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Dokumentenidentifikation DE102006026589A1 06.12.2007
Titel Verwendung eines Kollagens mit osteoinduktiven Wirkstoffen zur Behandlung von Sehnen- und/oder Bänderdefekten
Anmelder OSSACUR AG, 71720 Oberstenfeld, DE
Erfinder Briest, Arne, 76227 Karlsruhe, DE
Vertreter Patentanwälte Ruff, Wilhelm, Beier, Dauster & Partner, 70174 Stuttgart
DE-Anmeldedatum 01.06.2006
DE-Aktenzeichen 102006026589
Offenlegungstag 06.12.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 06.12.2007
IPC-Hauptklasse A61K 38/39(2006.01)A, F, I, 20060601, B, H, DE
IPC-Nebenklasse A61K 38/18(2006.01)A, L, I, 20060601, B, H, DE   A61K 38/30(2006.01)A, L, I, 20060601, B, H, DE   
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft die Verwendung von Kollagen tierischen Ursprungs, welches osteoinduktive Wirkstoffe aufweist, zur Behandlung von Sehnen- und/oder Bänderdefekten sowie einen diesbezüglichen Kit.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft Verwendungen eines Kollagens tierischen Ursprungs, welches osteoinduktive Wirkstoffe aufweist.

Sehnen und Bänder bilden die natürlichen Übergänge zwischen Muskeln und Knochen bzw. zwischen Knochen und Knochen in menschlichen und tierischen Körpern. Sie bestehen hauptsächlich aus Stütz- und Bindegewebe und sind insbesondere für die Flexibilität bzw. Beweglichkeit von Körpergelenken bzw. des Knochenskeletts verantwortlich.

Sowohl Sehnen als auch Bänder sind einer ständigen mechanischen Beanspruchung unterworfen. Die Beanspruchung von Sehnen und Bändern ist unter bestimmten Umständen, insbesondere bei sportlichen Aktivitäten, zusätzlich erhöht. Dies kann zu beschleunigten Abnutzungserscheinungen und insbesondere zu einer erhöhten Anfälligkeit für Verletzungen aufgrund von Sehnen- bzw. Bänderschädigungen führen.

Verletzungen, die auf Sehnen- bzw. Bänderschädigungen beruhen, sind für die Betroffenen regelmäßig mit starken Schmerzen und häufig mit einer starken Einschränkung der persönlichen Bewegungsfreiheit verbunden.

Zur Behandlung von Sehnen- und Bänderschädigungen bzw. -defekten stehen grundsätzlich maximal- und minimalinvasive Operationstechniken zur Verfügung. Mit Hilfe dieser Operationstechniken werden insbesondere Defekte in Form von Sehnen- und Bänderrissen behoben, indem die Verbindung der geschädigten Sehne bzw. des geschädigten Bandes mit dem entsprechenden Knochen wiederhergestellt wird.

Maximalinvasive bzw. offene Operationstechniken stellen für Patienten regelmäßig einen stark traumatisierenden Eingriff dar, der insbesondere mit den üblichen Risken eines solchen Eingriffs einhergeht. So können insbesondere unerwartete Komplikationen während der Operation, beispielsweise übermäßiger Blutverlust, oder postoperative Schmerzen auftreten.

In jüngster Zeit werden daher zunehmend minimalinvasive bzw. arthroskopische Techniken eingesetzt, die eine deutlich geringere Traumatisierung der betroffenen Körperregion verursachen und insbesondere die Operationsrisiken überschaubar halten.

In einigen Fällen wird die Wiederherstellung der Sehnen- und Bandfunktion durch die Zugabe von Knochenwachstumsfaktoren im Bereich der Refixationsstelle ergänzt ([Anderson K. et al, Augmentation of tendon healing in an intraarticular bone tunnel with use of a bone growth factor, Am. Sports, Med. 2001; 29: 689-98], [Rodeo S. A. et al, Use of recombinant human bone morphogenetic protein-2 to enhance tendon healing in a bone tunnel, Am. Sports, Medicine 1999; 27: 476-88], [Cheng H et al, Osteogenic activity of the fourteen types of human morphogenetic proteins (BMPs), J. Bone Surg. Am. 2003; 85: 1544-52]). Allerdings müssen derartige Wachstumsfaktoren meistens in aufwendigen Isolations- und Anreicherungsverfahren bereitgestellt werden, die zudem in manchen Fällen einen Aktivitätsverlust der Faktoren verursachen können. Ein Produkt zur Befestigung von Bindegewebe an Knochen ist beispielsweise aus der WO 01/66130 A1 bekannt.

Unabhängig von der operativen Behandlung ist in den meisten Fällen zur Wiederherstellung der ursprünglichen Bewegungsfreiheit eine postoperative Betreuung der Betroffenen erforderlich. Die Betreuung besteht beispielsweise in physiotherapeutischen Anwendungen, die insbesondere durch gezielten Muskelaufbau ergänzt werden. Eine derartige Rehabilitationsphase erstreckt sich gewöhnlich über mehrere Wochen, teilweise sogar über mehrere Monate. Je nach Schwere der Verletzung können in Einzelfällen sogar Versteifungen in der betroffenen Körperregion zurückbleiben, die die Bewegungsfreiheit der Betroffenen dauerhaft einschränken. Es besteht daher ein ständiger Bedarf an verbesserten Behandlungsmethoden, die gleichzeitig den hohen medizinischen Anforderungen gerecht werden müssen.

Die Erfindung stellt sich daher die Aufgabe, eine gegenüber den aus dem Stand der Technik bekannten Behandlungsmethoden verbesserte Möglichkeit zur Behandlung von Sehnen- und/oder Bänderdefekten bereitzustellen.

Diese Aufgabe wird gelöst durch Verwendungen, wie sie in den Ansprüchen 1 und 2 beschrieben sind. Bevorzugte Ausführungsformen hierzu sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche 3 bis 19. Anspruch 20 bezieht sich auf einen geeigneten Kit zur Behandlung von Sehnen- und/oder Bänderdefekten. Bevorzugte Ausführungsformen des Kits sind Gegenstand der Ansprüche 21 bis 23. Der Wortlaut sämtlicher Ansprüche wird hiermit durch Bezugnahme zum Inhalt der Beschreibung gemacht.

Erfindungsgemäß wird ein Kollagen tierischen Ursprungs, welches osteoinduktive (osteogene) Wirkstoffe aufweist, zur Behandlung von Sehnen- und/oder Bänderdefekten (Sehnen- und/oder Bänderschädigungen) verwendet.

