystem und zwischen Sitz und Rückenlehne ein zweites Federsystem vorgesehen ist. Die Besonderheit dieses Stuhles besteht darin, dass die Schwenkachse des Sitzes im Bereich der Fußknöchel des Benutzers vorgesehen ist und die Schwenkachse der Rückenlehne zumindest annähernd durch dessen Hüftgelenke verläuft. Die Schwenkbewegung der Rückenlehne bezüglich des Sitzes ist dabei mechanisch nicht mit der Schwenkbewegung des Sitzes bezüglich des Basisträgers gekoppelt.

Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, den Stuhl dahingehend weiterzuentwickeln, dass er sich auf einfacher Art und Weise an unterschiedliche Anforderungen, insbesondere an unterschiedlich schwerer Benutzer, anpassen lässt.

Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die Merkmale des Anspruches 1 gelöst.

Der erfindungsgemäße Stuhl weist im Wesentlichen einen Sitz, einen Basisträger und eine Rückenlehne auf, wobei der Sitz schwenkbeweglich am Basisträger und die Rückenlehne schwenkbeweglich am Sitz gehaltert sind und zwischen Basisträger und Sitz ein erstes Federsystem und zwischen Sitz und Rückenlehne ein zweites Federsystem vorgesehen ist. Weiterhin sind Mittel zur Verstellung des Federverhaltens beider Federsysteme vorgesehen, um die Schwenkbeweglichkeit des Sitzes bezüglich dem Basisträger bzw. die Schwenkbeweglichkeit der Rückenlehne bezüglich dem Sitz an unterschiedliche Anforderungen, insbesondere unterschiedlich schwere Benutzer, anpassen zu können.

Weitere Ausgestaltung der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.

Indem die Schwenkbewegung der Rückenlehne bezüglich des Sitzes mechanisch nicht mit der Schwenkbewegung des Sitzes bezüglich des Basisträgers gekoppelt ist, kann der Stuhl in beiden Schwenkbereichen individuell auf die unterschiedlichsten Anforderungen abgestimmt werden. Durch den Wegfall der mechanischen Kopplung der beiden Gelenke wird für die Stuhlmechanik weniger Bauraum benötigt und eröffnet neue Möglichkeiten beim Stuhldesign.

Gemäß einem bevorzugten Ausführungsbeispiel weist das erste Federsystem wenigstens ein erstes Federelement und das zweite Federsystem wenigstens ein zweites Federelement auf. Weiterhin kann das erste Federelement mit einer ersten Federmechanik und das zweite Federelement mit einer zweiten Federmechanik zusammenwirken.

Die Mittel zur Verstellung des Federverhaltens der beiden Federsysteme können durch Mittel zur Verstellung der Federeigenschaften des ersten und/oder zweiten Federelements und/oder durch Mittel zur Verstellung der ersten und/oder zweiten Federmechanik gebildet werden.

Gemäß einer besonders zweckmäßigen Ausgestaltung sind die Mittel zur Verstellung des Federverhaltens des ersten Federsystems und die Mittel zur Verstellung des Federverhaltens des zweiten Federsystems derart miteinander gekoppelt, dass die Verstellung des Federverhaltens des einen Federsystems automatisch eine Verstellung des Federverhaltens des anderen Federsystems bewirkt. Hierbei können die beiden Federsysteme und die Mittel zur Verstellung des Federverhaltens beider Federsysteme derart aufeinander abgestimmt sein, dass auch für unterschiedlich schwere Benutzer im Wesentlichen das gleiche Synchronverhältnis zwischen Sitzneigung und Rückenlehneneigung ermöglicht wird.

Die Mittel zur Verstellung des Federverhaltens der beiden Federsysteme können beispielsweise durch Mittel zur Verstellung der Federrate und/oder Vorspannung des ersten und/oder zweiten Federsystems gebildet werden, wobei wahlweise das Federelement und/oder die Federmechanik des jeweiligen Federsystems einstellbar sind.

In einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung weist das erste Federsystem ein erstes Federelement und eine mit dem Federelement zusammenwirkende erste Federmechanik auf und die Mittel zur Verstellung des Federverhaltens des Federsystems werden durch Mittel zur Einstellung unterschiedlicher Federkennlinien des Federsystems gebildet, wobei das Federsystem derart ausgebildet ist, dass das Federelement in der Grundstellung des Stuhls auch bei unterschiedlich schweren Benutzern unbelastet ist und in dieser unbelasteten Ausgangsposition des Federelements alle einstellbaren Federkennlinien des Federsystems einen gemeinsamen Ursprung haben.

In einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung erfolgt die Schwenkbeweglichkeit des Sitzes um eine erste Gelenkachse und die Schwenkbeweglichkeit der Rückenlehne um eine zweite Gelenkachse, wobei die beide Gelenkachsen relativ zueinander verschiebbar angeordnet sind. Auf diese Weise kann eine Sitztiefenverstellung erfolgen, wodurch insbesondere eine Anpassung der Sitztiefe an dem Abstand zwischen Kniegelenk und Hüftgelenk bei verschieden großen Benutzern ermöglicht wird.

Weitere Ausgestaltungen und Vorteile der Erfindung werden im Folgenden anhand der Beschreibung und der Zeichnung näher erläutert.

In der Zeichnung zeigen

1 eine schematische Seitenansicht eines Stuhles in einer aufrechten Grundstellung,

2 eine Seitenansicht des Stuhles in einer zurückgeneigten Stellung,

3 eine schematische Darstellung der beiden Federsysteme gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel,

4a eine schematische Darstellung eines alternativen Federsystems in der Grundstellung,

4b eine schematische Darstellung des alternativen Federsystems gemäß 4a in der geneigten Stellung,

5a eine schematische Darstellung der beiden Federsysteme gemäß einem zweiten Ausführungsbeispiel (in der aufrechten Grundstellung),

5b eine schematische Darstellung der beiden Federsysteme gemäß 4 in der zurückgeneigten Stellung,

6 eine Darstellung der Federkennlinie des ersten Federsystems gemäß einer ersten Variante,

7 eine Darstellung der Federkennlinie des ersten und/oder zweiten Federsystems gemäß einer zweiten Variante,

8 eine Seitenansicht eines Stuhles mit Sitztiefenverstellung in einer ersten Stellung,

9 eine Seitenansicht des Stuhles mit Sitztiefenverstellung in einer zweiten Stellung.

Der in den 1 und 2 dargestellte Stuhl besteht im Wesentlichen aus einem Sitz 1, einem Basisträger 2 und einer Rückenlehne 3, wobei der Sitz schwenkbeweglich am Basisträger und die Rückenlehne schwenkbeweglich am Sitz gehaltert sind. Zwischen dem Basisträger 2 und dem Sitz 1 ist ein erstes Federsystem 4 und zwischen Sitz 1 und Rücklehne 3 ein zweites Federsystem 5 vorgesehen.

Der Basisträger 2 ist in üblicherweise auf einem Fuß oder Drehgestell 6 montiert. Der Sitz und die Rückenlehne können insbesondere auch einen Sitzträger bzw. einen Rückenlehnenträger umfassen.

Um die Schwenkbewegung des Sitzes bzw. der Rückenlehne zu ermöglichen, ist zwischen Basisträger und Sitz eine erste Gelenkachse 7 und zwischen Sitz und Rückenlehne eine zweite Gelenkachse 8 vorgesehen. Die Schwenkbewegung der Rückenlehne 3 bezüglich des Sitzes 1 ist dabei mechanisch nicht mit der Schwenkbewegung des Sitzes 1 bezüglich des Basisträgers 2 gekoppelt. Es handelt sich somit um eine Zweipunktmechanik.

Wie insbesondere aus 3 ersichtlich wird, besteht das erste Federsystem 4 aus einem ersten Federelement 4a sowie einer mit dem Federelement zusammenwirkenden ersten Federmechanik 4b.

Das Federelement 4a wird im dargestellten Ausführungsbeispiel durch einen geeigneten Schaumstoffkeil, beispielsweise aus Celasto, gebildet, während die mit dem ersten Federelement zusammenwirkende erste Federmechanik 4b durch ein um die erste Gelenkachse 7 verschwenkbares Gegen- bzw. Widerlager realisiert wird. Weiterhin sind erste Mittel 9 zur Verstellung des Federverhaltens des ersten Federsystems 4 vorgesehen, die rein schematisch mit einem Doppelpfeil dargestellt sind. Durch diese ersten Mittel 9 zur Verstellung des Federverhaltens kann die erste Federmechanik 4b (Gegen- bzw. Widerlager) um die erste Gelenkachse 7 verdreht werden, um dadurch das erste Federelement 4a mehr oder weniger vorzuspannen.