Bei den von der Anmelderin kommerziell vertriebenen Produkten COLLOSS® und COLLOSS® E handelt es sich jeweils um Kollagen tierischen Ursprungs, welches jeweils osteoinduktive Wirkstoffe aufweist, wobei das Kollagen zusammen mit den osteoinduktiven Wirkstoffe einen lyophilisierten Extrakt bildet. Bezüglich der Eigenschaften des Kollagens und der osteoinduktiven Wirkstoffe wird vollumfänglich auf die noch folgende Beschreibung verwiesen.

Unter osteoinduktiven Wirkstoffen im Sinne der vorliegenden Erfindung sollen Wirkstoffe verstanden werden, welche das Knochenwachstum (Osteogenese) sowohl innerhalb als auch außerhalb des menschlichen und/oder tierischen Körpers induzieren und/oder verstärken.

Unter chondroinduktiven Wirkstoffen im Sinne der vorliegenden Erfindung sollen Wirkstoffe verstanden werden, welche das Knorpelwachstum (Chondrogenese) sowohl innerhalb als auch außerhalb des menschlichen und/oder tierischen Körpers induzieren und/oder verstärken.

Unter einer Refixation im Sinne der vorliegenden Erfindung soll die Wiederherstellung der Befestigung von Sehnen bzw. Bändern an den jeweils korrespondierenden Knochen verstanden werden.

Unter einem Implantat im Sinne der vorliegenden Erfindung soll allgemein ein Material verstanden werden, welches dauerhaft oder temporär in einen menschlichen und/oder tierischen Körper eingebracht wird. Unter einem medizintechnischen Implantat soll ein Implantat verstanden werden, welches nach Einbringung in den menschlichen und/oder tierischen Körper Körperfunktionen übernimmt. Bei den Körperfunktionen kann es sich insbesondere um Funktionen des Knochengewebes, beispielsweise als Befestigungsmaterial für Sehnen und/oder Bänder, handeln.

Unter einer Defektregion im Sinne der vorliegenden Erfindung soll der zu behandelnde Bereich zwischen der defekten Sehne bzw. des defekten Bandes und dem hierzu korrespondierenden Knochen innerhalb eines menschlichen und/oder tierischen Körpers verstanden werden. Die Defektregion erstreckt sich sowohl auf das Knochengewebe, das für die Behebung des Defektes, insbesondere in Form einer Refixation, vorgesehen ist, als auch insbesondere auf den defekten Sehnen- und/oder Bandabschnitt selbst.

Durch die Erfindung ist es möglich, Verletzungen die auf Sehnen- und/oder Bänderdefekten beruhen, zu behandeln, indem die ursprüngliche Sehnen- und/oder Bänderfunktion vorzugsweise vollständig wiederhergestellt wird. Durch die Erfindung ist es insbesondere möglich, eine refixierte Sehne bzw. ein refixiertes Band zu stabilisieren und insbesondere zu verstärken. Dies wird mit besonderem Vorteil durch die osteoinduktiven Eigenschaften des erfindungsgemäß verwendeten Kollagens ermöglicht, die eine Neubildung von Knochengewebe in der Defektregion, vorzugsweise in Richtung auf die defekte Sehne und/oder das defekte Band, bewirken. Das Kollagen wirkt insbesondere als stabilisierende Trägerkomponente für die osteoinduktiven Wirkstoffe. Kollagen und die osteoinduktiven Wirkstoffe bilden ein optimales Abbild der natürlichen Verhältnisse im Knochengewebe. Somit können sich die osteoinduktiven Eigenschaften in der erfindungsgemäß behandelten Defektregion, insbesondere im Bereich der Refixationstelle, optimal entfalten. Dies ermöglicht eine erfolgreiche Behandlung von Sehnen- und/oder Banderdefekten und führt vorzugsweise zu verkürzten postoperativen Behandlungszeiten.

Die Erfindung betrifft weiterhin die Verwendung eines Kollagens tierischen Ursprungs, welches osteoinduktive Wirkstoffe aufweist, zur Herstellung eines Formkörpers, insbesondere nach Art eines Implantats, zur Behandlung von Sehnen- und/oder Bänderdefekten. Bevorzugt wird der Formkörper bei der Behandlung der Sehnen- und/oder Bänderdefekte zwischen Knochen und Sehne bzw. zwischen Knochen und Band implantiert. Der Formkörper kann gegebenenfalls weitere Komponenten, beispielsweise Bindemittel und Salze, enthalten. Mit Vorteil ist der Formkörper vernetzt, vorzugsweise mit chemischen Vernetzungsmitteln. Bevorzugt liegt der Formkörper in Form von Balken, Ringen oder Zylindern vor. Ferner ist es möglich, daß die Formkörper als Quader, Scheiben oder Ähnliches vorliegen. Vorzugsweise liegt der Formkörper als Scheibe vor.

Der Formkörper ist vorzugsweise durch die Zugabe von Flüssigkeiten, beispielsweise von Wasser oder Salzlösungen, insbesondere einer physiologischen Kochsalzlösung, in ein gelartiges Material konvertierbar. Erfindungsgemäß ist es besonders bevorzugt, daß die Formkörper durch Zugabe von Blut, insbesondere Patientenblut, in ein gelartiges Material konvertierbar sind. Die wechselseitige Konvertierung des Formkörpers in ein gelartiges Material und umgekehrt ermöglicht in vorteilhafter Weise eine Anpassung der Formbeständigkeit des Formkörpers. Auf diese Weise ist eine gezielte Anpassung des Formkörpers an die Topologie der zu behandelnden Defektregion möglich.

Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Behandlung von Sehnen- und/oder Bänderdefekten, wobei eine wirksame Menge eines Kollagens tierischen Ursprungs, welches osteoinduktive Wirkstoffe aufweist, eingesetzt oder verabreicht wird.

In einer bevorzugten Ausführungsform wird die Behandlung durch die Lokalisation der Sehnen- und/oder Bänderdefekte eingeleitet. Vorzugsweise werden die Defekte durch eine Spiegelung der betroffenen Körperregionen lokalisiert. Besonders bevorzugt werden die Sehnen- und/oder Bänderdefekte mit Hilfe einer arthroskopischen Operationstechnik lokalisiert.

Zur Wiederherstellung der Sehnen- bzw. Bänderfunktion stehen unterschiedliche Operationstechniken zur Verfügung. In einer bevorzugten Ausführungsform wird die Sehnen- und/oder Bänderfunktion durch einen arthroskopischen Eingriff wiederhergestellt. Vorzugsweise werden Defektlokalisation und Wiederherstellung der Sehnen- und/oder Bänderfunktion im Rahmen desselben arthroskopischen Eingriffs vorgenommen.