Das zweite Federsystem 5 im Bereich der zweiten Gelenkachse 8 besteht aus einem zweiten Federelement 5a und einer mit diesem zusammenwirkenden zweiten Federmechanik 5b. Auch in diesem Fall wird das zweite Federelement 5a durch einen Schaumstoffkeil, beispielsweise aus Celasto, gebildet. Die zweite Federmechanik 5b wird hier durch einen Eindrückkörper 50 realisiert, der über Mittel 10 zur Verstellung des Federverhaltens des zweiten Federsystems 5 verstellbar ist. Die Mittel 10 sind wiederum rein schematisch durch einen Doppelpfeil dargestellt.

Während die Verstellung des Federverhaltens des ersten Federsystems, insbesondere bei der Kompression des ersten Federelements 4a einen gewissen Kraftaufwand erfordert, kann die Verschiebung des die zweite Federmechanik bildenden Eindrückkörpers in der unbelasteten, aufrechten Grundstellung der Rückenlehne im Wesentlichen kraftlos erfolgen.

Selbstverständlich können im Rahmen der Erfindung für beide Gelenke die gleichen oder auch andere Federsysteme, wie beispielsweise Druckfedern, verwendet werden. Anhand der 4a, 4b wird im Folgenden ein alternatives Federsystem beschrieben, welches auch bei anderen Stuhlmechaniken, insbesondere einer Dreipunkt-Mechanik zur Anwendung kommen könnte. Der in den 4a und 4b gezeigte Stuhl weist wenigstens zwei zueinander bewegliche Teile, insbesondere einem Sitz 1 und einem Basisträger 2 auf, die zwischen einer Grundstellung (4a) und einer geneigten Stellung (4b) relativ zueinander beweglich sind, wobei zwischen den beiden Teilen ein Federsystem 4 vorgesehen ist, das ein Federelement 4a und eine mit dem Federelement zusammenwirkende Federmechanik 4b aufweist und weiterhin Mittel zur Einstellung unterschiedlicher Federkennlinien des Federsystems vorgesehen sind, um die Beweglichkeit der beiden Teile an unterschiedliche Anforderungen, insbesondere unterschiedlich schwere Benutzer, anpassen zu können. Das Federelement wird beispielsweise durch einen geeigneten Schaumstoffkeil, beispielsweise aus Celasto, gebildet, während die Federmechanik einen Pendelstab 40 aufweisen kann, der mit seinem einen Ende um eine Gelenkachse 41 am Basisträger 2 gehaltert ist und mit seinem anderen Ende über einen Abrollkörper 42 mit dem Sitz 1 in Kontakt steht. Die Mittel zur Einstellung unterschiedlicher Federkennlinien des Federsystems werden in diesem Ausführungsbeispiel durch einen Eindrückkörper 43 realisiert, der in Richtung des Doppelpfeils 9 verstellbar ist.

Das Federsystem 4 ist derart ausgebildet, dass das Federelement 4a in der Grundstellung des Stuhls auch bei unterschiedlich schweren Benutzern unbelastet ist und in dieser unbelasteten Ausgangsposition des Federelements alle einstellbaren Federkennlinien des Federsystems einen gemeinsamen Ursprung haben. Durch Verschiebung des Eindrückkörpers 43 können auf diese Weise insbesondere die in 7 dargestellten Federkennlinien a, b und c eingestellt werden.

Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung des Stuhles ist in der Grundstellung des Stuhles die Richtung (Pfeil 12), mit der die Federmechanik durch den Benutzer belastet wird, rechtwinklig zu der Richtung (Pfeil 13) liegt, mit der die Federmechanik auf das Federelement einwirkt. In dieser Grundstellung ist die Verschiebung des Eindrückkörpers 43 ohne großen Kraftaufwand möglich, obwohl der Sitz durch einen Benutzer belastet sein kann.

Beim Zurücklehnen weicht der Pendelstab um die Gelenkstelle 41 aus, indem sich der Abrollkörper 42 auf der Unterseite des Sitzes 1 in Richtung der ersten Gelenkachse 7 bewegt, wodurch das Federelement 4a entsprechend der Belastung zusammengedrückt wird (siehe 4b).

In den 5a und 5b ist ein weiteres Ausführungsbeispiel in der aufrechten Grundstellung (5a) und der zurückgeneigten Stellung (5b) dargestellt. Das erste Federsystem 4 ist dabei entsprechend dem in den 4a und 4b gezeigten Federsystem ausgebildet, während das zweite Federsystem 5 dem zweiten Federsystem der 3 entspricht.