Erfindungsgemäß kann es ebenso bevorzugt sein, die Sehnen- und/oder Bänderfunktion im Rahmen einer offenen Operation wiederherzustellen. Besonders bevorzugt werden die Sehnen- und/oder Bänderfunktionen durch eine Refixation wiederhergestellt.

Eine Refixation kommt vorzugsweise bei vollständigen Rissen der Sehnen und/oder Bänder in Betracht. Erfindungsgemäß kann eine Refixation auch bei Sehnen- und/oder Bänderdefekten vorgenommen werden, wobei es sich dann bei den Defekten insbesondere um tiefe Risse handelt, die vorzugsweise mehr als die Hälfte der Sehnen- bzw. Banddicke ausmachen. Vorzugsweise werden die Sehnen und/oder Bänder vollständig ausgeschnitten und am Knochen erneut refixiert.

In einer besonders bevorzugten Ausführungsform wird die Behandlung mit Hilfe von medizintechnischen Implantaten durchgeführt. Die medizintechnischen Implantate können aus einem resorbierbaren oder einem nicht resorbierbaren Material gebildet sein. Bei den Materialien kann es sich insbesondere um Metalle, vorzugsweise um Titan, Tantal oder Magnesium, oder um Metallegierungen handeln. Weiterhin kann es sich bei den Materialien um Keramiken handeln. So ist es insbesondere vorgesehen, daß Nahtmaterialien bei dem erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzt werden. Bevorzugt werden Löcher in dem Knochengewebe, welches sich im Bereich der zu behandelnden Defektregion befindet, angelegt. Vorzugsweise werden die Nahtmaterialien an der defekten Sehne und/oder an dem defekten Band befestigt, insbesondere verknotet. Durch Befestigung der Nahtmaterialien an den im Knochen angelegten Löchern wird die Verbindung zwischen Knochen und Sehne bzw. zwischen Knochen und Band wiederhergestellt. Das erfindungsgemäß verwendete Kollagen (Kollagen, welches die osteoinduktiven Wirkstoffe aufweist) wird vorzugsweise im Bereich der angelegten Löcher implantiert. Auf diese Weise wird die Wiederherstellung der vorzugsweise ursprünglichen Sehnen- und/oder Bänderfunktion unterstützt, insbesondere beschleunigt.

Weiterhin kann eine sogenannte Knochenresektion, insbesondere in Form einer Rinne oder eines Kanals, vorgenommen werden. Vorzugsweise werden in den Seitenbegrenzungen einer angelegten Knochenrinne Löcher durch den Knochen hindurchgestoßen, die zur Aufnahme von Nahtmaterialien vorgesehen sind. Bevorzugt werden die Knochenrinnen und -kanäle mit dem erfindungsgemäß verwendeten Kollagen (Kollagen mit den osteoinduktiven Wirkstoffen) versehen. Die Nahtmaterialien werden mit besonderem Vorteil direkt durch die Sehne bzw. das Band und durch die im Knochen angelegten Löcher hindurch- und anschließend zusammengezogen. Auf diese Weise wird die Verbindung zwischen Knochen und Sehne bzw. zwischen Knochen und Band wiederhergestellt. Durch die osteoinduktiven Eigenschaften des erfindungsgemäß verwendeten Kollagens werden die an den jeweiligen Knochen fixierten Sehnen und/oder Bänder zusätzlich stabilisiert, insbesondere verstärkt.

Zur Befestigung der defekten Sehnen und/oder Bänder wird der Knochen bevorzugt „angefrischt", um insbesondere Weichteile, beispielsweise Stütz- und/oder Bindegewebe, zu entfernen. Somit ist eine bessere Fixierung der Sehnen und/oder Bänder möglich. Mit Vorteil werden die Sehnen- und/oder Bänderränder vor der Refixation angefrischt, um insbesondere die Aufnahme der Nahtmaterialien zu erleichtern.

In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die Behandlung von Sehnen- und/oder Bänderdefekten mit Hilfe von Fadenankern oder Schrauben vorgenommen. Vorzugsweise werden die Fadenanker oder Schrauben in angelegte Knochenkanäle im Bereich der zu behandelnden Defektregion implantiert. Die Fadenanker oder Schrauben werden insbesondere nach ihrer Implantation mit dem erfindungsgemäß verwendeten Kollagen versehen. Besonders bevorzugt wird das erfindungsgemäß verwendete Kollagen im Bereich der implantierten Fadenanker oder Schrauben implantiert. Die Fixierung der Sehnen und/oder Bänder an den implantierten Fadenanker oder Schrauben erfolgt mit Vorteil über Nahtmaterialien. Besonders bevorzugt befindet sich das erfindungsgemäß verwendete Kollagen nach der Fixierung zwischen Knochen und Sehne bzw. zwischen Knochen und Band. Durch die osteoinduktiven Eigenschaften des erfindungsgemäß verwendeten Kollagens kommt es insbesondere zur Neubildung von Knochengewebe, vorzugsweise in Richtung der befestigten Sehne und/oder des befestigten Bandes.

In einer bevorzugten Ausführungsform handelt es sich bei den Sehnen- und/oder Bänderdefekten um sogenannte Rupturen, d. h. Risse. Je nach Schweregrad der Rupturen spricht man von kompletten oder inkompletten Rupturen. Weiterhin werden die Rupturen je nach Größe in kleine Rupturen oder sogenannte Massenrupturen unterteilt. Die Sehnen- und/oder Bänderrisse können insbesondere längsverlaufend, querverlaufend oder unregelmäßig ausgebildet sein.

In einer weiteren Ausführungsform sind die Sehnen- und/oder Bänderdefekte im Bereich von Körpergelenken, insbesondere im Bereich von Kniegelenk, Sprunggelenk, Handgelenk und/oder Schultergelenken, vorzugsweise im Bereich von Schultergelenken, lokalisiert. Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des Menschen. Es ist ein Kugelgelenk, dessen Gelenkflächen aus dem Kopf des Oberarmknochens (Numerus) und der Gelenkhöhlung des Schulterblatts gebildet werden. Ein intaktes Schultergelenk ist Voraussetzung für die Beweglichkeit in mehreren Beugeebenen und der Rotationsachse des Armes. Durch fortdauernde, insbesondere durch schwere körperliche oder sportliche Aktivitäten, kommt es gehäuft zu Abnutzungserscheinungen. Die Sehnen und/oder Bänder im Bereich des Schultergelenks sind daher in besonderem Maße anfällig für Defekte, insbesondere für Rupturen. Daher ist das menschliche und/oder tierische Schultergelenk ein besonders bevorzugtes Indikationsgebiet, das mit Hilfe der Erfindung behandelbar ist.

In einer besonders bevorzugten Ausführungsform handelt es sich bei den Sehnendefekten um Sehnendefekte der Rotatorenmanschette. Die Rotatorenmanschette ist aus anatomischer Sicht für die dynamische Fixierung des Oberarmknochens an die Schultergelenkpfanne verantwortlich. Bei der Rotatorenmanschette handelt es sich um einen Muskelmantel aus vier verschiedenen Muskeln: dem Supraspinatus-Muskel (Obergrätenmuskel), Subscapularis-Muskel (Unterschulterblattmuskel), Infraspinatus-Muskel (Untergrätenmuskel) sowie dem Teres minor-Muskel (kleiner Rundmuskel). Die Muskeln der Rotatorenmanschette besitzen auf dem Schulterblatt verschiedene Ursprungsbereiche und ziehen in Richtung Oberarmkopf. In der Nähe des Oberarmkopfes gehen die Muskeln in ihre jeweiligen Sehnen über, wobei sie teilweise zu einer gemeinsamen Sehnenplatte verschmelzen, welche den Oberarmkopf haubenförmig umfaßt. Die permanente Beanspruchung des menschlichen und tierischen Schultergelenks führt zu einer entsprechenden Beanspruchung der Rotatorenmanschette. Dies verursacht grundsätzlich eine erhöhte potentielle Anfälligkeit der Sehnen und/oder Bänder, insbesondere der Sehnen, für die Entstehung von Defekten, vorzugsweise in Form von Rissen.

In einer weitergehenden besonders bevorzugten Ausführungsform handelt es sich bei den Sehnendefekten um einen Sehnendefekt des Muskels supraspinatus (Musculus supraspinatus, Obergrätenmuskel). Die Sehne des Muskels supraspinatus ist aus medizinischer Sicht am häufigsten von Defekten, insbesondere von Rupturen bzw. Rissen, betroffen. Dies liegt insbesondere daran, daß sich die Sehne unterhalb des sogenannten Schulterdaches erstreckt. Das Schulterdach stellt somit eine Art obere Begrenzung für die Sehne des Muskels supraspinatus dar, an welcher sich die Sehne bei häufiger Belastung aufreiben kann. Dies führt zu einer erhöhten Defektanfälligkeit der Sehne, insbesondere in Form von Rupturen.

In einer bevorzugten Ausführungsform werden Defekte der Sehnen und/oder Bänder, insbesondere der Sehnen, des Schultergelenks durch ein mehrstufiges Verfahren behandelt. Bevorzugt wird die Behandlung in zwei Schritten durchgeführt. In einem ersten Schritt werden die Defekte lokalisiert. Dies erfolgt vorzugsweise durch eine Spiegelung der Schulter, welche insbesondere mit Hilfe einer arthroskopischen Technik vorgenommen wird. Mit besonderem Vorteil wird die Defektlokalisation im Rahmen einer sogenannten Bursoskopie (Spiegelung des Schleimbeutels des Schultergelenks) durchgeführt. Die Bursoskopie erlaubt in besonders vorteilhafter Weise eine Spiegelung bzw. Visualisierung der Schulterdachunterseite (Acromionunterfläche) und insbesondere der Rotatorenmanschette. Auf diese Weise ist die Lokalisierung von Sehnen- und/oder Bänderdefekten im Bereich des Schultergelenks möglich.

Nach der Lokalisation der Sehnen- und/oder Bänderdefekte kann insbesondere eine sogenannte subacromiale Dekompression vorgenommen werden. Bei der subacromialen Dekompression werden Weichteile, insbesondere Teile des Schleimbeutels, an der Schulterdachunterseite abgetragen und vorzugsweise Knochenresektionen durchgeführt. Durch die Entfernung der Weichteile wird mit besonderem Vorteil der Abstand zwischen Schulterdach, insbesondere Acromion, und der Rotatorenmanschette vergrößert. Somit wird vorzugsweise eine verbesserte Gleitbewegung der Rotatorenmanschette erreicht. Die Weichteilentfernung wird bevorzugt mit Hilfe von sogenannten Shavern, d. h. Fräsen, durchgeführt. Mit Vorteil werden Blutungen, welche im Verlauf der Operation entstehen können, mit elektrischen Messern verödet. Die Knochenresektionen werden vorzugsweise zur Herstellung von Knochenrinnen oder Knochenkanälen durchgeführt. Bezüglich weiterer Merkmale hierzu wird vollumfänglich auf die vorliegende Beschreibung Bezug genommen.

In einem zweiten Schritt erfolgt die Wiederherstellung der Befestigung zwischen Knochen und Sehne bzw. zwischen Knochen und Band, vorzugsweise in Form einer Refixation. Die Wiederherstellung der Befestigung kann insbesondere mit Hilfe eines arthroskopischen Verfahrens durchgeführt werden. Bevorzugt werden Defektlokalisation und Wiederherstellung der Sehnen- und/oder Bänderfunktion im Rahmen desselben arthroskopischen Eingriffs durchgeführt. Besonders bevorzugt erfolgt die Wiederherstellung der Befestigung zwischen Knochen und Sehne bzw. zwischen Knochen und Band durch eine offene Operationstechnik, vorzugsweise durch eine offene Refixation.

In einer anderen bevorzugten Ausführungsform handelt es sich bei den Bändern um die Bänder des Kniegelenks, insbesondere um die sogenannten Kreuz- und/oder Seitenbänder. Bevorzugt handelt es sich bei dem Kreuzband um das vordere Kreuzband (Ligamentum cruciatum anterius). Bei einem Defekt, insbesondere bei einem Riß, des vorderen Kreuzbandes kommt es zum sogenannten vorderen Schubladenphänomen, d. h. bei gebeugtem Knie kann der Unterschenkel von hinten nach vorne geschoben werden. Weiterhin ist es bevorzugt, daß es sich bei dem Kreuzband um das hintere Kreuzband (Ligamentum cruciatum posterius) handelt, dessen Beschädigung, insbesondere in Form eines Risses, das sogenannte hintere Schubladenphänomen verursacht (bei gebeugtem Knie kann der Unterschenkel von vorne nach hinten geschoben werden). Bei den Seitenbändern handelt es sich bevorzugt um das Innenband (Ligamentum collaterale mediale) und/oder das Außenband (Ligamentum collaterale laterale).

Weiterhin kann es sich bei den Bändern des Kniegelenks um das Kniescheibenband (Ligamentum patellae) handeln, welches direkt unterhalb des Kniegelenks an der sogenannten Schienbeinbeule ansetzt.