Das erste Federsystem 4 weist wiederum ein erstes Federelement 4a auf, welches mit einer ersten Federmechanik 4b zusammenwirkt, die einen Pendelstab 40 aufweist, der mit seinem einen Ende um eine Gelenkachse 41 am Basisträger 2 gehaltert ist und mit seinem anderen Ende über einen Abrollkörper 42 mit dem Sitz 1 in Kontakt steht. In der aufrechten Grundstellung des Stuhls gemäß 4 befindet sich der Pendelstab 40 fast senkrecht zum Sitz 1. Beim Zurücklehnen weicht der Pendelstab um die Gelenkstelle 41 aus, indem sich der Abrollkörper 42 auf der Unterseite des Sitzes 1 in Richtung der ersten Gelenkachse 7 bewegt, wodurch das erste Federelement 4a entsprechend der Belastung zusammengedrückt wird. Um das Federverhalten des ersten Federsystems zu verändern ist die erste Federmechanik 4b weiterhin mit einem Eindrückkörper 43 versehen, der durch schematisch dargestellte Mittel 9 verstellbar ist.

Weiterhin können zusätzliche Kopplungsmittel 11 vorgesehen werden, welche die Mittel 9 zur Verstellung des Federverhaltens des ersten Federsystems 4 und die Mittel 10 zur Verstellung des Federverhaltens des zweiten Federsystems 5 derart miteinander koppeln, dass die Verstellung des Federverhaltens des einen Federsystems automatisch eine Verstellung des Federverhaltens des anderen Federsystems bewirkt. Diese Kopplungsmittel können beispielsweise durch einen Bowdenzug gebildet werden und bewirken eine gleichzeitige Verschiebung der Eindrückkörper 43 bzw. 50.

Durch eine geeignete Abstimmung der beiden Federsysteme 4, 5 kann somit durch einen Handgriff das Federverhalten beider Federsysteme entsprechend der gewünschten Anforderung eingestellt werden. Auf diese Weise wird insbesondere sichergestellt, dass auch für unterschiedlich schwere Benutzer im Wesentlichen das gleich Synchronverhältnis zwischen Sitzneigung und Rückenlehnenneigung ermöglicht wird.

In 3 ist der Winkel, um den sich der Sitz bezüglich des Basisträgers neigt mit &agr; und der Winkel, mit dem sich die Rückenlehne 3 bezüglich der Ausgangsstellung neigt mit &bgr; bezeichnet. Hierbei ergibt sich ein geeignetes Synchronverhältnis von &agr;/&bgr; im Bereich von 1:1,5 bis 1:3,5.

In 6 ist die Federkennlinie eines progressiven Federelements dargestellt, wie es beispielsweise für das erste Federsystem verwendet werden könnte. Für unterschiedlich schwere Benutzer sollten zweckmäßigerweise für den vorgesehenen Verstellwinkel &agr; unterschiedliche Federraten vorgesehen werden. Bei dem Federelement handelt es sich beispielsweise um den in 3 dargestellten Schaumstoffkeil der durch die Federmechanik 4b von 0 bis 30° vorgespannt werden kann.

Die in 6 dargestellte Federkennlinie kann beispielsweise in drei gleich große Abschnitte unterteilt werden, in denen sich in etwa eine lineare Federkennlinie einstellt, nämlich den Abschnitt I für leichte Personen, den Abschnitt II für mittelschwere Personen und den Abschnitt III für schwere Personen. Durch die progressive Federkennlinie ergeben sich im Durchschnitt unterschiedlich hohe Federraten in den einzelnen Abschnitten. Um von einen zum nächsten Abschnitt zu gelangen und dadurch die mittlere Federrate des Federelements zu verändern, wird der Schaumstoffkeil jeweils um 15° weiter vorgespannt. Selbstverständlich können auch beliebige Zwischenstellungen eingestellt werden.