In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform handelt es sich bei den Bändern um die Bänder des Sprunggelenks, insbesondere um das Innenband (Ligamentum deltoideum) und/oder die Außenbänder. Die Außenbänder sind besonders bevorzugt, da sie besonders häufig von Umknickverletzungen, insbesondere in Form von Rissen, betroffen sind. Bei den Außenbänder handelt es sich vorzugsweise um das Ligamentum talofibulare anterius, Ligamentum talofibulare posterius und das Ligamentum fibulocalcaneare.

Weiterhin kann es sich bei den Bändern des Sprunggelenks um das vordere und/oder hintere Schienbein-Wadenbein-Band (Ligamentum tibiofibulare anterius und/oder Ligamentum tibiofibulare posterius) handeln, welche die sogenannte Sprunggelenksgabel zusammenhalten.

Bei weiteren bevorzugten Ausführungsformen handelt es sich bei den Sehnen- und/oder Bänderdefekten um sogenannte akute Defekte. Bei den akuten Defekten handelt es sich um Defekte, welche infolge eines traumatisierenden Ereignisses, beispielsweise eines Sportunfalls, entstanden sind.

In einer weiteren Ausführungsform sind die Wirkstoffe nativen Ursprungs. Dies bedeutet, daß die Wirkstoffe aus natürlichen Quellen, insbesondere aus Geweben, vorzugsweise aus Knochengewebe, stammen. Bevorzugt liegen die Wirkstoffe in ihrer nativen Struktur vor, d. h. in einer Struktur, die die Wirkstoffe in ihrer natürlichen Umgebung besitzen.

In einer weiteren Ausführungsform weist das Kollagen Wirkstoffe auf, die das Wachstum von Stütz- und/oder Bindegewebe induzieren und insbesondere verstärken. Dies ist besonders vorteilhaft, da auf diese Weise durch das erfindungsgemäß verwendete Kollagen an der behandelten Defektregion, insbesondere an der Refixationsstelle, neben der Neubildung von Knochengewebe auch eine Neubildung von Stütz- und/oder Bindegewebe bewirkt wird. Das gebildete Stütz- und/oder Bindegewebe trägt mit besonderem Vorteil zu einer zusätzlichen Stabilisierung, insbesondere Verstärkung, der wiederhergestellten Verbindung zwischen Knochen und Sehne bzw. zwischen Knochen und Band bei.

In einer weitergehenden Ausführungsform weist das Kollagen chondroinduktive Wirkstoffe auf.

In einer weitergehenden Ausführungsform handelt es sich bei den Wirkstoffen um Wachstumsfaktoren, vorzugsweise um Rekrutierungs-, Adhäsions-, Maturations- und/oder Differenzierungsfaktoren. Bei den Rekrutierungsfaktoren handelt es sich insbesondere um Chemotaktika (Chemotaxine), beispielsweise Leukotriene. Diese Wirkstoffe sind in hervorragender Weise dazu geeignet, Zellen in die Defektregion anzulocken. Bei den rekrutierten Zellen handelt es sich insbesondere um Knochenzellen, Fibroblasten, Thrombozyten und/oder um deren Vorläuferzellen. Knochenzellen und Fibroblasten sind besonders bevorzugt, das sie für die Neubildung von Knochen-, Stütz- und Bindegewebe im Bereich der Defektregion verantwortlich sind. Rekrutierte Vorläuferzellen reifen insbesondere unter dem Einfluß weiterer Wachstumsfaktoren, vorzugsweise Differenzierungsfaktoren, zu fertigen Zellen aus. Die Neubildung von Knochen-, Stütz- und Bindegewebe in der Defektregion bewirkt in besonders vorteilhafter Weise eine Stabilisierung der behandelten Defektregion, insbesondere der refixierten Sehnen und/oder Bänder. Bei den sogenannten Adhäsionsfaktoren handelt es sich insbesondere um Zytotaktin, Tenascin, Laminin und/oder Fibronektin. Die Adhäsionsfaktoren dienen vorzugsweise der Fixierung der rekrutierten bzw. eingewanderten Zellen in der Defektregion.

Bei den Wirkstoffen handelt es sich bevorzugt um Proteine und/oder Peptide, vorzugsweise um extrazelluläre Proteine und/oder Peptide. Besonders bevorzugt handelt es sich bei den Wirkstoffen um Cytokine, d. h. um zuckerhaltige (glykosilierte) Proteine und/oder Peptide.

In einer weitergehenden besonders bevorzugten Ausführungsform handelt es sich bei den Wirkstoffen um mindestens einen Stoff aus der Gruppe, umfassend BMP-1 (bone mineralized protein-1), BMP-2 (bone mineralized protein-2), IGF1 (insuline growth factor 1), TGF &bgr;1 (transforming growth factor &bgr;1), FGF (fibroblast growth factor), VEGF (vascular endothelial growth factor) und PDGF (platelet derived growth factor).

Bevorzugt liegen die Wirkstoffe in Form eines Wirkstoffkomplexes vor. Bei dem Wirkstoffkomplex handelt es sich um eine Mischung der Wirkstoffe. Dies ist besonders vorteilhaft, da in der Mischung vorzugsweise alle Wirkstoffe vorhanden sind, die zur Neubildung eines Knochen-, Knorpel-, Stütz- und/oder Bindegewebes erforderlich sind. Weiterhin können möglicherweise auftretende Aktivitätsverluste einzelner Wirkstoffe aufgrund von mindestens teilweise überlappenden Wirkungsspektren von anderen im Komplex vorhandenen Wirkstoffen übernommen werden.

Die von der Anmelderin kommerziell vertriebenen Produkte COLLOSS® und COLLOSS® E weisen die in dieser Beschreibung genannten Wirkstoffe, vorzugsweise als Wirkstoffkomplex, auf.

In einer weiteren Ausführungsform handelt es sich bei dem Kollagen um Kollagen vom Typ I, II, III oder IV. Vorzugsweise handelt es sich bei dem Kollagen um Kollagen vom Typ I. Besonders bevorzugt handelt es sich bei dem Kollagen um Sehnen- und/oder Bänderkollagen, vorzugsweise um Sehnenkollagen.

In einer weiteren insbesondere bevorzugten Ausführungsform liegt das Kollagen zumindest teilweise, vorzugsweise vollständig, in seiner nativen Struktur vor. Natives Kollagen liegt in einer tripelhelikalen Überstruktur (tripelhelikale Kollagenfibrillen) vor, wobei die Überstruktur aus einzelhelikalen Kollagenmolekülen bzw. -fibrillen gebildet ist. Dies ist besonders vorteilhaft, da die Wirkstoffe auf diese Weise in ihrer natürlichen Trägermatrix vorliegen. Somit können die Wirkstoffe ihre osteoinduktiven Eigenschaften besonders gut entfalten.