Je nach Federsystem muss jedoch unter Umständen für die leichteste Einstellung bereits eine gewisse Vorspannung auf das Federelement ausgeübt werden. Es wäre daher wünschenswert, wenn eine Verstellung der Federrate ermöglicht wird, ohne dass ein besonderer Kraftaufwand durch Vorspannung des Federelements erforderlich ist. Dies wird durch die spezielle Ausgestaltung der beiden Federsysteme 4 und 5 gemäß den 4a, 4b, 5a und 5b ermöglicht. Durch die Verschiebung des Eindrückkörpers 43 bzw. 50 lässt sich die Federrate des Federelements 4a bzw. 5a relativ kraftlos einstellen, indem lediglich die Reibkraft zur Verschiebung des Eindrückkörpers überwunden werden muss. Je nach Stellung des Eindrückkörpers in Verbindung mit der speziellen Federmechanik können die in 7 dargestellten Federkennlinien eingestellt werden, wobei die Kennlinie a für einen schweren, die Kennlinie b für einen mittelschweren und die Kennlinie c für einen leichten Benutzer gedacht ist. Nach rechts ist hierbei der Neigungswinkel &agr; des Sitzes und nach oben das Drehmoment aufgetragen.

Die Unabhängigkeit der Schwenkbewegungen von Sitz und Rückenlehne bieten die Möglichkeit, die beiden Gelenkachsen 7, 8 relativ zueinander verschiebbar anzuordnen, um dadurch eine Sitztiefenverstellung zu ermöglichen, die anhand von 8 und 9 näher erläutert wird.

Der Sitz 1 besteht aus einem ersten Sitzträgerteil 1a, einem zweiten Sitzträgerteil 1b und einem Sitzpolster 1c. Die beiden Sitzträgerteile 1a und 1b sind durch eine geeignete Mechanik zueinander verschiebbar angeordnet, wobei der erste Sitzträgerteil 1a über die erste Gelenkachse 7 mit dem Basisträger 2 und der zweite Sitzträgerteil 1b über die zweite Gelenkachse 8 mit der Rückenlehne 3 verbunden ist.

Auf diese Weise kann die Sitztiefe durch Verschiebung der beiden Sitzträgerteile zueinander gezielt auf den jeweiligen Benutzer eingestellt werden. Da je nach Körperbau der Abstand zwischen Hüfte und Kniegelenk bei unterschiedlichen Personen verschieden lang sein können, wird auf diese Weise eine optimale Anpassung des Stuhles ermöglicht. Wenngleich es möglich sein kann, die eingestellte Sitztiefe zu fixieren, ist in einer besonderen Ausgestaltung der Erfindung vorgesehen, dass sich die Sitztiefe automatisch beim Sitzen einstellt. Dabei ist es denkbar, dass zwischen den beiden Sitzträgerteilen ein Federelement vorgesehen ist, damit der Sitz im unbelasteten Zustand eine zusammengeschobene Stellung einnimmt.

Die Einstellbarkeit der beiden Federsysteme ermöglicht eine optimale Anpassung des Stuhles an die jeweiligen Anforderungen. Zudem ergeben sich durch die Unabhängigkeit der beiden Gelenke neue konstruktive Möglichkeiten, da keine zusätzliche Verbindungsmechanik erforderlich ist. Weiterhin ermöglichen die beiden unabhängigen Gelenkpunkte eine Sitztiefenverstellung, ohne das dabei auf die ergonomisch günstige Verstellung von Sitz und Rückenlehne in einem bestimmten Synchronverhältnis verzichtet werden muss.

In einer weiteren, nicht näher dargestellten Ausgestaltung der Erfindung, können Mittel zum Blockieren des ersten und/oder zweiten Federsystems bei den vorstehend beschriebenen Stühle vorgesehen werden. Dann besteht die Möglichkeit das hintere oder vordere Gelenk festzusetzen, um so eine einfache Wippmechanik zu erhalten. Hierbei würde der Winkel zwischen Rückenlehne und Sitz bzw. zwischen Sitz und Basisträger beim Zurücklehnen konstant bleiben. Man hätte dann die Möglichkeit zwischen einer einfachen Wippmechanik und einer synchronen Neigung von Sitz und Rückenlehne umzuschalten.

Die oben beschriebenen Ausführungsbeispiele haben jeweils ein erstes und ein zweites Federsystem. Es besteht aber natürlich auch die Möglichkeit, weitere Gelenke des Menschen (Knöchelgelenk, Halswirbel, ...) nach dem vorhandenen Prinzip durch zusätzliche Federsysteme einzubinden.


Anspruch[de]
Stuhl mit einem Sitz (1), einem Basisträger (2) und einer Rückenlehne (3), wobei der Sitz schwenkbeweglich am Basisträger und die Rückenlehne schwenkbeweglich am Sitz gehaltert sind und zwischen Basisträger und Sitz ein erstes Federsystem (4) und zwischen Sitz und Rückenlehne ein zweites Federsystem (5) vorgesehen ist, dadurch gekennzeichnet, dass Mittel (9, 10) zur Verstellung des Federverhaltens beider Federsysteme (4, 5) vorgesehen sind, um die Schwenkbeweglichkeit des Sitzes bezüglich dem Basisträger bzw. die Schwenkbeweglichkeit der Rückenlehne bezüglich dem Sitz an unterschiedliche Anforderungen, insbesondere unterschiedlich schwere Benutzer, anpassen zu können. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Federsystem (4) wenigstens ein erstes Federelement (4a) und das zweite Federsystem wenigstens ein zweites Federelement (5a) aufweist. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Federsystem (4) wenigstens ein erstes Federelement (4a) sowie eine mit dem ersten Federelement zusammenwirkende erste Federmechanik (4b) und das zweite Federsystem wenigstens ein zweites Federelement (5a) sowie eine mit dem zweiten Federelement zusammenwirkende zweite Federmechanik (5b) aufweist. Stuhl nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel (9, 10) zur Verstellung des Federverhaltens der beiden Federsysteme (4, 5) durch Mittel zur Verstellung der Federeigenschaften des ersten und/oder zweiten Federelements (4a, 5a) und/oder durch Mittel zur Verstellung der ersten und/oder zweiten Federmechanik (4b, 5b) gebildet werden. Stuhl nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel (9, 10) zur Verstellung des Federverhaltens der beiden Federsysteme (4, 5) durch Mittel zur Verstellung der Federrate und/oder Vorspannung des ersten und/oder zweiten Federsystems gebildet werden, wobei wahlweise das Federelement und/oder die Federmechanik des jeweiligen Federsystems einstellbar sind. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel (9) zur Verstellung des Federverhaltens des ersten Federsystems (4) und die Mittel (10) zur Verstellung des Federverhaltens des zweiten Federsystems (5) derart miteinander gekoppelt sind, dass die Verstellung des Federverhaltens des einen Federsystems automatisch eine Verstellung des Federverhaltens des anderen Federsystems bewirkt. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Federsysteme (4, 5) und die Mittel (9, 10) zur Verstellung des Federverhaltens beider Federsysteme derart aufeinander abgestimmt sind, dass auch für unterschiedlich schwere Benutzer im wesentlichen das gleiche Synchronverhältnis zwischen Sitzneigung und Rückenlehnenneigung ermöglicht wird. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schwenkbewegung der Rückenlehne (3) bezüglich des Sitzes (1) mechanisch nicht mit der Schwenkbewegung des Sitzes (1) bezüglich des Basisträgers (2) gekoppelt ist. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schwenkbeweglichkeit des Sitzes (1) um eine erste Gelenkachse (7) im Bereich des vorderen Endes des Sitzes und die Schwenkbeweglichkeit der Rückenlehne (3) um eine zweite Gelenkachse (8) im Bereich des hinteren Endes des Sitzes erfolgt. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass Mittel vorgesehen sind, um das erste und/oder zweite Federsystem zu blockieren. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Federsystem (4) ein erstes Federelement (4a) und eine mit dem Federelement zusammenwirkende erste Federmechanik (4b) aufweist und weiterhin die Mittel (9, 10) zur Verstellung des Federverhaltens des Federsystems (4) durch Mittel zur Einstellung unterschiedlicher Federkennlinien des Federsystems gebildet werden, wobei das Federsystem (4) derart ausgebildet ist, dass das Federelement (4a) in der Grundstellung des Stuhls auch bei unterschiedlich schweren Benutzern unbelastet ist und in dieser unbelasteten Ausgangsposition des Federelements alle einstellbaren Federkennlinien des Federsystems einen gemeinsamen Ursprung haben. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass in der Grundstellung des Stuhles die Richtung, mit der die Federmechanik (4b) durch den Benutzer belastet wird, rechtwinklig zu der Richtung liegt, mit der die Federmechanik auf das Federelement (4a) einwirkt. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schwenkbeweglichkeit des Sitzes (1) um eine erste Gelenkachse (7) und die Schwenkbeweglichkeit der Rückenlehne (3) um eine zweite Gelenkachse (8) erfolgt, wobei die beiden Gelenkachsen relativ zueinander verschiebbar angeordnet sind.






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