In einer anderen insbesondere bevorzugten Ausführungsform liegt das Kollagen zumindest teilweise, vorzugsweise vollständig, in einer von seiner nativen Struktur verschiedenen Struktur vor.

Vorzugsweise liegt das Kollagen zu einem überwiegenden Anteil in einer von der nativen Struktur abweichenden Struktur und zu einem kleineren Anteil in der nativen Struktur vor. Bevorzugt beträgt der Anteil an Kollagen mit einer von der nativen Struktur abweichenden Struktur mindestens 70 bis 90 %, insbesondere mindestens 80 bis 90 %, vorzugsweise mindestens ca. 90 %, bezogen auf die Gesamtmenge des erfindungsgemäß verwendeten Kollagens.

In einer weiteren Ausführungsform weist das Kollagen unregelmäßig angeordnete (random) Kollagenfibrillen auf, vorzugsweise mit einzelhelikaler Struktur. Bevorzugt sind die Kollagenfibrillen zu einer übergeordneten Struktur zusammengelagert. Die Kollagenfibrillen sind vorzugsweise zu einer netzartigen Überstruktur zusammengelagert.

In einer weiteren Ausführungsform ist das Kollagen bovinen, porcinen und/oder equinen Ursprungs. Vorzugsweise ist das Kollagen equinen Ursprungs. Die Verwendung von Kollagen aus equinen Quellen ist wegen eines geringeren Risikos der Übertragung von Krankheitserregen besonders bevorzugt. Das unter der Bezeichnung COLLOSS® erhältliche Produkt der Anmelderin weist Kollagen bovinen Ursprungs auf. Das unter der Bezeichnung COLLOSS® E erhältliche Produkt der Anmelderin weist Kollagen equinen Ursprungs auf.

Bevorzugt wird das Kollagen durch Zermahlen und Demineralisieren von tierischem Knochen, insbesondere von bovinen, porcinen und/oder equinen Knochen, vorzugsweise von equinen Knochen, erhalten. Der Knochen wird vorzugsweise nach der Demineralisierung entfettet. Die Entfettung wird vorteilhafter Weise mit Ketonen, insbesondere Aceton, und/oder Alkoholen, insbesondere Ethanol, durchgeführt.

In einer bevorzugten Ausführungsform sind das Kollagen und die osteoinduktiven Wirkstoffe aus den gleichen biologischen Materialien isoliert. Bei den biologischen Materialien handelt es sich insbesondere um Gewebe. Vorzugsweise sind das Kollagen und die Wirkstoffe aus demselben biologischen Material, insbesondere aus demselben Knochengewebe, isoliert. Mit besonderem Vorteil lassen sich das Kollagen und die Wirkstoffe in einem einzigen Isolationsschritt gleichzeitig bereitstellen. Gegebenenfalls kann der Isolationsschritt auch wiederholt werden.

In einer weitergehenden Ausführungsform liegt das Kollagen als Extrakt vor. Besonders bevorzugt liegt das Kollagen zusammen mit den Wirkstoffen als gemeinsamer Extrakt vor. Dies bedeutet, daß der Extrakt sowohl das Kollagen als auch die osteoinduktiven Wirkstoffe enthält. Dies ist besonders vorteilhaft, da das Kollagen und die Wirkstoffe auf diese Weise eine funktionale Einheit bilden. Bevorzugt besteht der Extrakt aus dem Kollagen und den Wirkstoffen. Die Gewinnung des Extrakts erfolgt insbesondere durch Extraktion des tierischen Knochens mit einem denaturierenden Agens. Bevorzugt erfolgt die Extraktion mit Guanidin und/oder einem Guanidinsalz, beispielsweise mit Guanidiniumhydrochlorid. Dies ist besonders vorteilhaft, da auf diese Weise die im Knochen enthaltenen Wirkstoffe, insbesondere Wirkstoffe mit osteoinduktiven Eigenschaften, zusammen mit einem Teil des Knochenkollagens extrahiert werden können. Bezüglich der Wirkstoffe wird auf die bisherige Beschreibung verwiesen. Der gewonnene Extrakt enthält, wie bereits erwähnt, vorzugsweise sowohl das Kollagen als auch die Wirkstoffe. Der Extraktionsschritt kann gegebenenfalls mehrfach wiederholt werden. Daher ist mit besonderem Vorteil eine Anreicherung der Wirkstoffe im Extrakt möglich. Gegebenfalls kann der demineralisierte Knochen vor der Extraktion zur Komplexierung von Ionen, insbesondere von zweiwertigen Ionen, beispielsweise von Magnesium- und/oder Calciumionen, mit Chelatbildnern versetzt werden. Bei den Chelatbildnern handelt es sich insbesondere um EDTA (Ethylen-diamin-tetra-acetat) und/oder TRIS.

In einer weitergehenden insbesondere bevorzugten Ausführungsform liegt das Kollagen renaturiert vor. Vorzugsweise liegt das Kollagen nach einer Denaturierung mit Guanidin und/oder einem Guanidinsalz, beispielsweise Guanidiniumhydrochlorid, renaturiert vor. Vorzugsweise sind die osteoinduktiven Wirkstoffe bereits vor der Renaturierung im Kollagen enthalten. Die Renaturierung erfolgt insbesondere durch Entfernung eines denaturierenden Agens, vorzugsweise in Form einer Dialyse. Das Kollagen und insbesondere die Wirkstoffe liegen nach der Renaturierung jeweils in funktionstüchtiger Form vor. Das Kollagen weist vorzugsweise eine netzartige Überstruktur auf. Die Wirkstoffe liegen insbesondere in ihren nativen Strukturen vor. Das Kollagen dient in geeigneter Weise als Trägermatrix für die Wirkstoffe, wodurch die Wirkstoffe ihre Eigenschaften optimal entfalten können. Bezüglich weiterer Merkmale zu den Wirkstoffen wird auf die bisherige Beschreibung Bezug genommen.

In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung liegt das Kollagen vorzugsweise zusammen mit den osteoinduktiven Wirkstoffen lyophilisiert vor. Durch die Lyophilisation wird mit besonderem Vorteil eine Formgebung des Kollagens erreicht.

In einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist das Kollagen mit den osteoinduktiven Wirkstoffen hergestellt bzw. herstellbar durch

  • – Pulverisierung von Knochen,
  • – gegebenenfalls Entfettung mit einem organischen Lösungsmittel,
  • – Demineralisierung mit Säure, vorzugsweise Salzsäure,
  • – gegebenenfalls Inkubation mit Chelatbildnern, insbesondere EDTA und/oder TRIS,
  • – Extraktion mit Guanidin, insbesondere Guanidiniumhydrochlorid,
  • – Aufreinigung des Extrakts und
  • – gegebenenfalls Formgebung des Extrakts,

Bezüglich weiterer Merkmale und Einzelheiten wird auf die bisherige Beschreibung verweisen.

Weiterhin kann das Kollagen Füllstoffe aufweisen. Bevorzugt handelt es sich bei den Füllstoffen um Calciumphosphate, insbesondere um Tricalciumphosphate und/oder Hydroxylapatit. Besonders bevorzugt weist das Kollagen das von der Anmelderin unter der Bezeichnung OSSAPLAST®kommerziell vertriebene Produkt auf. Im Falle von OSSAPLAST® handelt es sich um ein granuliertes &bgr;-Tricalciumphosphat. Die Modifikation des Kollagens mit Füllstoffen kann insbesondere zur Erhöhung der osteokonduktiven (lasttragenden) Eigenschaften des Kollagens und insbesondere zur Vergrößerung der Kollagenoberfläche bevorzugt sein.

In einer weiteren Ausführungsform weist das Kollagen neben den osteoinduktiven Wirkstoffen weitere Wirkstoffe auf. Bei den weiteren Wirkstoffen kann es sich insbesondere um antimikrobiotische Stoffe, vorzugsweise um Antibiotika, handeln. Auf diese Weise können entzündliche Reaktionen im Bereich der Sehnen- und/oder Bänderdefekte, insbesondere im Bereich der Refixationsstelle, unterdrückt werden. Dies verringert das Risiko der Entstehung von chronischen Defekten. Bei den weiteren Wirkstoffen kann es sich außerdem um Zytostatika und/oder Antibiotika handeln. Diese Wirkstoffe sind unter therapeutischen Gesichtspunkten besonders bevorzugt.

In einer bevorzugten Ausführungsform ist das Kollagen porös. Vorzugsweise weist das Kollagen interkonnektierende Poren auf. Das Kollagen besitzt vorzugsweise Poren mit einem Durchmesser von mindestens 100 &mgr;m, insbesondere von 100 bis 300 &mgr;m, vorzugsweise von ca. 200 &mgr;m. Dies ist besonders vorteilhaft für die Rekrutierung und das Einwachsen von Zellen und/oder von deren Vorläuferzellen in das Knochengewebe der Defektregion, insbesondere der Refixationsstelle.

In einer weiteren Ausführungsform ist das Kollagen quervernetzt, vorzugsweise chemisch quervernetzt. Das Kollagen ist insbesondere mit einem Carbodiimid, beispielsweise mit N-(Dimethylaminopropyl)-N'-ethylcarbodiimid (EDC), oder mit Glutaraldehyd quervernetzt.

In einer besonders bevorzugten Ausführungsform liegt das erfindungsgemäß verwendete Kollagen in einem gelartigen Zustand vor. Die Bereitstellung des erfindungsgemäß verwendeten Kollagens in Form eines Gels erlaubt insbesondere eine einfache und bequeme Applikation im Bereich der Defektregion. Mit besonderem Vorteil weist das Kollagen gelbildende Komponenten, insbesondere Polysaccharide, auf. Bei den Polysacchariden handelt es sich insbesondere um mindestens ein Polysaccharid aus der Gruppe, umfassend Hyaluronsäure, Heparin, Cellulose und deren Derivate. Bevorzugt handelt es sich bei den Cellulosederivaten um mindestens ein Derivat aus der Gruppe, umfassend Carboxymethylcellulose (CMC), Hydroxyethylcellulose (HEC), Hydroxypropylcellulose (HPC) und Ethylhydroxyethylcellulose (EHEC).

Weiterhin weist das Kollagen bevorzugt ein sogenanntes Dispersionsmittel auf. Bei dem Dispersionsmittel handelt es sich insbesondere um wäßrige Flüssigkeiten, insbesondere um eine physiologische Kochsalzlösung. Bevorzugt handelt es sich bei dem Dispersionsmittel um Blut, insbesondere um Patientenblut, beispielsweise Frischblut. Weiterhin kann es sich bei dem Dispersionsmittel um gerinnungsgehemmtes Blut oder eine PRP (Platelet Rich Plasma)-Fraktion aus Blut handeln. Die im Blut bzw. in einer Blutfraktion vorhandenen Bestandteile und Faktoren, insbesondere Blutplättchen und vorzugsweise deren freigesetzte Stoffe, können selbst osteoinduktive Eigenschaften besitzen und insbesondere durch Wechselwirkung mit dem Kollagen und den osteoinduktiven Wirkstoffen zu einer verstärkten Bildung von Knochengewebe in der Defektregion führen.

In einer weiteren Ausführungsform sind das Kollagen und die osteoinduktiven Wirkstoffe sterilisiert bzw. liegen in sterilisierter Form vor. Für die Sterilisation kommen eine Vielzahl herkömmlicher Sterilisationsverfahren in Betracht. Bevorzugt ist die Sterilisation durch radioaktive Bestrahlung, vorzugsweise durch &ggr;-Bestrahlung. Weiterhin ist es bevorzugt, daß das Kollagen und die osteoinduktiven Wirkstoffe mit Ethylenoxid sterilisiert sind. Außerdem kann es erfindungsgemäß vorgesehen sein, daß das Kollagen und die Wirkstoffe aseptisch behandelt und/oder hergestellt sind. Beispielsweise können das Kollagen und die osteoinduktiven Wirkstoffe durch die Verwendung von steril filtrierten Antibiotikalösungen, vorzugsweise einer steril filtrierten Gentamycinlösung, aseptisch behandelt und/oder hergestellt sein.

Das erfindungsgemäß verwendete Kollagen liegt bevorzugt in verpackter Form, insbesondere in steril verpackter Form, vor. In einer solchen Verpackung kann das Kollagen über einen längeren Zeitraum, insbesondere über einen Zeitraum von mehreren Monaten, gelagert werden, ohne daß es dabei zu einer Beeinträchtigung der Eigenschaften des Kollagens und insbesondere der osteoinduktiven Wirkstoffe kommt. Als Verpackungsmaterialien eignen sich insbesondere Kunststoffmaterialien. Die Verpackungsmaterialien können als Spritzen, insbesondere als Einkammer- oder Zweikammerspritzen, ausgebildet sein.

Die Erfindung betrifft weiterhin einen Kit, insbesondere zur Behandlung von Sehnen- und/oder Bänderdefekten, umfassend mindestens ein erstes Behältnis und ein zweites Behältnis, wobei das erste Behältnis ein osteoinduktive Wirkstoffe aufweisendes Kollagen tierischen Ursprungs und das zweite Behältnis mindestens ein medizintechnisches Implantat umfaßt. Bevorzugt handelt es sich bei den medizintechnischen Implantaten um Fadenanker und/oder Nahtmaterialien. Die Nahtmaterialien können insbesondere resorbierbar oder nicht resorbierbar sein. Bezüglich weiterer Eigenschaften des Kits, insbesondere mit Hinblick auf das Kollagen, die osteoinduktiven Wirkstoffe sowie die medizintechnischen Implantate, wird vollumfänglich auf die vorliegende Beschreibung verwiesen.

Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung einer bevorzugten Ausführungsform anhand eines Beispiels in Verbindung mit den Unteransprüchen. Hierbei können die einzelnen Merkmale jeweils für sich alleine oder zu mehreren in Kombination miteinander verwirklicht sein.

Beispiel:

Im Rahmen einer Patientenstudie wurden 13 Patienten, bei welchen ein vollständiger Riß der Rotatorenmanschette diagnostiziert worden war, ca. 20 mg COLLOSS® (Produkt der Anmelderin, das in der Beschreibung näher erläutert ist) im Rahmen eines arthroskopischen Eingriffs verabreicht. Zur Behandlung der Sehnenrisse wurden jeweils Fadenanker aus Titan in den Oberarmknochen der Patienten implantiert, wobei die Fadenanker über Nahtmaterialien mit der gerissenen Sehne verbunden wurden. Abhängig von der Rißgröße wurden gegebenenfalls auch mehrere Fadenanker in den Oberarmknochen der Patienten implantiert. Das Material COLLOSS® wurde in Form von scheibenförmigen Formkörpern jeweils auf die Fadenanker zwischen Sehne und Oberarmknochen aufgebracht. Nach der Schulterarthroskopie wurden die Schultern der Patienten während 3 Wochen in einer Armschlinge ruhiggestellt. Nach ca. 6 bis 10 Wochen wurde mit einem gezielten Rehabilitationsprogramm begonnen.

Die oben genannte Studie umfaßte 13 Patienten, wovon 2 Patienten an einer leichten Ruptur, 5 Patienten an einer mittleren Ruptur, 3 Patienten an einer großen und weitere 3 Patienten an einer massiven Ruptur in der Rotatorenmanschette litten. Der Heilungsverlauf wurde 12 Wochen nach der Schulterarthroskopie mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRI: magnetic resonance imaging) überprüft. Dabei konnte festgestellt werden, daß die Behandlung bei 6 Patienten besonders erfolgreich verlaufen ist. Lediglich 3 Patienten mußten sich einem erneuten operativen Eingriff unterziehen.


Anspruch[de]
Verwendung eines Kollagens tierischen Ursprungs, welches osteoinduktive Wirkstoffe aufweist, zur Behandlung von Sehnen- und/oder Bänderdefekten. Verwendung eines Kollagens tierischen Ursprungs, welches osteoinduktive Wirkstoffe aufweist, zur Herstellung eines Formkörpers, insbesondere nach Art eines Implantats, zur Behandlung von Sehnen- und/oder Bänderdefekten. Verwendung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei den Sehnen- und/oder Bänderdefekten um Risse (Rupturen) handelt. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Sehnen- und/oder Bänderdefekte im Bereich von Körpergelenken, insbesondere von Knie-, Sprung-, Hand- und/oder Schultergelenk, vorzugsweise von Schultergelenk, lokalisiert sind. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei den Sehnendefekten um Sehnendefekte der Rotatorenmanschette handelt. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei den Sehnendefekten um einen Sehnendefekt des Muskels supraspinatus (Musculus supraspinatus) handelt. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei den Sehnen- und/oder Bänderdefekten um akute Defekte handelt. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Wirkstoffe nativen Ursprungs sind. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Kollagen Wirkstoffe aufweist, die das Wachstum von Stütz- und/oder Bindegewebe induzieren. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Kollagen chondroinduktive Wirkstoffe aufweist. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei den Wirkstoffen um Proteine und/oder Peptide, vorzugsweise um extrazelluläre Proteine und/oder Peptide, handelt. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei den Wirkstoffen um Wachstumsfaktoren, vorzugsweise um Rekrutierungs-, Adhäsions-, Maturations- und/oder Differenzierungsfaktoren, handelt. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei den Wirkstoffen um mindestens einen Stoff aus der Gruppe, umfassend BMP-1 (bone mineralized protein-1), BMP-2 (bone mineralized protein-2), IGF1 (insuline growth factor 1), TGF &bgr;1 (transforming growth factor &bgr;1), FGF (fibroblast growth factor), VEGF (vascular endothelial growth factor) und PDGF (platelet derived growth factor), handelt. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Wirkstoffe in Form eines Wirkstoffkomplexes vorliegen. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Kollagen bovinen, porcinen und/oder equinen Ursprungs, vorzugsweise equinen Ursprungs, ist. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Kollagen und die Wirkstoffe aus den gleichen biologischen Materialien, vorzugsweise aus demselben biologischen Material, insbesondere aus demselben Knochengewebe, isoliert sind. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Kollagen, vorzugsweise zusammen mit den Wirkstoffen, als Extrakt vorliegt. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Kollagen renaturiert vorliegt, vorzugsweise nach einer Denaturierung mit Guanidin und/oder einem Guanidinsalz. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Kollagen als Lyophilisat vorliegt. Kit, insbesondere zur Behandlung von Sehnen- und/oder Bänderdefekten, umfassend mindestens ein erstes Behältnis und ein zweites Behältnis, wobei das erste Behältnis ein osteoinduktive Wirkstoffe aufweisendes Kollagen tierischen Ursprungs und das zweite Behältnis mindestens ein medizintechnisches Implantat umfaßt. Kit nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet, daß das medizintechnische Implantat ein Fadenanker ist. Kit nach Anspruch 20 oder 21, dadurch gekennzeichnet, daß das medizintechnische Implantat ein chirurgisches Nahtmaterial ist. Kit nach einem der Ansprüche 20 bis 22, weiter gekennzeichnet durch ein osteoinduktive Wirkstoffe aufweisendes Kollagen mit mindestens einem Merkmal des kennzeichnenden Teils der Ansprüche 1 bis 19.






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